Comicverfilmung | Kanada 2019 | 423 (10 Episoden) Minuten

Regie: Brad Turner

Eine Serienverfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe von Jonathan Maberry um einen Wissenschaftler, der mitten in einen apokalyptischen Seuchen-Ausbruch gerät: Sein bester Freund fällt einer mysteriösen Krankheit zum Opfer, die Menschen in Blutsauger verwandelt und hochgradig ansteckend ist. Je mehr sich die Seuche ausbreitet, umso mehr spaltet sich die Menschheit ins Lager der Gesunden und der vampirischen Infizierten. Während sein Freund sich zum Anführer der Vampire aufschwingt und versucht, deren Blutgier im Zaum zu halten, versucht der Wissenschaftler, zwischen den verhärteten Fronten zu vermitteln und ein einvernehmliches Miteinander zu fördern, droht aber angesichts von Hass und Gewalt, die immer mehr eskalieren, zu scheitern. Das Vampirismus-Motiv wird dabei aus seiner schwarzromantischen Tradition gelöst und in einen aktualisierten Kontext eingebunden, bei dem es um die Konfrontation mit dem Fremden und die Frage geht, wie menschlich darauf zu reagieren ist. Die Serie lotet dies zwar nicht tiefgründig aus und lässt einige Logik-Löcher, unterhält insgesamt aber als sorgfältig aufgebautes Spannungsszenario.

Filmdaten

Originaltitel
V WARS
Produktionsland
Kanada
Produktionsjahr
2019
Regie
Brad Turner
Buch
Philip Bedard · Glenn Davis
Kamera
Craig Wright
Schnitt
Paul G. Day · David B. Thompson
Darsteller
Ian Somerhalder (Dr. Luther Swann) · Adrian Holmes (Michael Fayne) · Kyle Breitkopf (Dez) · Jacky Lai (Kaylee Vo) · Peter Outerbridge (Calix Niklos)
Länge
423 (10 Episoden) Minuten
Kinostart
-
Genre
Comicverfilmung | Horror | Science-Fiction | Serie

Vampirismus als genetische Prädisposition? „Vampire Diaries“-Star Ian Somerhalder spielt die Hauptrolle in einer neuen Serien-Comicverfilmung, in der immer mehr Menschen zu Vampiren mutieren.

Diskussion

Zwei Jahre mussten sich die Fans gedulden, bis „Vampire Diaries“-Star Ian Somerhalder wieder in einer Serie zu sehen ist. In „V Wars“ spielt er nun nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch als Regisseur und Produzent an der Serie mitgewirkt. Eine variierte Fassung der „Vampire Diaries“ ist die neue Netflix-Serie, eine Verfilmung der gleichnamigen Comic-Reihe von Jonathan Mayberry, allerdings nicht, sondern schlägt einen härteren, aktuelleren Tonfall an: Statt seichter Highschool-Probleme und wechselhaften Liebschaften geht es hier um eine Welt, in der die Folgen des Klimawandels als Horror-Szenario über die Menschheit herein brechen und sich angesichts der „Monster“, die dadurch entstehen, die Frage stellt, wie tolerant eine Gesellschaft gegenüber „dem Anderen“ eigentlich sein kann oder soll.

Der Vampir als Folge des Klimawandels

Anders als die meisten Endzeit-Szenarien, die sich um die Ausbreitung von nicht-menschlichen Geschöpfen wie Vampiren und Zombies drehen, setzt „V Wars“ schon zu Beginn der Katastrophe ein: Ein Virus, das durch die Schmelzung der polaren Eiskappen freigesetzt wird, sorgt in einer abgelegenen Forschungsstation für eine erste Infektion. Als Dr. Luther Swann (Somerhalder), der als passionierter Mediziner und Immunologe äußerst erfolgreich ist, mit seinem engsten Freund Michael Fayne (Adrian Holmes) die Forschungsstation aufsucht, um zu klären, an was der Mitarbeiter erkrankte, scheinen sich beide mit der seltsamen, medizinisch schwer nachzuweisenden Krankheit anzustecken. Doch während es Swan nach einigen Fieberschüben und Übelkeitsanfällen schon bald wieder besser geht, gehen mit Holmes seltsame Veränderungen vor. Sein Appetit lässt zu wünschen übrig, er nimmt Gerüche überstark wahr und hört mit einem Mal fürs menschliche Ohr eigentlich nicht wahrnehmbare Details wie Gespräche von Menschen, die weit weg sitzen. Noch beunruhigender: Allmählich entwickelt der eigentlich friedfertige und ausgeglichene Mann Gewaltfantasien, die ihn selbst erschrecken und die konstant stärker werden. Swan kann ihm mit all seinem medizinischen Wissen nicht helfen und nimmt die Symptome zu Beginn auch nicht wirklich ernst. Bis es zum ersten Zwischenfall kommt, bei dem Holmes das Blut einer Frau trinkt und diese anschließend tötet. Spätestens jetzt kann Swann die Veränderungen an seinem Freund nicht länger ignorieren. Zugleich ist Holmes zur Flucht gezwungen und wird schon bald zum „Staatsfeind Nr.1“.

Ab diesem Moment gewinnt die Serie, die sich in weiten Teilen die Zeit nimmt, die Geschichte sorgfältig aufzubauen, zwischenmenschliche Beziehungen detailliert zu beleuchten und Charaktere einzuführen, rasant an Fahrt. Holmes wird zum „Patient Null“ und landesweit gesucht. Und auch Swann steht als Mitwisser unter Verdacht, wird allerdings wegen seines einzigartigen Wissens auch von der Seuchenschutzbehörde gebraucht und massiv unter Druck gesetzt. Schnell gibt es weitere Infizierte, die scheinbar übermenschliche Kräfte besitzen und eine geradezu rauschhafte Gier nach menschlichem Blut verspüren. In den Medien tauchen erste Berichte über Vampire auf; die Infizierten selbst nennen sich jedoch einfach „Bloods“ und wehren sich, unter Generalverdacht gestellt zu werden. Um sich gegen drohende Übergriffe der Gesunden zu verteidigen, schließen sich die „Bloods“ schließlich zu Gruppen zusammen. Holmes, der ohnehin längst zur Symbolfigur geworden ist, wird zu ihrem Anführer und versucht, seine Anhänger mit einem Ehrencodex auf halbwegs menschlichen und gewissenhaften Wegen zu halten, was nicht immer gelingt. Auf der anderen Seite, der der Menschen, versucht Swann, zwischen den verhärteten Fronten zu vermitteln und ein einvernehmliches Miteinander zu fördern. Beide können jedoch nicht verhindern, dass ein Krieg zwischen Menschen und „Bloods“ ausbricht, bei dem die Grenzen von Täter und Opfer zunehmend verschwimmen.

Immun gegen Knoblauch, Kruzifixe und Co.

Mit der schwarzromantischen Tradition des Vampir-Motivs hat die Serie also wenig zu tun; Szenen, die im Labor, bei der Polizei, in verkommenden Städten oder auch in modernen Wohnungen spielen, haben deutlich Vorrang vor nebligen Wald- und Friedhofsszenen, wie man sie sonst aus dem Genre kennt. Gegen traditionelle Vampir-Waffen wie Knoblauch, Weihwasser und Kreuze sind die Blutsauger hier ebenso immun wie gegen Pistolenkugeln und Schlagstöcke; sie haben ihre menschlichen Werte nicht vergessen, aber passen sich zwangsläufig den Bedingungen ihrer neuen Natur an. Ist diese Natur ein Kollateralschaden des Klimawandels – oder sogar der nächste Schritt der Evolution?

Mit den Konflikten, die sich darum entspinnen, was die Vampire eigentlich sind und wie mit ihnen umzugehen ist, stellt die Serie auch die Frage danach, wie es um die (Mit-)Menschlichkeit bestellt ist, wenn Menschen durch die Konfrontation mit etwas Fremdem herausgefordert werden. Ein interessantes, leicht auf reale Zeitumstände rückbeziehbares Thema, mit dem die Serie dem Vampirmythos einmal mehr ein zeitgemäßes Upgrade verpasst, auch wenn sie es nicht wirklich auslotet – dafür setzt sie dann doch zu wenig auf politische Kontextualisierungen und zu sehr auf emotional-zwischenmenschliche oder handfeste Auseinandersetzungen.

Als kleine Schwäche der ansonsten spannend und konsequent vorangetriebenen Endzeit-Story klaffen in der Handlung einige Logik-Löcher, etwa wenn Dr. Swan, ein erfahrender und erstklassig ausgebildeter Immunologe ohne Schutzkleidung eine Forschungsstation betritt, in der der vor Ort tätige Wissenschaftler zuvor unter rätselhaften Umständen verschwunden ist. Und warum fast ausschließlich attraktive Menschen zwischen 20 und 35 Opfer des schnell um sich greifendes Virus werden, bleibt das Geheimnis der Serienschöpfer.

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