Komödie | Deutschland 2019 | 109 Minuten

Regie: Thomas Schwendemann

Zwei gescheiterte Künstler, ein Filmemacher und ein Schriftsteller, schließen sich zu einer Notgemeinschaft zusammen, um in dem ehemaligen Münchner Arbeiterviertel Giesing eine Kneipe aufzumachen. Dank eines betont einfachen Konzeptsentwickelt sich das Lokal binnen kurzem zum überlaufenen Geheimtipp. Doch der Besitzer hat mit dem Anwesen ganz andere Pläne. Die bajuwarische Schelmenkomödie um eine abstruse Männerfreundschaft setzt auf prominente Originale und viel Retro-Chic, lässt in der Handlung aber jede Subtilität vermissen und verliert sich in einer Kaskade schaler Scherze. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Thomas Schwendemann
Buch
Stefan Fent · Thomas Schwendemann
Kamera
Felix Raitz von Frentz
Musik
Tomas Leonhardt · Gerrit Wunder · Chris Limburg
Schnitt
Felix Raitz von Frentz
Darsteller
Stefan Fent (Roland Wunderlich) · Thomas Schwendemann (Augustin Wimmer) · Stefanie Mendoni (Laura Penzenstadler) · Franziska Zawila (Julia Nehner) · Marianne Sägebrecht (Oma Gerti Schmuck)
Länge
109 Minuten
Kinostart
21.11.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie
Diskussion

Bajuwarische Schelmenkomödie um zwei gescheiterte Künstler, die im Münchner Stadtteil Giesing ein Lokal aufmachen, das sich zum Geheimtipp entwickelt.

Entstanden ohne Produktionsfirma, Sender oder Förderung, angeschoben mit Eigeninvestitionen und dem Mut zur schauspielerischen Selbstausbeutung, hat sich der 42-jährige Regisseur Thomas Schwendemann eine autobiografisch angehauchte Komödie gegönnt, die eine bairisch-österreichische Notgemeinschaft ins Zentrum stellt. Der märchenhafte Rahmen von „Schmucklos“ lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, dass das verspielte Konzept den Protagonisten wohlgesonnen ist, auch wenn diese in ihrer mehr als grotesken Überzeichnung, inklusive dick aufgetragener Dialekte, von der ersten Minute an jegliche Bereitschaft verspielen, den clownesk-dümmlichen Darbietungen zu folgen.

Eine auf Askese gebürstete Bruchbude

Eigentlich kennen die beiden Hauptfiguren sich kaum. Ein Wiener Schriftstellerund ein Münchner Werberegisseursind in eine Lebenskrise geraten. Die Aufträge bleiben aus, und Partnerinnensind auchnicht in Sicht, weshalb sie mangels anderer Geldquellen in dem ehemaligen Münchner Arbeiterviertel Giesing das geschlossene Lokal der verstorbenen Großmutter wiedereröffnen.

Damit ist das Glück im Absturz nicht mehr fern. Denn in „Schmucklos“ wird neben Schnaps und Würschteln zwar nur ein eingeschränktes Musikrepertoire angeboten, dafür kann sich das unerwartete Duo vor Kundschaft kaum retten.

Die liebt den rustikalen Charme der auf Askese gebürsteten Bruchbude in einer Stadt, in der die Mieten explodieren und das Überleben nur mit einer gehörigen Portion bajuwarischer Lebensphilosophie gelingt. Und von dieser bekommt man bald eine Überdosis verabreicht, plus eine gegen jede Wahrscheinlichkeit erblühende Männerfreundschaft, die jede noch so abstruse Wendung übersteht.

Zwischen Monaco Franze und Ludwig II.

Während die Gentrifizierung auch vor Giesing nicht Halt macht und durch mafiaähnliche Drückerkolonnen vorangetrieben wird,was die Medien alarmistischfür sich zu nutzen wissen, paradieren bayerische Originale wie Marianne Sägebrecht, Michaela May, Uschi Glas, Eisi Gulp oder Günther Sigl am laufenden Band vor der Kamera. Wenn ein Schnitt ausnahmsweise mal sinnvoll gesetzt ist, landet man sogleich bei Verweisen auf den Uhrmacherhäusl-Skandal, Ludwig II. oder Monaco Franze.

Damit ist der Gipfel an Einfällen auch schon erreicht, denn der Rest der belanglosen Handlung lässt jegliche Subtilität oder einen politisch grundierten Biss vermissen. Es geht vor allem um Momente des Wiedererkennens, um eine glühende Verehrung der Lokalzugehörigkeit, aber gerade nicht um eine komische Distanzierung von Missständen, die aus den enormen ökonomischen Kontrasten in der Stadt resultieren. Dabei wäre gerade das Aufgreifen dieser Problematik das Gebot der Stunde.

Die Inszenierung begnügt sich hingegenmit einer mäßig nachgeahmten Retro-Ästhetik und verliert sich in einer Kaskade schaler, über weite Strecken ins Leere laufenden Scherze, von Fäuste schwingenden Nachbarinnen im Rentenalter bis zu sprechenden Pissoirs, über die man einen veritablen Migräneanfall bekommen könnte.

Mit zündender Heiterkeit

Deshalb sei vor allem den „Zugereisten“ empfohlen, sich lieber gleich an die Dietl-Serien „Monaco Franze“ oder „Kir Royal“ zu halten, wo man dem Gang der Münchner Dinge tatsächlich mit zündender Heiterkeit folgen kann.

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