The Informer

Drama | Großbritannien 2019 | 114 Minuten

Regie: Andrea di Stefano

Ein polnischstämmiger Irak-Veteran, der wegen Totschlags im Gefängnis saß, kommt auf Betreiben des FBI frei, weil er den Kopf der polnischen Drogenmafia in New York hochgehen lassen soll. Doch die verdeckte Operation geht schief, und er landet erneut im Gefängnis, wo er zwischen alle Fronten gerät. Handwerklich solide inszenierter, spannender Thriller, der als Krimi beginnt und als Gefängnisfilm endet. Dabei verhandelt er Themen wie Schuld, Vertrauen und Gewaltstrukturen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE INFORMER
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Andrea di Stefano
Buch
Rowan Joffe · Andrea di Stefano · Matt Cook
Kamera
Daniel Katz
Musik
Brooke Blair · Will Blair
Schnitt
Job ter Burg
Darsteller
Joel Kinnaman (Pete Koslow) · Rosamund Pike (Wilcox) · Clive Owen (Montgomery) · Ana de Armas (Sofia Hoffman) · Common (Grens)
Länge
114 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Krimi | Literaturverfilmung

Heimkino

Verleih DVD
Senator
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Ein Irak-Veteran gerät in New York zwischen die Fronten von Polizeibehörden und Kriminellen. Spannende Mischung aus Krimi und Gefängnisfilm

Diskussion

Der Informant des Filmtitels ist Pete Koslow, ein polnisch-stämmiger Irak-Veteran (Joel Kinnaman), der undercover für das FBI arbeitet. Allerdings nicht ganz freiwillig, wie man später erfährt. Koslow saß wegen Totschlags im Gefängnis. Für seine vorzeitige Entlassung, die Special Agent Wilcox (Rosamund Pike) eingefädelt hat, lässt er sich auf eine gefährliche Operation ein: Er soll Klimek, den Boss der polnischen Drogenmafia in New York, hochnehmen.

Als man Koslow zum ersten Mal sieht, verdrahtet er seine Jeans und verabschiedet sich von Frau und Tochter. Er ist ein liebender Familienvater, der nicht mehr frei über sein eigenes Leben bestimmen kann. Der erste Deal geht prompt schief: Der vermeintliche „Kunde“ ist ein verdeckt operierender Polizist des NYPD. Koslow kann ihn nicht beschützen, und plötzlich ist der Cop tot, erschossen von Klimeks Handlangern. Klimek ist misstrauisch geworden: Wie konnte das passieren? Er zwingt den Familienvater, gegen seine Bewährungsauflagen zu verstoßen und ins Gefängnis zurückzukehren. Hier muss er für Klimek mit Fetanyl dealen, einer synthetischen Droge. Für Wilcox und ihren Chef Montgomery (Clive Owen) hingegen soll Koslow im Knast Klimeks Kunden und Vertriebswege ausspionieren. Allerdings ist er nicht der einzige Dealer auf dem Gefängnishof. Als Koslow vom FBI fallengelassen wird, steht er plötzlich zwischen allen Fronten.

Spielball zwischen FBI, NYPD und den Kriminellen

Eigentlich kennt man den Italiener Andrea di Stefano als Schauspieler, etwa in „Nine“ oder „Eat Pray Love“. Doch mit „Escobar – Paradise Lost“ trat er auch als Regisseur hervor. Nun hat er nach dem Roman „Tre Sekunder“ der schwedischen Autoren Anders Roslund und Börge Hellström einen packenden Drogenthriller gedreht, in dem mehrere Themen verhandelt werden: Schuld und Vertrauen, Gewalt und Eigeninteressen. Koslow, dargestellt von Joel Kinnaman, der in seiner körperlichen Präsenz mitunter an Keith Carradine erinnert, ist kein Kind von Traurigkeit. Das zeigen schon seine zahlreichen Tätowierungen und die professionelle Coolness, mit der er sich sowohl im kriminellen Milieu als auch im Gefängnis bewegt. Und doch ist er, fast schon im Hitchcockschen Sinne, ein Unschuldiger, der seine Familie beschützen muss und ums Überleben kämpft. Dabei wird er zum Spielball unterschiedlicher Interessengruppen, von den Kriminellen über das FBI bis zum NYPD. Er kann niemand trauen – und ist am Schluss ganz auf sich gestellt.

Das macht sich vor allem an der Skrupellosigkeit von Montgomery fest, der Koslows Tod billigend in Kauf nimmt, um die Ehre des FBI, vor allem aber seine Karriere zu retten. Die Figur von Rosamund Pike, deren wippender Pferdeschwanz ihre Mädchenhaftigkeit unterstreicht, durchläuft die größte charakterliche Entwicklung: Von Montgomery zunächst zum Mitmachen gezwungen, trifft sie am Schluss eine eigene Entscheidung. Ein interessanter Nebenaspekt ist die Konkurrenz von FBI, also einer Bundesbehörde, und lokaler Polizei, die in Gestalt des aufrechten Detectives Grens (Common) ihre eigenen Ermittlungen aufnimmt.

Geradlinige Genre-Unterhaltung

„The Informer“ beginnt schnörkellos als Kriminalgeschichte mit misslungenem Drogendeal, um dann in einen Gefängnisfilm zu münden, der die Konventionen des Genres – „Einmarsch“ in die Zelle, Aufnahme in eine Gemeinschaft, Konkurrenz unterschiedlicher Gangs, Zweikämpfe auf Leben und Tod – beachtet. Die Schnörkellosigkeit weicht dann allerdings einem übertriebenen, aufgesetzt wirkenden Showdown, der so gar nicht zur bisherigen Geradlinigkeit der Inszenierung passen will. Trotzdem ist di Stefano mit diesem Film spannende und kurzweilige Unterhaltung geglückt.

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