Komödie | Deutschland 2018 | 112 Minuten

Regie: Erkan Acar

Zwei Freunde betreiben in Berlin erfolglos einen Nachtkiosk. Als der eine sich in die Tochter eines Mafioso verliebt und der andere ausgerechnet bei demselben Gangster horrende Spielschulden macht, benötigen sie dringend Geld. Kurzerhand entführen sie zehn vermeintlich reiche Menschen, in der Hoffnung, dass ein Millionär unter ihnen sei. Der alberne, stilistisch aber selbstbewusst vorgetragene Versuch einer Komödie reiht zahlreiche Klischees und müde Kalauer ungeordnet aneinander und überspannt dabei den Bogen. Der Verbalhumor beschränkt sich auf Sächsisch und Stottern, die Verballhornung des Spanischen, die Abwandlung von Sprichwörtern und die Entgleisung von Begriffen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2018
Regie
Erkan Acar
Buch
Arend Remmers · Erkan Acar · Xenia Assenza
Kamera
Julian Landweer
Musik
Andrew Reich
Schnitt
Florian Metzner
Darsteller
Franz Dinda (Ronny) · Sahin Eryilmaz (Khalid) · Xenia Assenza (Emily) · Guido Broscheit (Bernhard Chipper) · Alexander Schubert (Jakob)
Länge
112 Minuten
Kinostart
10.10.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

Stilistisch aufgemotzte Blödelkomödie um zwei Männer, die dringend Geld brauchen und deshalb zehn angeblich reiche Menschen entführen, in der Hoffnung, dass einer unter ihnen ein Millionär ist.

Ronny und Khalid, besser bekannt als Ronny und Klaid, betreiben in Berlin einen „Späti“, einen Nachtkiosk. Allerdings haben sie nicht bedacht, dass sie auch Waren anbieten müssen, die die Kunden wirklich kaufen. Unvermeidliche Folge: Ebbe in der Kasse. Dann verliebt sich Ronny in Emily, eine der wenigen Kundinnen. Allerdings ist sie Tochter eines Mafioso. Klaid verliert derweil beim Roulette 80 000 Euro, zahlbar in einer Woche, und zwar an Emilys Vater, der überhaupt keinen Spaß versteht.

Als Ronny und Klaid auf einer Website lesen, dass jeder zehnte Deutsch Millionär sei, reift ein Plan. Was liegt näher, als einfach zehn reich aussehende Leute zu entführen, in der Gewissheit, dass unter ihnen ein Millionär ist. Doch wer sieht reich aus? Juden natürlich, Schwule, Fußballtrainer, Galeristen, Rapper, Filmregisseure. Und so kommt es, dass von Jenny Elvers, einer als „Milf“ verunglimpften Galeristin, bis zu Alexander Schubert (aus der „heute-show“) als Jude, der gar keiner ist, einige Promis sich als Entführungsopfer im Keller widerfinden. Fatih Akin spielt übrigens den reichen Regisseur. Doch er ist gar nicht reich, wie er Ronny und Klaid erklärt, weil ja die Produzenten das ganze Geld einsacken.

Ungeordnete Abfolge von Kalauern

Als Zuschauer hat man schon nach der dritten Entführung begriffen, was hier gespielt wird. Selbstbewusst, berechnend und kalkuliert reiht Regisseur und Co-Autor Erkan Acar ein Klischee ans andere, immer in der Hoffnung auf das geheime Einverständnis der Zuschauer, die darüber herzlich lachen sollen. Stilistisch haut „Ronny & Klaid“ ordentlich auf die Pauke, mit Stilmitteln, die man aus aktuellen Actionfilmen kennt: nervös ruckelnde Bilder, abrupter Schwenk, extreme Zeitlupe oder plötzliche Standbilder. Cool soll das aussehen. Wo aber alles Klischee und Karikatur ist, ist auch alles egal; man mag sich nicht einmal über die zugespitzte Homophobie in einer Schwulenbar aufregen.

Irgendwann geht der Film in seiner ungeordneten Abfolge von Kalauern dramaturgisch aus dem Leim, weil es zu viele Entführungsopfer gibt und Acar kein Gespür für das Timing hat. Das zeigt insbesondere die Schlussszene, die viel zu ausgewalzt ist und kein Ende nehmen will. Die Idee, bei einem Austausch der Geisel in der Villa des Mafioso mit Lachgas für Humor zu sorgen, geht nach hinten los. Das konnten Stan Laurel und Oliver Hardy in „Leave ’em laughing“ (1928) besser.

Zwischen albern und bescheuert

Doch man darf „Ronny & Klaid“ nicht den Gefallen tun, ihn mit der Nennung von Meistern der Komödie aufzuwerten. Denn hier ist alles nur geklaut, auch die Idee mit der bewaffneten Nonne, aus Abel Ferraras „Die Frau mit der 45er Magnum“. „Bombos platzos“ heißt es am Schluss – der Verbalhumor beschränkt sich auf Sächsisch und Stottern, die Abwandlung von Sprichwörtern und die Entgleisung von Begriffen. Im zitierten Fall geht es um die Verballhornung des Spanischen, doch das hat die Redaktion von „Pardon“ auf ihren wunderbar komischen „Welt im Spiegel“-Seiten in den 1970er-Jahren sehr viel intelligenter und vor allem sparsamer betrieben. Acar hingegen reitet auf einmal abgefeuerten Gags endlos herum. So bewegt sich das Humorverständnis zwischen albern und bescheuert. Kein Spannungsbogen, keine Originalität, kein abgründiger Witz. Stattdessen nur freche Attitüde, lautes Tamtam und unausgegorene Ideen.

Ist dies noch ein Film? Die Frage muss erlaubt sein.

Kommentar verfassen

Kommentieren