Scary Stories to tell in the Dark

Horror | USA 2019 | 108 Minuten

Regie: André Øvredal

An Halloween verschlägt es eine Gruppe Jugendliche in eine verlassene Villa, deren unselige Besitzer einst ein tragisches Schicksal widerfuhr. Ein während des schaurigen Abends aus dem Anwesen entwendetes Buch entpuppt sich als höchst gefährliches Gut, da seine Geschichten von Geisterhand fortgeschrieben werden und gleichzeitig mit den Jugendlichen als Akteuren wahr werden. Eine nach einer Gruselsammlung für Kinder konzipierte Horror-Anthologie, die skurrile „Urban Legends“ zu einem für Jugendliche mitunter intendiert schockierendem, für Erwachsene indes allzu banalem Abenteuer kompiliert.

Filmdaten

Originaltitel
SCARY STORIES TO TELL IN THE DARK
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
André Øvredal
Buch
Dan Hageman · Kevin Hageman · Guillermo del Toro
Kamera
Roman Osin
Musik
Marco Beltrami · Anna Drubich
Schnitt
Patrick Larsgaard
Darsteller
Zoe Margaret Colletti (Stella Nicholls) · Michael Garza (Ramón Morales) · Dean Norris (Roy Nicholls) · Gil Bellows (Chief Turner) · Lorraine Toussaint (Lorraine Toussaint)
Länge
108 Minuten
Kinostart
31.10.2019
Fsk
ab 16; f
Genre
Horror | Jugendfilm
Diskussion

Halloween-Horrorfilm um eine Gruppe Jugendlicher, die an ein verwunschenes Buch geraten und in dessen grausige Geschichten involviert warden.

Halloween ist einmal mehr eine wunderbare Gelegenheit, für ein paar Stunden in die romantisch-gruselige „Nicht von dieser Welt“-Wolke einzutauchen und so zu tun, als ob man – bizarr geschminkt und kostümiert – ein Teil davon wäre.

Für Stella, Auggie und Chuc entwickelt sich dies eher suboptimal. Das Feuer, das als makabrer Scherz im Auto ihres liebsten Schulfeindes Tommy Milner platziert wurde, provozierte derart heftige Gegenreaktionen, dass sie im Drive-In-Kino zunächst im Auto von Ramón Zuflucht suchen, um wenig später ausgerechnet in der verlassenen Villa der Bellows zu landen, von der man sich nichts Gutes erzählt. Dass zur Bedrohung durch Tommy und seine Gang nun auch noch seltsame Vorkommnisse im Inneren des lichtlosen Anwesens kommen, führt zum abrupten Ende der wenig erquicklichen Partynacht.

Ein Buch, dessen grausige Stories wahr werden

Doch für Stella könnte das Abenteuer dennoch eine andere Wendung nehmen. Neben dem feschen, aber ortsfremden Ramón hat sie aus den Katakomben des Bellow-Hauses auch ein höchst interessantes Buch mit nach Hause gebracht. Darin hat ein vor Generationen verstorbenes Mädchen Gruselgeschichten verewigt.

Doch es kommt noch viel unheimlicher: Die Blätter des uralten Buchs scheinen sich mit weiteren, wie von Geisterhand geschriebenen Geschichten zu füllen, in denen jetzt jene Freunde die Akteure sind, die zuvor den Abend mit Stella und Ramón im Haus der Bellows verbrachten. Was Stella nicht ahnt: Während sich die Geschichten von selbst schreiben, geschieht den Porträtieren zeitgleich eben jenes beschriebene Grauen.

Es sind schon unelegantere Prämissen gewählt worden, um letztendlich nicht viel mehr als eine Reihe von altbekannten Grusel-Kurzgeschichten zu erzählen. „Scary Stories to tell in the Dark“, heißt eine in den USA beliebte Kinderbuch-Reihe mit kurzen, pointierten Geschichten. Sechs von ihnen geben der filmischen Umsetzung durch Regisseur André Øvredal das nötige Fleisch für einen abendfüllenden Anthologie-Film.

Vogelscheuchen, Spinnenbisse & lebende Tote

Die Rahmenhandlung mit dem unheimlichen Bellows-Haus ist geschickt gewählt, um in die Episoden einzuführen. Doch die Geschichten sind allzu banal, um den gewünschten Schrecken nachhaltig über die Spielfilmlänge zu retten. Da ist eine Vogelscheuche, die ein tödliches Eigenleben entwickelt, oder der Spinnenbiss, der in der Wange eines Mädchens für unangenehme Nachkommenschaft sorgt. Lauter „Urban Legends“, die sich mit skurrilen Anleihen paaren, wie dem Toten, der auf der Suche nach seinem Zeh den Weg in die Küche eines Jugendlichen findet, als gerade ein Gulasch erhitzt.

Ein wenig unheimlich, aber nie zu viel, um nachhaltig zu verstören. Das ist die Devise der Produzenten, die sich an ein junges Publikum richten. Auch wenn Regisseur André Øvredal, der mit „Troll Hunter“ und „The Autopsy of Jane Doe“ durchaus intelligente Horrorfilme für Erwachsenen gestaltet hat, der Zielgruppe einiges an Schockelementen zumutet, ist das Konzept der Buchvorlage ersichtlich: Unterhaltung für Jugendliche unter 16 Jahren. Während die US-amerikanische MPPA in ihrer Altersempfehlung diesem Konzept folgt und den Film mit Einschränkung auch für Kinder ab 13 Jahren freigibt (PG-13), geht die deutsche „Freiwillige Selbstkontrolle“ mit ihrer Empfehlung höher und stuft den Film „ab 16“ ein.

So steht es geschrieben…

Der Schauder dürfte sich bei Älteren jedoch nicht zuletzt aufgrund der ausgetretenen Erzählpfade kaum einstellen, wohingegen die eigentliche Zielgruppe, für die Produzent Guillermo del Toro seinen „netten Familienhorrorfilm“ konzipiert hat, zumindest in deutschen Kinos außen vor bleiben muss. Um es mit dem letzten Satz der berühmten, von Jugendlichen verschlungenen „Gespenster Geschichten“-Comics des Bastei-Verlags zu sagen: „Seltsam? Aber so steht es geschrieben…“

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