Drama | Großbritannien 2019 | 103 Minuten

Regie: Paul Feig

Eine glücklose und ungeschickte junge Frau lernt bei der Arbeit als Elf in einem Weihnachtskitsch-Laden einen Mann kennen, der auf den ersten Blick kaum zu ihr zu passen scheint. Als sie sich immer wieder begegnen, springt der Funke allmählich doch über, auch wenn auf dem Weg zum gemeinsamen Glück noch etliche Rückschläge zu meistern sind. Märchenhafte, um eine hauchdünne Geschichte gestrickte romantische Komödie, die auf die Songs des britischen Popmusikers George Michael setzt, diese aber recht einfallslos präsentiert. Den größten Charme entwickeln die Energie der Hauptfiguren sowie einige originelle Nebencharaktere. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
LAST CHRISTMAS
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Paul Feig
Buch
Emma Thompson · Bryony Kimmings
Kamera
John Schwartzman
Musik
Theodore Shapiro
Schnitt
Brent White
Darsteller
Emilia Clarke (Kate) · Henry Golding (Tom) · Emma Thompson (Petra) · Boris Isakovic (Ivan) · Michelle Yeoh (Santa)
Länge
103 Minuten
Kinostart
14.11.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm | Romantische Komödie
Diskussion

Märchenhafte romantische Komödie mit viel Weihnachtsseligkeit und zahlreichen George-Michael-Songs, die den Rahmen für die Geschichte um eine junge Frau abgeben, die bei der Arbeit als Weihnachtself einen Mann kennenlernt, mit dem sie sich immer besser versteht.

Auf eigenen Füßen zu stehen, ist nicht gerade einfach, zumal die Wohnungen in London unverschämt teuer sind und das große Musical-Engagement einfach nicht gelingen will. Und da nach langer Krankheit ein Neuanfang umso schwerer fällt, ist für Kate (Emilia Clarke) das In-den-Tag-hinein-zu-leben die einzige, wenngleich auch suboptimale Option. Zurück ins Haus der Eltern zu ziehen, kommt für die sympathisch-quirlige Frau nicht in Frage. Deshalb ist sie auf Freunde und den einen oder anderen One-Night-Stand angewiesen, um sich und ihrem Rollkoffer eine temporäre Bleibe zu sichern. Wenn sie nur nicht so unglaublich ungeschickt wäre. Doch ihre Entschuldigung „There is a total mess… in my head“ trifft es nicht wirklich. „Unaufgeräumt“ ist nicht nur ihr Kopf; ihr ganzes Benehmen ist ein einziges Chaos.

Zum Glück ist wenigstens ihre Chefin „Santa“ (Michelle Yeoh) von unendlicher Geduld beseelt, sonst hätte die Betreiberin eines bunten Weihnachtsschmuck-Krimskrams-Ladens sicherlich tausend Gründe, um Kate vor die Tür zu setzen. Doch als Elfe entwickelt sie im Laden durchaus Verkaufstalent.

Das ganz spezielle Universum der romantischen Komödie

„Last Christmas“ von Regisseur Paul Feig ist nicht im wahren Leben, sondern im ganz speziellen Universum der romantischen Komödie angesiedelt. So schneit wie aus heiterem Himmel ein gutaussehender Mann namens Tom (Henry Golding) am Schaufenster vorbei und lässt sie fortan nicht mehr aus den Augen. Sympathisch sind sich beide anfangs nicht sonderlich, doch das ist in romantischen Komödien in der Regel ein untrügliches Zeichen, dass da doch etwas im Busch ist.

So treffen sich die beiden genauso sporadisch, aber intensiv, wie „Santa“ einen Sauerkrautproduzenten (Peter Mygind) trifft, der sich fast wie im Märchen nicht nur in ihr Geschäft, sondern auch in ihr Leben verirrt hat und den sie trotz seines fortgeschrittenen Alters nur „Boy“ nennt. Eigentlich spricht nichts dagegen, dass die beiden Paare sich pünktlich zu Weihnachten so gut kennen, dass einem fröhlichen Fest und ewiger Liebe nicht mehr im Wege stehen sollte.

Das Drehbuch der Schauspielerin Emma Thompson (das sie zusammen mit der Performance-Künstlerin Bryony Kimmings verfasst hat) verstellt diesen Weg allerdings mit ein paar Sidekicks und emotionalen Rückschlägen. Kates Familie kommt ins Spiel, die unter anderem aus den Eltern Petra (Emma Thompson) und Ivan (Boris Isakovic) besteht, die nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens einst nach Großbritannien immigrierten, um Kate und ihrer (insgeheim lesbischen) Schwester Marta (Lydia Leonard) ein besseres Leben zu ermöglichen. Diese Familie mit all ihren Marotten und Aussetzern böte genug Stoff für eine ganze Vorabendserie. Doch da das Durcheinander binnen 100 Minuten ein (Happy-)End haben muss, bedarf es eines esoterischen Schlenkers, der das ganze Konstrukt einer bunt zusammengewürfelten Patchwork-Gemeinschaft auseinanderzusprengen droht.

George Michael liefert den Leim

„Last Christmas“ hat eine zutiefst banale Geschichte, die dank der hyperaktiv herumhüpfenden Emilia Clarke und der noch exaltierter herumgrantelnden Emma Thompson in Maßen allerdings doch funktioniert, sofern man bereit ist, den beiden einnehmenden Schauspielerinnen und ihren stereotypen Figuren im Kosmos der romantischen Komödie zu folgen. Dazu kommt der Leim zwischen all den romantischen, tragisch getönten Versatzstücken, und der besteht aus den Songs von George Michael. Achtzehn Mal werden Lieder von ihm und seiner Gruppe „Wham“ angespielt. Zumeist im Original, teilweise in Bearbeitungen. Dennoch ist „Last Christmas“ kein Musical. Was schade ist, denn irgendetwas, das völlig „over the top“ ist, hätte diese romantische Komödie dringend gebraucht, um den Funke dauerhaft überspringen zu lassen.

Das Übermaß an George Michaels „Last Christmas“ & Co. auf der Tonspur vermittelt indes eher das Gefühl, als würde man im Fahrstuhl eines weihnachtlichen Großkaufhauses feststecken. Keine Spur von abenteuerlichen, genresprengenden Nummern wie in La La Land oder den Musicals aus den Zeiten von My Fair Lady und Hello, Dolly!, die noch wussten, wie sich triviale Storys ins Zeitlose heben lassen.

Was am Ende der romantischen Komödie „Last Christmas“ bleibt, sind die Auftritte feiner Kleinstdarsteller aus den Nebenplots um „Santa“ oder ein Speisesaal für Obdachlose (in dem Tom vermeintlich jobbt). Mit denen könnte man sich tatsächlich eine Vorabendserie vorstellen. Ansonsten gilt, wie bei allen Märchen: Auch wenn gestorben werden sollte, sind am Ende alle glücklich!

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