Everest - Ein Yeti will hoch hinaus

4K UHD. | USA 2019 | 97 Minuten

Regie: Jill Culton

Ein Mädchen aus Shanghai, das vor kurzem seinen Vater verloren hat, freundet sich mit einem verängstigten Yeti an, der aus einem Versuchslaboratorium entkommen ist. Zusammen mit zwei Freunden hilft es dem magischen Fabelwesen, bis in den Himalaya zu gelangen. Die vielschichtigen Figuren entwickeln sich während der abenteuerlichen Reise durch die schönsten Landschaften Chinas beträchtlich weiter. Der Ton des poetisch animierten Road Movies schwankt zwischen fröhlich und anrührend, wobei der Film neben eindrücklichen Naturmomenten auch Fantasy- und Horrorelemente beinhaltet. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
ABOMINABLE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Jill Culton · Todd Wilderman
Buch
Jill Culton
Kamera
Robert Edward Crawford
Musik
Rupert Gregson-Williams
Schnitt
Susan Fitzer
Länge
97 Minuten
Kinostart
26.09.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 8.
Genre
4K UHD. | Abenteuer | Animation | Fantasy | Komödie

Heimkino

Die Standardausgabe (DVD) enthält keine erwähnenswerten Extras. Die umfangreicheren BD-Editionen enthalten indes den Animantionskurzfilm "Show & Tell" (3 Min.), diverse kurze Featurettes über Teilaspekte des Films, eine interessante Featurette über den Animationsprozess des Films (21 Min.), ein kommentiertes Feature mit vier im Film nicht verwendeten Szenen (11 Min.) sowie einen Audiokommentar mit den Regisseuren Jill Culton & Todd Wilderman, den Produzentinnen Suzanne Buirgy & Peilin Chou, dem "Head of Character Animation" John Hill, dem "Production Designer" Max Boas und dem "Visual Effects Supervisor" Mark Edwards. Die BD-Editionen sind mit dem Silberling 2019 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Universal (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Universal (16:9, 1.78:1, dolby_ATMOS engl./dt.)
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Animationsfilm um ein Mädchen aus Shanghai, das sich mit einem verängstigten Yeti anfreundet und dem mysteriösen Wesen hilft, seinen Verfolgern zu entkommen und auf einer abenteuerlichen Reise quer durch China in den Himalaya zu gelangen.

Diskussion

Die ersten Szenen erinnern an einen klassischen Horrorfilm à la „Frankenstein oder „King Kong. Ein weißhaariges Monster flieht aus einem geheimen Forschungslabor in der Millionenstadt Shanghai. Hilflos rennt es durch die Flure und Arbeitsräume. Als es fast schon am Ausgang steht, wird es vom Wachschutz und der Laborleiterin gestellt. Doch wie durch ein Wunder unterbricht das haarige Wesen die Stromzufuhr des Elektrozauns und schwingt sich nach oben in die Freiheit. Verwirrt bleiben seine Verfolger zurück.

Das flüchtige Wesen läuft panisch und desorientiert durch die Straßen. Dann bleibt sein Blick an einem gigantischen Werbeplakat hängen, das einen schneebedeckten Gipfel zeigt: „Besuchen Sie den Everest.“ Das scheint in ihm etwas auszulösen. Entschlossen klettert es über die Baugerüste nach oben.

Ein Zufluchtsort für die Trauer

Auf dem Dach über der Wohnung ihrer Familie hat sich Yi für ihre Trauer einen Zufluchtsort geschaffen, mit einer Chinakarte, Postkarten, Fotos und anderen Erinnerungsstücken; nachts spielt sie hier auf der Geige ihres Vaters. Seit dessen Tod hat sich die Jugendliche von ihren Freunden und auch von ihrer Mutter und Großmutter abgeschottet. Sie stürzt sich heimlich in Jobs, arbeitet als Hunde- und Babysitterin und Küchenhilfe. Auf diese Weise spart sie für eine große Reise durch China, die sie eigentlich zusammen mit ihrem Vater geplant hatte.

Dann aber versteckt sich das zottelige weiße Monster mit seinen schiefen Zähnen und tiefblauen Kulleraugen auf dem Dach. Nach dem ersten Schreck und vorsichtigen Annäherungsversuchen gewinnt Yi sein Vertrauen und entdeckt, dass es von Hubschraubern und bewaffneten Männern gesucht wird. Denn es handelt sich um einen Yeti. Mr. Burnish, der betagte Firmeninhaber, ein verkannter Wissenschaftler, will ihn auf einem Kongress der Weltöffentlichkeit vorstellen. Seine Laborleiterin Dr. Zara aber hat ganz andere Interessen. Sie hetzt den Yeti und Yi durch die Häuserschluchten und über die Dächer Shanghais.

Einmal quer durch China

Das Mädchen weiß inzwischen, dass ihr neuer Freund in seine Heimat zum Mount Everest zurückwill. Mit einem alten Frachtdampfer gelangen beide unbemerkt aus der Großstadt hinaus. Über den Fluss Jangtsekiang fliehen sie ins Landesinnere. Mit dabei, wenn auch nicht ganz freiwillig, sind der kleine Nachbarjunge Peng, der immer Basketball spielen möchte, und sein Cousin Jin, der sich bislang nur für sein Smartphone, seine weiblichen Fans und seine teuren Turnschuhe interessiert hat. Die Reise durch die schönsten Landschaften Chinas wandelt sich immer wieder zum Albtraum, denn die Verfolger geben nicht auf. Der kleine Yeti aber verfügt über eigenartige magische Kräfte, die er noch nicht richtig beherrscht; er wie auch seine Begleiter verwandeln sich auf der langen Reise.

„Everest - Ein Yeti will hoch hinaus“ ist ein Animationsfilm mit vielschichtigen Hauptfiguren, die sich im Guten wie im Bösen im Laufe der Handlung weiterentwickeln. Yi lernt, dass andere Menschen ihr in ihrem Trauerprozess helfen können, Jin entwickelt sich vom Facebook-Gigolo zum verantwortungsvollen Freund, der introvertierte Wissenschaftler wird zum Tier- und Menschenfreund und die Laborleiterin von der vermeintlichen Tierschützerin zur zynischen Tierhändlerin.

Wie aus dem Bilderbuch

Mit humorvollen Dialogen gleitet das spannende Road Movie den Fluss Jangtsekiang hinauf ins Huangshan-Gebirge, zu den Gelben Bergen, in die Wüste Gobi und vorbei am großen Buddha von Leshan bis zum Himalaya-Gebirge, wo die große Entscheidung wartet. Der Ton schwankt dabei von fröhlich bis anrührend, von poetischen Naturmomenten bis zu hin zu Fantasy- oder Horrorelementen. Ein China wie aus dem Bilderbuch, dessen Großstadtschluchten an New York erinnern, inklusive der McDonald’s-Werbung, und in dem Kinder und Jugendliche ihren Alltag geschickt über Smartphones und die dazugehörigen Apps organisieren können.

Außerhalb der Metropole erscheint das Land als eine Art jungfräulicher Naturpark ohne Touristen, der eher an die Reiseberichte eines Marco Polo erinnert als an das moderne China. Abgesehen von seinem mehr als irrealen Kontext ist „Everest - Ein Yeti will hoch hinaus“ aber ein recht unterhaltsamer Animationsfilm.

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