Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

Fantasy | Italien 2018 | 98 Minuten

Regie: Michele Soavi

Der italienische Brauch der Weihnachtshexe Befana, die in der Nacht auf den Dreikönigstag Geschenke für die Kinder bringt, dient als Hintergrund einer mit Fantasy- und (harmlosen) Grusel-Elementen versehenen Geschichte um eine verschwundene Lehrerin. Sechs ungleiche Schüler kommen bei der Suche nach der Pädagogin nicht nur deren aufregendem Doppelleben auf die Spur, sondern legen auch einem fiesen Bösewicht das Handwerk. Die eher beschauliche Handlung überrascht mit ein paar originellen Ideen, doch die Figuren bleiben blass und wirken wie am Reißbrett entworfen. Dennoch bricht der Film eine Lanze für Freundschaft und Zusammenhalt. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
LA BEFANA VIEN DI NOTTE
Produktionsland
Italien
Produktionsjahr
2018
Regie
Michele Soavi
Buch
Nicola Guaglianone
Kamera
Nicola Pecorini
Musik
Andrea Farri
Schnitt
Pietro Morana
Darsteller
Paola Cortellesi (Paola / Befana) · Stefano Fresi (Mr. Johnny) · Fausto Maria Sciarappa (Giacomo) · Giovanni Calcagno (Igor) · Giuseppe Lo Piccolo (Smilzo)
Länge
98 Minuten
Kinostart
07.11.2019
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Fantasy | Kinderfilm | Komödie
Diskussion

Italienischer Kinderfilm um sechs ungleiche Schüler, die auf der Suche nach ihrer verschwundenen Lehrerin nicht nur das Geheimnis der Weihnachtshexe entdecken, sondern auch einem Bösewicht das Handwerk legen.

Ob Weihnachtsmann oder Nikolaus, Christkind oder Santa Claus: Wenn es in Gegenden mit überwiegend christlicher Bevölkerung darum geht, Kindern Geschenke zu machen, dann besitzt so ziemlich jedes Land ein eigenes, mit einer individuellen Figur verknüpftes Ritual. Über die gibt es magische Geschichten zuhauf, auch im Kino.

Weniger bekannt dürfte allerdings der italienische Brauch der Weihnachtshexe sein, in der Landessprache Befana genannt. Diese beschert nicht etwa am Nikolaustag oder an Weihnachten mit Geschenken, sondern in der Nacht vom 5. Januar auf den Dreikönigstag. Auf der Suche nach dem Jesuskind fliegt die Hexe auf einem Besen von Haus zu Haus, fährt über den Kamin ins Wohnzimmer und deponiert dort die Gaben, wahlweise auch in den von den Kindern vorbereiteten Strümpfen.

Jung & hübsch, alt & hässlich

Diese Sage hat der italienische Regisseur Michele Soavi in einem zeitgenössischen Spielfilm mit reichlich Fantasy- und ein paar (harmlosen) Grusel-Elementen verarbeitet. „Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe“ handelt von der jungen, sympathischen Lehrerin Paola (Paola Cortellesi), die ein aufregendes Doppelleben führt. Denn Punkt Mitternacht verwandelt sie sich in Abwandlung des „Dr. Jekyll & Mister Hyde“-Themas in Befana, die greise Weihnachtshexe mit langer Nase und schmutzigem Schlapphut, die mit ihrem fliegenden Besen die Gegend unsicher macht.

Eines Tages jedoch wird Paola/Befana entführt, von Mr. Johnny (Stefano Fresi mit der schrägen Performance einer Figur, die aus Terry Gilliams „Brazil“-Universum entsprungen sein könnte), einem ehemaligen Schüler, der die Weihnachtshexe für sein völlig verkorkstes Leben verantwortlich macht und sich nun an ihr und der ganzen Welt rächen will.

Als sechs von Paolas Schülern, die nicht unterschiedlicher sein könnten, das Verschwinden ihrer geliebten Lehrerin bemerken und alsbald von ihrem Leben mit zwei Gesichtern erfahren, tun sie sich zu einem schlagkräftigen Team zusammen und beginnen die Suche nach Paola/Befana.

Mit dem „Fahrrad-Schiff“ über die Berge

Regisseur Soavi gibt sich viel Mühe, der eher beschaulich anmutenden Handlung mit Spezialeffekten und Action-Elementen ein wenig Tempo zu verleihen. Dabei werden die Spannungsbögen jedoch nie überzogen, um auch das jüngere Publikum mit auf die abenteuerliche Reise nehmen zu können.

Gut ist der Film vor allem, wenn er Ungewöhnliches oder Originelles probiert; etwa wenn die sechs Kids aus all ihren Rädern ein „Fahrrad-Schiff“ basteln und damit die Berge der pittoresken Südtiroler Alpen rauf- und runter düsen. Oder wenn sie in der Schrottpresse eines Handlangers von Mr. Johnny landen und sich selbst zu befreien wissen. Der Wunsch, die Kunst des Zungenkusses zu beherrschen, zählt dabei ebenso zu den witzigen Momenten wie die lässig choreografierte Musical-Nummer, mit der Mr. Johnny in die Story eingeführt wird, wobei man den Film nur bedingt als Komödie bezeichnen kann.

Die Kinderfiguren wirken indes allesamt wie vom Reißbrett; da gibt es den ängstlichen Dicken und den tumben Schläger, eine engelsgleiche Blondine und den schüchternen Nerd. Mehr Tiefe lässt das Drehbuch von Nicola Guaglione nicht zu, und die lieblose deutsche Synchronisation tut ein Übriges, um die Charaktere eindimensional zu halten, da die Stimmen meist monoton und emotionslos wirken. Selbst eine versierte Sprecherin wie Judith Rakers stößt als Paola/Befana an ihre Grenzen. Sie vermag der Doppelrolle und ihren vielen Off-Kommentaren kaum Bandbreite zu verleihen und kennt kaum die so wichtigen leisen und lauten Töne.

Auch wenn dies den Gesamteindruck trübt, besitzt „Meine Lehrerin, die Weihnachtshexe“ dennoch eine optimistische Grundstimmung und bricht darüber hinaus einmal mehr eine Lanze für Freundschaft und Zusammenhalt, Gemeinschaftsgefühl und Vorurteilsfreiheit.

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