Snorri & der Baby-Schwimmclub

Dokumentarfilm | Island 2019 | 74 Minuten

Regie: Elín Hansdóttir

Empathischer Dokumentarfilm über den Isländer Snorri Magnússon, der in den letzten drei Jahrzehnten über 7 000 Babys das Schwimmen beigebracht hat. Der sympathische Sportlehrer geht mit großer Passion seinem Job nach, bei dem ein paar Monate alte Kinder mit dem nassen Element vertraut gemacht werden, was für eine gesunde Entwicklung enorm förderlich sein soll. Das Porträt zeigt ihn vornehmlich bei der Arbeit, lässt aber auch Entwicklungspsychologen und Eltern zu Wort kommen. Der Wohlfühlfilm lebt von den Bildern glücklich lächelnder Babys, ist aber nicht ganz frei von Redundanzen. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
DIVE: RITUALS IN WATER
Produktionsland
Island
Produktionsjahr
2019
Regie
Elín Hansdóttir · Anna Rún Tryggvadóttir · Hanna Björk Valsdóttir
Kamera
Bergsteinn Björgúlfsson
Schnitt
Andri Steinn Guðjónsson · Thorunn Hafstad
Länge
74 Minuten
Kinostart
28.11.2019
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion

Dokumentarisches Porträt des isländischen Schwimmlehrers Snorri Magnússon, der kleinen Kindern die Freude am Wasser vermittelt.

Eltern, die mit ihren Neugeborenen einmal beim Babyschwimmen waren, werden sich vielleicht noch an ihre Verblüffung erinnern, dass die Kinder keinerlei Scheu vor dem nassen Element hatten und selbst kurze Tauchgänge mit einem Lächeln absolvierten. Zumindest, wenn die Babys auf einen einfühlsamen Schwimmlehrer stießen, der sein Metier beherrschte. Im Idealfall einen wie den Isländer Snorri Magnússon. Der nicht mehr ganz junge Mann mit den grauen Schläfen hat seit 1990 rund 7 000 Kindern das Schwimmen beigebracht und wird auf der Insel geradezu als Ikone verehrt. Eine Art Baby-Flüsterer in Badehose.

Der Dokumentarfilm „Snorri & der Baby-Schwimmclub“ von Elín Hansdóttir, Anna Rún Tryggvadóttir und Hanna Björk Valsdóttir porträtiert den diplomierten Sport- und Schwimmlehrer vornehmlich bei seiner Arbeit in einer kleinen Schwimmhalle mit einem gläsernen Kuppeldach. Man sieht Snorri, wie ihn alle nennen, wie er morgens als erster das Bad betritt, bei Bedarf auch schon mal den Schnee aus der Zufahrt schaufelt und abends die Beckenumrandung desinfiziert oder die Wickeltische vor den Fenstern wieder hochklappt.

Ein begnadeter Pädagoge

Doch so richtig in seinem Element ist Snorri nur, wenn er mit Babys im Wasser herumtollt. Wenn er sie ermutigt, vom Beckenrand ins Wasser zu rutschen, sie sanft untertaucht und anschließend so enthusiastisch lobt, als hätten sie gerade einen neuen Rekord aufgestellt. Hier geht kein Lehrer seinem Job nach, sondern ein begnadeter Pädagoge seiner Berufung. Wofür Snorri sich schon mal zum Clown macht. Dann trommelt er auf Eimern, Matten und seinem Bauch, bringt seltsam anmutende Laute hervor oder singt Lieder, die wie selbst erfunden klingen. Das alles macht er nicht, weil er vom Naturell her ein notorischer Faxenmacher wäre, sondern weil er davon überzeugt ist, seinen Zöglingen damit etwas Gutes zu tun.

Die sehen das offenbar genauso. Die Babys schauen ihn mit großen Augen an, hüpfen vertrauensvoll in seine Arme und lächeln in einem fort. Selbst wenn Snorri seine Paradedisziplin vorführt und die Kinder auf seiner Handfläche stehend in die Höhe hebt. Das erstaunt dann selbst Entwicklungspsychologen, die im Film zu Wort kommen, weil vier Monate alte Babys nach landläufiger Überzeugung eigentlich nicht ohne Hilfestellung aufrecht stehen können.

Neben ein paar Experten schildern auch einige Eltern ihre Sicht von Snorri und seinem Treiben, im Schwimmbad oder auch daheim. Manchmal ist von anfänglicher Skepsis die Rede, aber letztlich sind alle von den besonderen Qualitäten des passionierten Lehrers begeistert.

Seine Mutter lernte nie Schwimmen

Der Protagonist erlaubt auch ein paar wenige Blicke auf den Privatmenschen Magnússon. Mal sitzt er mit seinem Zwillingsbruder in einem Naturschwimmbecken, mal mit seiner betagten Mutter, die nie Schwimmen gelernt hat, auf dem Sofa. Dazu gibt es ein paar Archivbilder aus früheren Jahrzehnten, Erinnerungen an ertrunkene Seeleute sowie Snorris eigene Zwillingstöchter, die von einer glücklichen Kindheit mit ihrem sportverrückten Vater erzählen.

Das Salz in der Suppe dieser Dokumentation sind aber eindeutig die Sequenzen mit Snorri und den Babys im Schwimmbad. Dabei kommt vielfach die Unterwasser-Kamera zum Einsatz; bisweilen werden die O-Töne in der Halle auch ausgeblendet und durch zarte Instrumentalklänge ersetzt, was dem Geschehen etwas Magisches verleiht.

Die Kinder, die mit großen Augen in die Kameras lächeln, machen aus „Snorri & der Baby-Schwimmclub“ ein dokumentarisches Feel-Good-Movie mit einer grundsympathischen Hauptfigur. Dennoch ist der Film trotz seiner erfreulichen Kürze nicht ohne Redundanzen. Was auch damit zu tun hat, dass er jene visuelle Originalität, die der Vorspann verheißt, nicht über die gesamte Laufzeit einzulösen vermag.

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