Feuerprobe - Trial by Fire

Drama | USA 2018 | 122 Minuten

Regie: Edward Zwick

Ein auf Tatsachen beruhendes Drama um den US-Amerikaner Cameron Todd Willingham, der 1991 des Mordes an seinen drei kleinen Kindern durch Brandstiftung angeklagt, zum Tode verurteilt und 2004 in Huntsville, Texas hingerichtet wurde. Der Film verfolgt des Schicksal des Mannes von dem fatalen Hausbrand bis zur Hinrichtung. Dabei geht es zunächst um den Prozess gegen Willingham, später dann um dessen kritische Dekonstruktion, geschildert aus der Perspektive einer Frau, die per Briefen mit dem Verurteilten Kontakt aufnimmt und daran geht, die Faktenlage mit Hilfe eines Anwalts zu überprüfen und eigene Recherchen anzustellen. Dabei gerät dem Film seine erste Hälfte etwas langatmig, um sich dann zum hervorragend gespielten Drama und flammendem Plädoyer gegen die Todesstrafe zu steigern. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
TRIAL BY FIRE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Edward Zwick
Buch
Geoffrey Fletcher
Kamera
John Guleserian
Musik
Henry Jackman
Schnitt
Steven Rosenblum
Darsteller
Jack O'Connell (Cameron Todd Willingham) · Laura Dern (Elizabeth Gilbert) · Emily Meade (Stacy Willingham) · Jade Pettyjohn (Julie Gilbert) · Darren Pettie (Peter Horton)
Länge
122 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama

Diskussion

So muss sich die Hölle auf Erden anfühlen: gequält von der Gewissheit, für den Feuertod der eigenen Kinder verantwortlich zu sein. Eine zweijährige Tochter und ein einjähriges Zwillingspärchen müssen Cameron Todd Willingham (Jack O‘Connell) und Stacy Willingham (Emily Meade) betrauern, als ihr Haus explosionsartig in Flammen aufgeht. Die Nachbarin ist Zeuge, wie Todd aus dem Haus stürzt und voller Panik sein Auto aus der Garageneinfahrt schiebt, während seine drei Kinder im Haus verbrennen. Eine überhitzte Übersprungshandlung? Oder eiskalte Schadensminimierung?

Ein Prozess, bei dem die Schuld des Angeklagten von vornherein erwiesen scheint

Die Polizei in Corsicana, Texas, ist sich sicher: Der als impulsiv geltende 23-jährige Heavy-Metal-Fan aus dem White-Trash-Milieu hat willentlich sein Haus und damit seine unliebsamen Kinder in Brand gesetzt. Der vor die Tür geschobene Kühlschrank, das zersplitterte Fensterglas, die Spuren eines Brandbeschleunigers auf dem Teppich – für die Spurensicherung scheint alles so klar zu sein wie für den Staatsanwalt und die Jury des Gerichts, egal wie vehement Stacy ihren Mann als liebevollen Vater auch verteidigt. Todd wird schuldig gesprochen und zum Tod durch die Giftspritze verurteilt.

Immer wieder ziehen Verurteilte auf ihrem letzten Gang durch den Todestrakt an ihm vorbei, begleitet vom Klopfen der Mitgefangenen an die Gitterstäbe. Jahrelang hat der „Babymörder“ unter den Gefangenen und Wärtern einen besonders schweren Stand. Zumal ihn Stacy nicht besucht, während ihm seine Tochter Amber in Traum- und Wahnvorstellungen erscheint.

Ein schrecklicheres Sujet als den Tod der eigenen Kinder und den Umgang mit der Schuld dürfte das Kino kaum kennen. In „Manchester by the Sea“ (2016) machte sich eine junge Filmfigur des Feuertods ihrer kleinen Kinder schuldig; ein berührendes Drama über einen kaum zu bewältigenden Verlust, eindrücklich gespielt von Casey Affleck und Michelle Williams.

„Feuerprobe – Trial by Fire“ verfügt über keine ähnlich elegant gerahmte, zurückgenommene Narration. Vielmehr gefällt sich der Film von Edward Zwick in einer reduzierten Fernsehästhetik. Allerdings geht es dem Film nach dem wahren Fall von Willingham, der am 23. Dezember 1991 nicht nur seine Familie, sondern auch das Recht auf ein Weiterleben verlor, nicht um die stille Verzweiflung der Figuren. Hier wird vielmehr die bis heute praktizierte Todesstrafe in Texas einer emotional und moralisch doppelt entfachten „Feuerprobe“ unterzogen – nämlich anhand eines (mutmaßlich) zu Unrecht verurteilten Mörders. Bis zum Ende beharrte Willingham auf seiner Unschuld, während die Behörden, wohl auch wegen eigener Verquickung, die immer wieder eingereichten Berufungen und neue Einschätzungen der Sachverständigen ignorierten.

Laura Dern & Jack O'Connell in einem Drama um eine Rehabilitation im Wettlauf gegen die Zeit

Besonders in der zweiten Hälfte steht „Feuerprobe“ denn auch eher in der Tradition von „Dead Man Walking“, als eine Frau namens Elizabeth Gilbert (Laura Dern) auftaucht, die Todd in seiner letzten Lebenszeit beistehen möchte. Laura Dern haucht dem in die Länge gezogenen Stoff als alleinerziehende Mutter, deren geschiedener Mann gerade im Sterben liegt, wieder Leben ein. Ihr Auftritt verstärkt aber auch den Eindruck einer filmischen Zweiteilung: die holperige Darstellung des schieflaufenden Gerichtsverfahrens auf der einen Seite und das zwischenmenschlich berührende Drama einer Rehabilitation im Wettlauf gegen die Zeit auf der anderen. Gilbert rollt den Fall auf eigene Faust wieder auf. Sie kämpft wie eine Löwin für das Leben eines Fremden, während das Leben ihrer heranwachsenden Kinder viel zu schnell und unbemerkt an ihr vorüberzieht.

Anders als in „Dead Man Walking“ mit Susan Sarandon und Sean Penn, in dem der verurteilte Mörder erst im Angesicht des Todes zu einer Beschäftigung mit seiner Tat gezwungen wird, ist die Erzählung von „Feuerprobe“ fest davon überzeugt, dass Todd Cameron Willingham unschuldig ist. Damit begibt sich der Film auf ein wackeliges Terrain, um sein unmissverständliches Plädoyer gegen die Todesstrafe zu stärken. Was durchaus legitim ist, unabhängig davon, ob im Fall von Willingham ein Justizirrtum vorlag oder nicht.

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