Terminator: Dark Fate

Action | USA 2019 | 129 Minuten

Regie: Tim Miller

Nachdem aus einer von künstlicher Intelligent beherrschten Zukunft schon mehrfach vergeblich Kampfmaschinen in der Zeit zurückreisten, um die Rebellion der Menschen zu unterbinden, wird einmal mehr ein erweitertes Modell auf eine junge Frau angesetzt. Schützenhilfe erhält diese jedoch durch eine Cybersoldatin, eine menschliche Maschinen-Jägerin und das Terminator-Urmodell, die nach wie vor zum Kampf entschlossen sind. Sechster Teil einer erzählerisch längst erschöpften Filmreihe, der mit müden selbstreferenziellen Witzen die alten Muster bedient. Die austauschbaren Actionsequenzen halten den dünnen Erzählfaden am Leben, zeitigen aber keinerlei Effekt auf die Psychologie der Charaktere. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
TERMINATOR: DARK FATE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Tim Miller
Buch
David S. Goyer · Justin Rhodes · Billy Ray
Kamera
Ken Seng
Musik
Junkie XL
Schnitt
Julian Clarke
Darsteller
Mackenzie Davis (Grace) · Linda Hamilton (Sarah Connor) · Arnold Schwarzenegger (Terminator T-800 "Model 101") · Natalia Reyes (Daniella "Dani" Ramos) · Gabriel Luna (Terminator Rev-9)
Länge
129 Minuten
Kinostart
24.10.2019
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Science-Fiction
Diskussion

Sechster Teil der Science-Fiction-Filmreihe, in dem einmal mehr eine Terminator-Kampfmaschine aus der Zukunft eine junge Frau umbringen soll und die wackere Schar um Maschinen-Jägerin Sarah Connor und den Ur-Terminator sich der Bedrohung entgegenstellt.

Das Blockbuster-Kino war schon immer hervorragend darin, Sinnbilder für sich selbst zu schaffen. Riesige Haie, außer Kontrolle geratene Dinosaurier, und eben auch James Camerons stählernen, technisch hochgerüsteten Terminator. Die unaufhaltbare, durch die Zeit reisende Killermaschine, die auch nach der heftigsten Attacke noch eisern voranschreitet. Und selbst wenn sie wieder einmal vernichtet wird: In einer anderen Zeit oder Dimension gibt es sicher noch ein Modell, das der Menschheit den Krieg erklären kann. Die ikonische Figur ist unsterblich, kann nur noch durch ein fernbleibendes Publikum beschädigt und auch dann wohl höchstens für einige Jahre gebannt werden.

Der sechste – es könnte ebenso gut der hundertsechste sein – Eintrag der Filmreihe trägt den Titel „Terminator: Dark Fate“. Der neueste Terminator, das Modell Rev-9 (gespielt von Gabriel Luna), besteht aus einer Art flüssigem Metall, mit dem Menschen übernommen und dadurch auch imitiert werden können. Regelmäßig löst sich seine Menschenhülle vom mechanischen Kern. Auch er ist Sinnbild des Films, durch den er sich kämpft. Längst existiert ein nacktes Skelett des „Terminator“-Franchises, welches sich immer wieder offen zu erkennen gibt. Eine Kern-Handlung. Natürlich wechselt die äußere Erscheinung, doch im Gegensatz zu früheren Filmen besteht eigentlich keine Notwendigkeit mehr, diese Fassade aufrechtzuerhalten. Längst ist man nicht mehr so naiv zu glauben, unter dem Fleisch läge ein schlagendes Herz verborgen. Man hat sich längst an die Terminatoren gewöhnt.

Die Menschheit hat nichts gelernt

Zum Skelett: Die bösartige künstliche Intelligenz Skynet wurde zwar vernichtet und damit auch der „Tag der Abrechnung“ verhindert, doch an ihrer Statt hat die Menschheit nun das ähnlich angelegte System „Legion“ entwickelt. Zitat im Film dazu: „Diese Arschlöcher lernen es nie.“ Wieder einmal wird ein Terminator aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt. Wieder ist sein Auftrag, eine Frau zu töten, diesmal die junge Daniella Ramos (Natalia Reyes), die in Mexiko City in einer Autofabrik arbeitet. Verhindern will das nicht nur die ebenfalls durch die Zeit gereiste Super-Soldatin Grace (Mackenzie Davis), sondern auch die seit dem Tod ihres Sohnes John Terminatoren jagende Sarah Connor (Linda Hamilton). Sogar ein gealterter T-800 (Arnold Schwarzenegger), der mittlerweile Familienvater geworden ist, unterstützt sie in ihrem Kampf. Er nennt sich jetzt Carl.

Das letzte Jahrzehnt war zweifellos eine Hochphase für all jene, die den Warencharakter von Filmen nicht nur in Branchenpublikationen oder Werbekampagnen, sondern direkt auf der Leinwand erleben wollen. „Dark Fate“ ist eine perfekte Mischung aus Branded Content, öffentlicher Verwaltung von geistigem Eigentum und DCP-förmiger Sterbenslangeweile. Der Film wirkt noch leerer, noch trauriger, noch beliebiger als die meisten anderen Großproduktionen. Würde man all die aufwändigen, teuren und sehr hässlichen Spezialeffekte entfernen, hinter dem Greenscreen käme wohl eine Studio-Quartalsversammlung zum Vorschein. Wenig am Film ist neu oder gar irgendwie bemerkenswert. Was noch nicht bekannt war, wird ausgestellt wie die neue Funktion eines jährlich in neuer Auflage erscheinenden Elektronikgeräts. Unique Selling Points der diesjährigen Version: der neue Schauplatz Mexiko, inklusive mexikanischer Darsteller. Der neue Terminator, der durch Gabriel Lunas wenig bedrohliches Auftreten wirkt wie ein zorniger Steuerberater. Und eine neue Zukunft mit neuen Feinden, die leider genauso aussieht wie die alte Zukunft.

Natürlich bedient man auch einige aktuelle Diskurse. Die Automatisierung klingt an, die Stellen von Daniella und ihrem Bruder werden durch Roboter bedroht. Im Laufe der Handlung landet die Protagonistin in einem Gefängnis an der mexikanischen Grenze, in irgendeine Richtung gedeutet werden die Praktiken dort aber nicht. Smartphones können natürlich überwacht werden. Und auch ein wenig progressiv gibt man sich, wenn Daniellas Rolle nicht auf die einer Mariengestalt und Gottesmutter beschränkt wird. Themen, die wenig mehr sind als ein Indikator für eine bestimmte Zeit. Sie erbringen den Beweis, dass man nicht aus Versehen das falsche Modell gekauft beziehungsweise im Kino angesehen hat.

Jeder Witz ist selbstreferenziell

Regisseur Tim Miller, der schon Deadpool verantwortete, bemüht sich darum, „Dark Fate“ seinen selbstreferenziellen Humor aufzudrängen. Jeder Witz ist Ergebnis eines popkulturellen Erinnerungsüberschusses. Postmoderne Gesten des Zitierens und Verweisens, die Theoretikern wie Umberto Eco dazu dienten, sich falscher Unschuld und Naivität zu entledigen, führen nur noch zum faulen Reproduzieren und blasierter Überheblichkeit. Gleich mehrfach variieren Figuren das Terminator-Schlagwort „I’ll be back“; ein Scherz, den Schwarzenegger schon in der „Expendables“-Reihe zu oft gemacht hat. Es wirkt ironisch, wenn die Figuren eigentlich nur über die Zukunft und in alten Phrasen sprechen. Lustig aber ist es nicht. Ex-Terminator Carl darf noch ein wenig über die eigene Ernsthaftigkeit ulken: Mit nüchterner Stimme erklärt er sich für besonders humorvoll. Der größte Witz ist, dass es keinen Witz gibt. Pure Publikumsverachtung, Fun ist ein Stahlkörper.

Auch wenn es oft ein wenig albern zugeht, ist der „Dark“-Teil des Titels zumindest visuell durchaus ernst gemeint. Die meisten Sequenzen versinken in düsterem Grau-Braun, alles ist in jeder Hinsicht unterbelichtet. Die Schauplätze gleichen Leveln aus zu Recht verdrängten Playstation-3-Egoshooter-Spielen wie „Resistance“ oder „Killzone“. Auch die Actionsequenzen sind ähnlich aufregend: Es gibt eine solide Auto-Verfolgungsjagd, die freilich nur ein Schatten der Truck-Passage aus Terminator 2 ist. Im angesprochenen Grenzgefängnis wird geschossen, später stoßen Flugzeuge zusammen. Letztendlich geht man in den Nahkampf über. Fast überflüssig zu erwähnen, dass sich gerade in den Flugzeugpassagen äußerst wenig physische Realität in die Bilder verirrt, das Effektgewitter aber auch keine eigenständige und abstrakte Bildsprache findet. Die Gefechte sind für die Figuren unerheblich, entwickeln keine nachvollziehbare Struktur oder gar eine interessante Leitidee. Es geschehen einfach Dinge, Menschen sterben, Explosionen geschehen. Dann ist der Film vorbei.

Endloser Zyklus von Vernichtung und Errettung

Schon „Terminator 2“ aus dem Jahr 1991 koppelte seinen Zeitreise-Plot an die Frage nach dem Schicksal. Schlussendlich stemmten sich die Figuren mit heroischen Worten und Taten gegen die scheinbar schon geschriebene Geschichte der Menschheit. Heute, wo der Untergang der Welt täglich von den Titelseiten droht, sollte die Frage nach dem Schicksal der Menschheit wohl eigentlich auf besondere Resonanz stoßen. Doch auch wenn sich „Dark Fate“ mit ähnlichem Pathos der apokalyptischen Zukunft entgegenwirft, führt der Film durch seine reine Existenz all diese Behauptungen ad absurdum. Als sechster Film der Reihe ist er längst Teil eines endlosen Zyklus von Vernichtung und Errettung geworden. Seine Ideen und Witze beziehen sich stets auf die Vergangenheit, selbst seine neue Zukunft ist eine alte. Wenn es ein überzeugendes Argument dafür gibt, dass die Menschheit nie eine andere wird, dann sicher „Terminator: Dark Fate“.

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