After the Wedding

Drama | USA 2019 | 113 Minuten

Regie: Bart Freundlich

Die US-Amerikanerin lebt seit einigen Jahren in Kalkutta und kümmert sich um die Kinder eines Waisenhauses. Als sie eine große Geldspende angeboten bekommt, reist sie nach New York, weil die Übergabe an ihre persönliche Anwesenheit gebunden hat. Der wohlhabenden Spenderin geht es allerdings um mehr als ihre Präsenz. Das US-Remake des dänischen Dramas „Nach der Hochzeit“ verwandelt den Stoff in eine tragische Schau über Liebe und Opferbereitschaft. Doch die Ereignisse sind zu konstruiert und die Hauptfiguren zu unsympathisch, um an ihnen Anteil zu nehmen. Überdies ist der Look des Films, der das New Yorker Luxusleben glitzernd ins Bild setzt, einer Wirklichkeitsnähe nicht zuträglich. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
AFTER THE WEDDING
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Bart Freundlich
Buch
Bart Freundlich
Kamera
Julio Macat
Musik
Mychael Danna
Schnitt
Joseph Krings
Darsteller
Michelle Williams (Isabel) · Julianne Moore (Theresa) · Billy Crudup (Oscar) · Will Chase (Frank) · Abby Quinn (Grace)
Länge
113 Minuten
Kinostart
17.10.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama
Diskussion

US-Remake des dänischen Dramas „Nach der Hochzeit“ um moralische Erpressung im Milieu der Superreichen.

Ein Szenario um Wohltätigkeit in Dritte-Welt-Ländern, kombiniert mit Hollywoodstars, ist meist schwierig mitanzusehen. Oft fehlt es an Glaubwürdigkeit, wenn eine Schauspielerin entrückt zwischen indischen Kindern sitzt, später aber nicht im Arbeitsalltag eines Kinderheims auftaucht, sondern bloß betroffen durch die Exotik eilt. Regisseur Bart Freundlich scheint um dieses Dilemma auch zu wissen, denn er holt in „After the Wedding“ die US-amerikanische Wohltäterin Isabel (dargestellt von Michelle Williams), sehr schnell aus der Armut Kalkuttas nach New York zurück.

Isabel will einem indischen Waisenhaus helfen. Seit einigen Jahren schenkt sie den Kindern dort Liebe, obwohl sie nicht vergessen hat, dass Geld letztlich wichtiger ist. Als sie erfährt, dass eine ihr unbekannte US-Geschäftsfrau namens Theresa einen Millionenbetrag spenden würde, wenn Isabel persönlich nach New York komme, fährt sie zum Wohl des Waisenhauses in ihre alte Heimat – und bleibt auch dort. Ihre Wohltätigkeit braucht der Film lediglich als Antriebsfeder, da er sich mit dramatischer Geste viel lieber den Problemen der ersten Welt widmet.

Überall herrscht Luxus

Geld ist hier kein Problem; überall herrscht in New York Luxus. Damit will die Geschäftsfrau Isabel ködern, die das ohne Weiteres durchschaut und die Nase rümpft. Ein sozialkritischer Entwurf, ein Film über Armut und Reichtum oder über die Möglichkeiten finanzieller Hilfe wird aus dieser Konstellation aber nicht. Theresa wird von Julianne Moore mit böser Kaltschnäuzigkeit gespielt; Isabel lässt sich um des Geldes willen von ihr jeder Eigeninitiative berauben. „After the Wedding“ ist damit für eine Weile ein Film über Käuflichkeit; die Verführungskraft von Geld wird immer wieder beschworen. Dahinter steckt allerdings kein kritischer Gedanke, sondern selbstgefälliger Pragmatismus: Aus einer luxuriösen Position heraus ist im Leben alles einfacher, auch Wohltätigkeit.

Ein paar Hinhaltemanöver später kommt der Film dann zu dem Thema, das ihn tatsächlich beschäftigt: die Liebe. Theresa schmiedet intrigante Pläne und nimmt Isabel zu einer Familienfeier mit, der titelgebenden Hochzeit. Dort wird Isabel mit einem Teil ihres früheren New Yorker Lebens konfrontiert; fragmentarisch rekapituliert der Film ihre abenteuerliche Biografie. Im Rahmen dieser Vergangenheitsbewältigung werden Varianten der ehelichen Liebe beleuchtet, das US-amerikanische Verständnis von der Liebe zwischen Eltern und Kindern, die Liebe zur Familie, die aufopfernde Liebe, und recht maßgeblich auch die Liebe einer erfolgreichen Frau zu sich selbst.

Kontrolle vs. Hilfslosigkeit

Was die Inszenierung dabei offensichtlich anstrebt, ist das große Gefühl. Michelle Williams und Julianne Moore tun viel dafür, diesen Wunsch zu erfüllen. Doch die Geschichte eignet sich schlecht, ihre Figuren aus einer Perspektive zu zeigen, die den Zuschauer zum emotionalen Mitfiebern einlädt. Im Gegenteil: Man trifft eine Frau, die sich der Kontrolle ihrer gesamten persönlichen Umgebung verschrieben hat, und eine andere Frau, die jede Entscheidung durch Hilflosigkeit verschleppt. Das führt den Film dorthin zurück, wo er am Anfang schon war. Nicht nur die Wohltätigkeit der Protagonisten, sondern auch ihre Sentimentalität ist schwer mitanzusehen. 

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