Polizeiruf 110 - Der Ort, von dem die Wolken kommen

Krimi | Deutschland 2019 | 88 Minuten

Regie: Florian Schwarz

Eine Polizeikommissarin sieht sich mit einem verwahrlosten Jungen konfrontiert, der kaum spricht und offensichtlich missbraucht worden ist. Durch Hypnose will die Ermittlerin seinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, doch dann taucht im Krankenhaus eine mysteriöse Frau auf, die den Knaben töten will. Der Plot des Fernsehkrimis wird visuell versiert umgesetzt, verliert sich allerdings in nebulösen Ungereimtheiten und wirkt durch ein Übermaß an gespenstischen Träumen und somnambulen Erinnerungen eher wie eine Geistergeschichte. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Florian Schwarz
Buch
Thomas Korte · Michael Proehl
Kamera
Julian Krubasik
Musik
Sven Rossenbach · Florian van Volxem
Schnitt
Vera van Appeldorn
Darsteller
Verena Altenberger (Elisabeth "Bessie" Eyckhoff) · Andreas Bittl (Wolfgang Maurer) · Cem Lukas Yeginer (Cem Halac) · Dennis Doms (Polou) · Norman Hacker (Strasser)
Länge
88 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi
Diskussion

Eine Polizeikommissarin sieht sich mit einem verwahrlosten Jungen konfrontiert, der kaum spricht und offensichtlich missbraucht worden ist. Durch Hypnose will die Ermittlerin seinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen.

Nachdem Matthias Brandt als Hauptkommissar Hanns von Meuffels in den Jahren 2011 bis 2018 insgesamt 15 spannenden Münchner „Polizeirufen“ seinen Stempel aufgedrückt hat, war man auf seine Nachfolgerin Verena Altenberger als Polizeioberkommissarin Elisabeth „Bessie“ Eyckhoff sehr gespannt. Ob die Figur ähnlich viel Charisma und Eigensinn entwickelt wie Meuffels? Was charakterisiert ihre Person und ihre Kommissarin-Persona? Welche Fälle liegen ihr?

Um das Fazit vorwegzunehmen: Bessies erster Fall, der sich um einen verwahrlosten und misshandelten Jugendlichen dreht, enttäuscht und verwirrt in vieler Hinsicht.

Krude Story, missratene Karikaturen

Die Konfusion beginnt schon damit, dass Bessies Position unklar bleibt. Ist sie nun, wie sie erklärt und wie es ihre Uniform dokumentiert, eine Streifenpolizistin, die in den Fall hineinrutscht, oder agiert sie, den Credits entsprechend, als richtige Kommissarin, also mit Ermittlungsauftrag und Team? Mal so, mal so. Die krude Story weiß es selbst nicht so genau.

Verena Altenberger hat Charme, aber eine Münchner Kommissarin nimmt man ihr nicht ab. Wenn sie die Szene betritt, erwartet man fast, dass sich die Geschichte nun in Richtung einer rührseligen „Family-Soap“ entwickeln werde. Die Uniform sieht an ihr wie eine kuriose Verkleidung aus. Dasselbe gilt für ihr „Team“: zwei Männer, die wie Karikaturen wirken, ein kleiner, schwuler Dicker namens Cem, dem man zudem noch abkaufen soll, Bessies Halbbruder zu sein, und ein Grobklotz-Bulle, der den Macho-Trottel repräsentieren soll. Polizisten-Kasper, die wie vulgäre, missratene Parodieversuche erscheinen.

Heilloses Durcheinander

Anfangs hegt man noch die Erwartung, dass Regisseur Florian Schwarz etwas ganz besonders Eigenwilliges versucht, weshalb man Ungereimtheiten zunächst schluckt, um im heillosen Erzähldurcheinander dann aber doch das Interesse an den Figuren wie der Story zu verlieren.

Bessie agiert nicht detektivisch, sondern wie eine naive, supernette Sozialarbeiterin, die per Mitmenschlichkeit punkten will. Es gelingt ihr, eine vertrauliche, fast kumpelhafte Beziehung zu dem verstörten Jungen aufzubauen, der in den Isarauen gefunden wurde.

Doch ihr Part besteht vor allem darin, Assistentin einer Trauma-Psychologin zu sein und im Hypnose-Phantasma den Ort des Verbrechens in der Schweiz zu visionieren. Die Ermittlung per Hypnose funktioniert sogar im Modus einer „synchronisierten Doppelhypnose“. So behauptet es zumindest die Story, in der es von gespenstischen Träumen, Traumata-Schrecknissen und Hypnose-Tralala derart wimmelt, dass es am Ende aussieht, als wäre das Ganze lieber eine Geistergeschichte geworden.

Florian Schwarz inszeniert visuell versiert, allerdings wie ein bildvirtuoser Clip-Regisseur, der nach suggestiven Effekten hascht, sich um die Kohärenz seiner Figuren und seiner Story aber nicht weiter kümmert.

Ein Ausblick

Vielleicht gelingt es Dominik Graf, aus Verena Altenberger doch noch eine überzeugende Kommissarin zu machen. Unter Grafs Regie fanden im Mai dieses Jahres die Dreharbeiten zum zweiten Bessie-Eyckhoff-Polizeiruf statt. Titel: „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“.

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