Animation | Mexiko/USA 2019 | 88 Minuten

Regie: Carlos Gutiérrez Medrano

In einer mexikanischen Stadt können an Allerheiligen die Toten ihre Angehörigen besuchen, nur ein Waisenmädchen bleibt jedes Jahr allein. Als die Jugendliche versucht, das Rätsel um den Tod ihrer Eltern aufzudecken, bringt sie dadurch ungewollt das Gleichgewicht zwischen der Welt der Lebenden und jener der Toten in Gefahr. Mexikanischer Animationsfilm, der die Landestradition vom „Tag der Toten“ mit angelsächsischen Schauermotiven zu einem gelungenen Märchen über den Tod und den Umgang mit Verstorbenen verknüpft. Die vielschichtige Erzählung gesteht den Figuren eine gewisse Tragik zu und steckt voller faszinierender Bildeinfälle. - Sehenswert ab 10.
Zur Filmkritik

Filmdaten

Originaltitel
DIA DE MUERTOS
Produktionsland
Mexiko/USA
Produktionsjahr
2019
Produktionsfirma
Metacube/Symbosys Technologies
Regie
Carlos Gutiérrez Medrano
Buch
Pancho Rodriguez · Juan J. Medina · Eduardo Elías Ancer
Musik
Juan Pablo Miramontes · Alejandro Romero
Schnitt
Yadin Salmerón
Länge
88 Minuten
Kinostart
24.10.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 10.
Genre
Animation | Familienfilm | Fantasy
Externe Links
IMDb | TMDB | JustWatch

Mexikanischer Animationsfilm über ein Waisenmädchen, das am „Tag der Toten“ endlich seine verstorbenen Eltern kennenlernen will, darüber aber das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod in Gefahr bringt.

Diskussion

In der mexikanischen Stadt Santa Clara kehren einmal im Jahr die Toten zurück, einer Legende nach ein Geschenk des Todes an die Einwohner. Am 1. November feiern in Carlos Gutiérrez Medranos Animationsfilm „Salmas Geheimnis“ alle mit ihren Angehörigen an liebevoll hergerichteten Altären. Nur eine nicht: Die Jugendliche Salma hat ihre Eltern niemals kennengelernt. Man habe sie an einem Bauernhof gefunden, erzählt ihr die alte Frau, die sie aufgezogen hat, niemand wisse, wer ihre Eltern seien, und sie und ihre Pflegebrüder Jorge und Pedro seien jetzt ihre einzige Familie.

Die alte Großmutter hat den beiden Jungen noch eingeschärft: „Helft Salma niemals, einen Altar zu bauen!“ Als sie es trotzdem versuchen, erscheint auch prompt eine riesige Schlange und vertreibt die Kinder. Aber Salma will die Suche nicht aufgeben. Ein Trödelhändler schenkt ihr ein Amulett, auf dem jener seltsame Baum zu sehen ist, der die Welt der Toten mit der der Lebenden verbindet. Zehn Jahre nach dem ersten gescheiterten Versuch, ihre Eltern zu rufen, rudert Salma mit Jorge und Pedro auf eine kleine Insel im See und dringt dort in ein altes Schloss ein. Sie finden ein Buch mit Zeichnungen und Zaubersprüchen aus präkolumbischer Zeit, Salma wird mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert und erlebt, wie sie durch ihre neu gewonnenen magischen Kräfte fast das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod zerstört. Ihr wird bewusst, dass sie Werkzeug eines Mannes wird, der noch eine Rechnung mit dem Tod offen hat.

Angelsächsische Einflüsse und mexikanische Traditionen

„Salmas Geheimnis“ baut auf dem alten romantischen Motiv des Liebenden auf, der lieber die ganze Welt zerstört, als seine Geliebte in den Armen des Todes zu belassen. Seine Hybris liegt darin, den Tod zwar aufzuhalten, dafür aber die ganze Welt ins Unheil zu stürzen. Carlos Gutiérrez Medrano greift für sein vielschichtiges Phantasie-Drama auf die bekannten Szenenbilder angelsächsischer Schauergeschichten zurück: ein altes Schloss mit dunklen Gängen, festungsartigen Mauern, Ahnenbildern und langen Bibliotheksgängen. Andere Schauplätze sind originär mexikanisch wie die labyrinthartige Stadt der Toten, mit ihren zahlreichen Orten, Kneipen, Läden, Straßen und Plätzen, die von zahllosen, ganz unterschiedlich bekleideten Skeletten bevölkert werden. Für Jorge ist das eine große Überraschung: „Ich hab’ immer gedacht, die Unterwelt  sei traurig und grau, aber sie ist total bunt!“

„Salmas Geheimnis“ greift damit eine kulturelle Tradition auf: In Mexiko ist der Tod eine Frau und sehr populär, „La Santa muerte“ ist in der mexikanischen Volksfrömmigkeit sogar eine fast allmächtige Heilige, der 1. November einer der beliebtesten Feiertage, an dem die Familien auf den Friedhöfen große Picknicks veranstalten. Vor diesem kulturellen Hintergrund entwickeln sich auch die Protagonisten: Salma, die Tochter großer Zauberer, Mallet, der geheimnisvolle, einsame Mann im Schloss, die Großmutter Sara, die viel mehr weiß, als sie ihrer Enkeltochter mitteilen will, und Pedro und Jorge, die ihrem strengen Vater nie einen Altar gebaut haben, weil sie ihn einfach nicht mehr wiedersehen wollten. Doch nach einer Begegnung in der Tequila-Bar im Reich der Toten ändert sich auch ihre Einstellung zu den Eltern.

Ein Märchen mit tragischen Figuren

In „Salmas Geheimnis“ gibt es keine bösen Charaktere, es gibt tragische Figuren, die sich ändern. So ist der Animationsfilm ein gelungenes Märchen über den Tod und den Umgang mit den Verstorbenen. Voller Bilder und Ideen wie die der Schmetterlinge, welche die gemeinsamen Erinnerungen von Lebenden und Toten verkörpern, oder der armen verlorenen Seelen, die keine Angehörigen mehr haben, die an sie denken. Motive, die überall auf der Welt verständlich, aber doch ganz spezifisch mexikanisch sind.

Kommentar verfassen

Kommentieren