Drama | Portugal/Deutschland/Frankreich 2019 | 103 Minuten

Regie: Gonçalo Waddington

Ein hedonistischer, auf sein Äußeres bedachter junger Mann wird in Brüssel wegen Drogenbesitzes von der Polizei verhaftet. Beim Verhör stellt sich heraus, dass er vor zwölf Jahren als Junge in Portugal entführt wurde und seitdem als verschollen gilt. Die Behörden schicken ihn nach Portugal zurück, doch auch dort bleibt er ein Fremder. Das verrätselte, in seiner Vagheit frustrierende Drama wirft viele Fragen auf, ohne sie zu beantworten. Insbesondere der Zusammenhang von Missbrauch und Frauenhass irritiert, weil er nicht weiter erläutert wird. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
PATRICK
Produktionsland
Portugal/Deutschland/Frankreich
Produktionsjahr
2019
Regie
Gonçalo Waddington
Buch
Gonçalo Waddington · João Leitão
Kamera
Vasco Viana
Musik
Bruno Pernadas
Schnitt
Pedro Filipe Marques
Darsteller
Hugo Fernandes (Patrick) · Alba Baptista (Marta Rodrigues) · Teresa Sobral (Laura) · Miguel Herz-Kestranek (Mark) · Raphaël Tschudi (Thomas)
Länge
103 Minuten
Kinostart
15.07.2021
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama

Drama um einen hedonistisch veranlagten jungen Mann, der als Kind nach Belgien entführt wurde und nach vielen Jahren zu seinen Eltern nach Portugal zurückkehrt.

Diskussion

Ein junger Mann liegt auf einer Bank in einem weißen, hell erleuchteten Schönheitssalon und lässt sich die Haare epilieren – am ganzen Körper. Abrupter Szenenwechsel: In einer Disco in Brüssel tanzt derselbe Mann, der 20-jährige Patrick, zu lauter House-Musik, weist rüde eine ältere Frau zurück und bandelt mit einer jüngeren an. Frühmorgens kommt er in ein schickes Appartement nach Hause, das er zusammen mit einem Fotografen bewohnt. Später wird er behaupten, dass er nicht mit ihm befreundet sei.

Der Regiedebütant Gonçalo Waddington wirft den Zuschauer in einzelne hektische Szenen, deren Zusammenhang sich nur langsam oder gar nicht erschließt. Das macht „Patrick“ zu einer anstrengenden Angelegenheit. Zu vieles bleibt unausgesprochen und vage, zu vieles erscheint mysteriös und enigmatisch.

Ein tragisches Schicksal deutet sich an

Die Handlung wirkt kohärenter, als Patrick in seiner Wohnung eine so laute Party schmeißt, dass die empörten Nachbarn die Polizei rufen. Der junge Mann wird wegen Drogenbesitzes verhaftet. Beim Verhör stellt sich heraus, dass er eigentlich Mario heißt, aus Portugal stammt und vor zwölf Jahren als Bub entführt wurde. Seitdem galt er als verschollen.

Was in der Zwischenzeit passiert sein mag, zeigt der Film nicht. Auf seinem Laptop befinden sich Videos mit Mädchen, die Patrick bestialisch quält. Ein möglicher Hinweis auf den Missbrauch, den er selbst erlitten hat und darum anderen antut. Die Behörden schicken den jungen Mann zu seiner Familie nach Portugal zurück.

Nun verändert sich auch das Erzähltempo, es ist sehr getragen. In langen, starren Einstellungen sind zumeist zwei Personen im Bild zu sehen, deren Unterhaltung quälend stockt. Sein Kinderzimmer sieht noch so aus wie damals – Teddybären, wohin man schaut. Trotzdem bleibt Patrick ein Fremder. Er weigert sich, Portugiesisch zu sprechen, seine Mutter interessiert sich nicht für die Folgen der Entführung, einzig die 17-jährige Cousine Marta begegnet ihm unvoreingenommen. Aber was hat es mit Mark auf sich, einem älteren Mann, den Patrick bereits mehrmals vergeblich angerufen hat?

Das ist nur eine von vielen Fragen, die der Film aufwirft, ohne sie zu beantworten. „Patrick“ könnte ein Entführungsthriller sein, doch es fehlt die Auflösung, die das Genre verlangt. Er könnte ein Missbrauchsdrama sein, doch es fehlt die nötige Problematisierung, die Zusammenhänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellt und verständlich macht. Stattdessen mündet der Film in eine Familientragödie, bei der die sexualisierte Gewalt verdrängt wird.

Die Dualität wird nicht erläutert

Patrick und Mario, die beiden Namen des jungen Mannes sowie seine Zweisprachigkeit, deuten auf eine Rolle als Täter und Opfer hin. Doch diese wichtige Dualität, die auf die psychopathologische Seite der Sexualität verweisen könnte, wird nicht erläutert. Auch warum Patrick Frauen und Mädchen so sehr hasst und unterdrückt, bleibt im Dunkeln. Das eigene Trauma wäre als Ursache zu kurz gedacht, und diese Anti-Intellektualität ist in ihrer Anspruchslosigkeit schlicht fahrlässig und gefährlich.

Hugo Fernandez spielt Patrick verhärmt, schweigsam und verstockt als feindseligen Narziss, um den man sich als Zuschauer irgendwann nicht mehr sorgen mag. Auch die anderen Darsteller agieren zurückgenommen und steif, so, als seien sie vom Regisseur nicht ausreichend angeleitet worden. So läuft der Film auf sein irritierendes Ende zu, das man nur noch ratlos zur Kenntnis nimmt.

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