Ich bin Anastasia

Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 96 Minuten

Regie: Thomas Ladenburger

Anastasia Biefang ist die erste Transgender-Kommandeurin in der Geschichte der Bundeswehr. Der Dokumentarfilm begleitet die charismatische Frau von ihrem Dienstantritt als Kommandeurin im Oktober 2017 bis zur Abreise zu einem Auslandseinsatz nach Afghanistan. Im Mittelpunkt stehen dabei die verschiedenen Phasen ihrer Transition nach ihrer Entscheidung für ein Leben als Frau 2014 sowie Fragen nach ihrer Akzeptanz in der Bundeswehr, Mechanismen und Praktiken der Diskriminierung werden eher unterschwellig einbezogen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Thomas Ladenburger
Buch
Thomas Ladenburger
Kamera
Thomas Ladenburger · Elfi Mikesch · Ralph Netzer
Musik
Oli Biehler
Schnitt
Lena Rem
Länge
96 Minuten
Kinostart
21.11.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Ein Dokumentarfilm über Anastasia Biefang, die als erste Transfrau ein Bataillon der Bundeswehr befehligt.

An einem nebelverhangenen Tag im Oktober 2017 wird Anastasia Biefang feierlich das Kommando über das Informationstechnik-Bataillon im brandenburgischen Storkow übergeben. Damit ist sie die erste Transgender-Kommandeurin in der Geschichte der Bundeswehr. 23 Jahre hat Biefang, deren Vater schon im Fliegerischen Dienst tätig war, auf diesen Moment hingearbeitet. Für ihren unerschütterlichen Mut und ihre Durchsetzungskraft wird sie von vielen Seiten bewundert. Aber es gibt auch Ablehnung und Hass; vor allem im Internet öffnen sich Abgründe, in die man am liebsten nicht hineinblicken würde. Die AfD kommentiert die Meldung auf ihrer Website mit den Worten „bunte Gaga-Armee“.

Anfangs gab es viele Vorurteile

„Ich bin Anastasia“ von Thomas Ladenburger erzählt die Geschichte der Frau und Kommandeurin, die als biologischer Mann ihre Laufbahn bei der Bundeswehr begann, bevor sie sich im Alter von 40 Jahren als Transfrau outete.

Der Film begleitet sie bei einer Demonstration für die „Ehe für alle“, in ihrem privaten Alltag mit ihrer Partnerin und späteren Ehefrau Samanta, er ist auch bei der geschlechtsangleichenden Operation und den damit verbundenen Feierlichkeiten dabei – bei der „Schwanz-ab-Party“ gibt es Kuchen und Deko in Penisform, Anastasia zerschlägt symbolisch einen Pappphallus, Monate später werden die Gäste durch einen Vagina-Eingang geschickt – und zeigt sie in ihrem Arbeitsumfeld bei Schießübungen, Einweisungen und dem Training für den bevorstehenden Afghanistan-Einsatz.

Biefangs Sekretärin erzählt, dass die Stimmung beim Heer anfangs durchaus skeptisch gewesen sei: „Die Vorurteile waren eben: Ach, jetzt kriegen wir hier so ’ne Transe... dann haben wir ja bald die Regenbogenflagge hier dranne.“ Andere Befürchtungen betrafen das große mediale Interesse. Am Ende aber wurde die Kommandeurin in ihrer Führungsrolle akzeptiert; über 700 Soldatinnen und Soldaten unterstehen Biefangs Kommando.

Kampf gegen Diskriminierung

Anastasia Biefang hatte lange keinen Begriff für ihr Empfinden. Das Tragen von Frauenkleidern war für sie etwas Verbotenes, Aufregendes, auch Erregendes. In einem Laden in Frankfurt konnte sie ihre „Neigung“, wie sie es nannte, in einem geschützten Raum ausleben. Ende 2014 entschloss sie sich, ausschließlich als Frau zu leben; vor den offiziellen Stellen musste sie ihre Identität jedoch erst einmal „beweisen“.

Wie ein Blick in ihre dicke Krankenakte zeigt, ist die Transition noch immer untrennbar mit der Pathologisierung verknüpft – die amtliche Diagnose lautete: „transsexuelle Geschlechtsidentitätsstörung“. In der Interessensvertretung der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Angehörigen der Bundeswehr kämpft Biefang seitdem gegen die Diskriminierung und Fremdbestimmung durch das Transsexuellengesetz. Mit ihrem Referatsleiter, den sie als erstes einweihte, hatte sie immerhin Glück; seine gelassene Unterstützung beschreibt Biefang anerkennend als ein „mitfühlendes Zur-Kenntnis-Nehmen“.

Eine Vorbildfigur

Nicht alle haben so gute Erfahrungen gemacht, wie der Fall der ehemaligen Bundeswehr-Waffensystemoffizierin Christiane „TX“ Meiners zeigt. Als sie sich als Transfrau outete, ließ die Führung sie hängen: „Es gab mich, aber es gab mich eigentlich nicht. Ich durfte nicht so wirklich existieren.“

„Ich bin Anastasia“ ist vordergründig aber kein Film über Mechanismen und Praktiken der Diskriminierung; vielmehr gibt er der Bundeswehr allen Raum, sich als eine tolerante Institution zu präsentieren, was mitunter auch an Imagepflege grenzt. Dass abseits der Führungsebene, wo mittlerweile eine offene Auseinandersetzung stattfindet, Homosexualität und Transgender vielfach noch immer ein Tabu sind und Mobbing und dumme Sprüche zum Alltag gehören, bleibt im Film ausgespart. „Ich bin Anastasia“ geht es eher darum, seine Protagonistin als Vorbildfigur zu konturieren – was dank ihres Charismas und ihrer überlegten, aber auch entschiedenen Art nicht schwerfällt. 

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