Die Addams Family

Animation | USA/Kanada 2019 | 88 Minuten

Regie: Greg Tiernan

Als die an Grusel-Charaktere erinnernde Familie Addams einmal mehr ein Domizil in einer neuen Stadt beziehen muss, erweckt ihr düsteres Auftreten den Unmut der örtlichen Musterbevölkerung. Als wegen einer Familienfeier noch weitere schräge Kreaturen die Vorstadtidylle heimsuchen, laufen die konservativen Bürger endgültig Sturm gegen die unerwünschten Neuankömmlinge. Animationsfilm um die ursprünglich in den 1930er-Jahren für Zeitungscomics erfundene anarchische Familie. Die neuerliche Verfilmung ist eine in Details bissige, dann wieder handzahme Satire, deren kritische Haltung sich zum Ende hin zugunsten von Harmonieseligkeit völlig auflöst. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
THE ADDAMS FAMILY
Produktionsland
USA/Kanada
Produktionsjahr
2019
Regie
Greg Tiernan · Conrad Vernon
Buch
Matt Lieberman · Pamela Pettler
Musik
Jeff Danna · Mychael Danna
Schnitt
Kevin Pavlovic · David Ian Salter
Länge
88 Minuten
Kinostart
24.10.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Animation | Familienfilm | Horror | Komödie | Vampirfilm
Diskussion

Neuerliche Verfilmung der Geschichten um die ursprünglich in den 1930er-Jahren für Zeitungscomics erfundene anarchische Familie, diesmal als Animationsfilm-Satire mit Pointen auf Kosten konservativer Befindlichkeiten.

Dass die Addams’ ein wenig anders sind als die anderen Familien im ländlichen Amerika, wird nicht erst durch ihr eigenartig morbides Hochzeitsritual zwischen den Familienvorständen Morticia und Gomez offenbar. Dieses erinnert eher an eine Leichenprozession bei Mitternacht als an das klassische „Ganz in Weiß, mit einem Blumenstrauß“. Nach dem nicht ausbleibenden Volksaufstand im Dorf heißt es für die skurrile Sippe wieder einmal: überstürzte Abreise aus der alten und verzweifelte Suche nach einer neuen Heimat.

Wie gut, dass es da dieses Sanatorium-Anwesen auf dem einsamen Hügel im beschaulichen New Jersey gibt, das aufgrund eines übernatürlichen Eigenlebens eigentlich als unvermietbar gilt. Wie schlecht aber wiederum, dass sich Jahre später unten im Tal die beschauliche Musterstadt Assimilation entwickelt, in der die Maklerin, TV-Moderatorin und Inneneinrichtungsfanatikerin Margaux Needler genau Obacht gibt, dass die politisch-gesellschaftliche Linie der Zuziehenden genauso aufgeräumt ist wie die aseptischen Vorgärten der Gemeinde.

Die Gemeinde macht mobil

Empfindliche Begegnungen zwischen den neuen Nachbarn scheinen unausweichlich, da die Zöglinge der Addams auch mal vor die Tür müssen, im Speziellen die pubertierende Wednesday, der es endlich nach Menschenkontakt in der örtlichen Schule dürstet. Der Ausblick auf das „schändliche“ Anwesen aufgrund des sich im Zuge des Klimawandels lichtenden Bergnebels bringt Margaux’ Geduldsfaden endgültig zum Zerreißen.

Familie Addams muss weg, so die ausgerufene Direktive bei den Stadtverantwortlichen. Doch das Gegenteil scheint erst einmal der Fall, denn die anstehende familientypische Jugendweihe von Filius Pugsley hat zur Folge, dass zur groß gefeierten Mazurka-Schwertkampfdarbietung erst einmal noch viel mehr eigentümlich dunkel gekleidete Kreaturen fröhlich-polternd Einzug halten.

Die aus dem 1938 von Charles Addams für einen Zeitungscartoon entsprungenen schrecklich-sympathischen Wesen aus der Zwischenwelt gelten nicht erst seit Barry Sonnenfelds herrlich finsteren Komödien aus den 1990er-Jahren als Kult. 25 Jahre danach startet nun ein erneuter Versuch der Wiederbelebung in den Kinos – als Animationsfilmvariante.

Pointen für nichtkonservative Erwachsene

Der makabre Spaß scheint zunächst bei nichtkonservativen erwachsenen Fans des letztgenannten Alterssegmentes aufzugehen. Die gesetzten Pointen huldigen Klassikern von Frankenstein bis Die Dämonischen und kratzen vor allem in den Dialogen an dem in manchen Kreisen des US-amerikanischen Mittelstands so beliebten Lebensgefühl der „Gated Communities“. Kinder bleiben bei dieser Art Schabernack – der indes weit harmloser daherkommt als noch bei Barry Sonnenfeld – außen vor. Bedenkt man, dass die Regisseure Greg Tiernan und Conrad Vernon zuvor mit Sausage Party geradezu einen ideologischen Tiefschlag auf konservative Heile-Welt-Vorstellungen gelandet hatten, nimmt sich ihr Blick auf US-amerikanisches Nachbarschaftsgebaren fast schon handzahm aus.

Dennoch: Die eine oder andere Spitze sitzt auch in abgeschwächter Form und macht vor allem denen Spaß, die sich daheim nicht unbedingt in Barbie-Puppenstuben wohlfühlen. Der Konfrontation zwischen pastellener und schwarzbunter Gesellschaft könnte also mit aller Härte beginnen, doch da es sich beim Neuansatz der „Addams Family“ zu allererst um einen kindgerechten Animationsfilm handelt, halten sich Schockmomente, Zynismen und Gewalt zugunsten von allerhand aktionsreichem Schabernack in Grenzen. Jene zelebrierten Slapstick-Elemente erreichen dann auch die Kinder, die Witze über Taxidermie nicht wirklich verstehen.

Am morbiden Charme der Vorgänger vorbei

Den morbiden Charme der filmischen Vorgänger, die noch mit ideal besetzten Darstellern wie Anjelica Huston, Raul Julia, Christopher Lloyd und Christina Ricci in den Halloweenkostümen der Addams Family punkten konnten, können die grobschlächtigen Trick-Charaktere indes nicht erzeugen. Allenfalls in der Figur der kleinen Wednesday Addams wohnt dank Habitus, Mimik und Weltbild ein Hauch von süffisanter Anarchie. Doch da am Ende (zumindest bis zu erneuten Problemen im schon konzipierten zweiten Teil) alles erst einmal gut werden will, propagiert der Film einen eigenartigen Schulterschluss zwischen beiden als so unvereinbar skizzierten Lebensentwürfen der Addams und der Assimilation-Gemeinde.

Sich aufeinander zuzubewegen ist zwar immer eine löbliche Lebensphilosophie, geschieht aber hier im Abschluss auf derart holprige Weise, dass ein schaler Nachgeschmack von Schönfärberei (im wahrsten Sinne des Wortes) bleibt. Potenzielle Einspielergebnisse gehen über alles. Die Strategien der Produzenten mögen fruchten, während sich der bereits 1988 verblichene Cartoonist und Anarchist Charles Addams einmal schnell im Grab umdrehen mag.

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