Roland Rebers Todesrevue

Komödie | Deutschland 2019 | 92 Minuten

Regie: Roland Reber

Eine groteske Fernsehshow, in der Teilnehmer vor Live-Publikum mit gefährlichen Aufgaben erniedrigt werden, bildet den Rahmen für eine mit allerlei Zitaten vermischte, ausfransende Medienschelte. Intermezzi bilden Episoden um einen Sterbenden im Krankenhaus, einen digitalen Selbstdarsteller mit Maske sowie einen unglücklichen Dichter und seine Geliebte. Der im Stil einer Nummernrevue ablaufende Film schillert zwischen Trash und Provinztheater, Pseudo-Philosophie und Poesie, bleibt in seinen Aussagen aber sehr flach und banal. Einen bescheidenen Charme gewinnt er am ehesten durch den ausgestellten Dilettantismus. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ROLAND REBERS TODESREVUE
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Roland Reber
Buch
Roland Reber · Antje Mönning · Mira Gittner
Kamera
Mira Gittner
Musik
Antje Mönning
Schnitt
Mira Gittner
Darsteller
Waltraut Borchmann (Lola) · Christian Buse (Frank) · Marina Anna Eich (Bllie) · Ricci Hohlt (Hilde) · Wolfram Kunkel (Herr Naumann)
Länge
92 Minuten
Kinostart
23.01.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Komödie

Eine groteske Fernsehshow und kleine Episoden als Bestandteile einer Nummernrevue zwischen Medienschelte und durchgeknalltem Provinztheater.

Diskussion

Wein, Weib, Tanz, Gesang und der Tod: Vom Männergesangsverein über ein steppendes Nummerngirl, den liebeskrank-depressiven Dichter und den Würger von Mannheim bis zu Johann Wolfgang von Goethe und einem Blockflötensolo von Johann Sebastian Bach ist, wie eigentlich immer, alles drin bei Roland Reber. Bis auf den Sex und die Nacktheit: Beides fehlt fast schon auffällig in „Todesrevue“. Die „FSK: ab 12“-Einstufung ist deshalb wohl eher der allgemeinen Verwirrung geschuldet, und den suizidalen Tendenzen.

Die Revue im Titel ist jedenfalls Programm, problemlos ließe sich „Todesrevue“ auch als ein von fröhlichen Laien dargebotenes, provokatives Kleinkunststück inszenieren, als welches offenbar zumindest der Kern des Films, die zynische TV-Show, auch einst geplant war: 1984 hatte Reber, anlässlich des Todes seines Vaters, ein Theaterstück nämlichen Inhalts geschrieben. TV-Shows dieser Art waren damals noch die Zukunft, heute liegen sie fast schon in der Vergangenheit beziehungsweise sind ins Internet gewandert, weshalb sich auch weitere Stränge des episodischen Films medienkritisch Phänomenen wie Internet-Trollen, Umgang mit persönlichen Daten oder digitaler Geltungssucht widmen.

Ein medienkritischer Rundumschlag von Gestern

Diese Medienkritik, eine Art Rundumschlag, der kaum etwas auszulassen scheint, ist, ebenso wie die damit verbundenen Bildideen, allerdings nicht neu und wirkt, wie die TV-Show, überholt. Die intendierte Provokation bleibt überwiegend flach und im Gestern, im Provinziellen, im bereits Gehörten, Gelesenen und satirisch Bearbeiteten hängen.

Rebers Münchner Produktionsfirma „wtp international“ funktioniert als eine Art Kollektiv, das unabhängig von Fernsehsendern und Fördergeldern agiert. Den limitierten Mitteln steht die Leidenschaft des mehr oder weniger festen Ensembles gegenüber, das Reber um sich versammelt hat und mit dem er etwa alle zwei Jahre einen Film verwirklicht. Dabei bekleidet das Ensemble gleichzeitig Rollen vor und hinter der Kamera.

Die Fernsehshow in „Todesrevue“ wurde auf einer Kleinkunstbühne in Fürstenfeldbruck gedreht, Burlesque-Tänzerinnen treten zu Beginn auf, die Inszenierung bedient sich am Stil einer Nummernrevue mit Hang zur Groteske, zum Gruselkabinett: Immer wieder werden die stark geschminkten Gesichter des Conférenciers, der Ko-Moderatorin, die „ihren Job in einer Seniorentombola gewonnen hat“ oder der Teilnehmer in Nahaufnahmen gezeigt. Die Teilnehmer sind mitunter auch nichtsahnende Menschen, die vor Live-Publikum sogenannten „Challenges“ ausgesetzt werden. Diese Herausforderungen zielen auf maximale Herabwürdigung ab, eine Gefährdung der psychischen oder physischen Gesundheit ist Teil der Show.

Die beigeordneten Episoden begleiten einen Sterbenden im Krankenhaus, einen recht erfolglosen digitalen Selbstdarsteller mit Maske, einen unglücklichen Dichter und seine Geliebte, die sich vor dem Altern fürchtet – ebenso wie eine gemeinsame Freundin der beiden, das Nummerngirl der Show (Marina Anna Eich, die Rebers Filme auch produziert). Diese wiederum begegnet dem Schrecken des Alterns mit gnadenloser Selbstoptimierung und ist ihrer ums Handgelenk gebundenen Smart-Watch hörig, die Kalorienverbrauch und Bewegungsbedarf diktiert. Es geht also freilich um das Leben, nicht um den Tod, wie meist, wenn vom Tod die Rede ist: Um das richtige, das bewusste Leben, mit dessen Endlichkeit stets im Blick.

Zwischen Trash und Provinztheater

„Todesrevue“ schillert zwischen Trash und Provinztheater, philosophisches Geschwurbel kann unversehens in poetische Erhellung kippen – und schnell wieder zurück, auch ins brachial Banale. Der Dilettantismus des Projekts macht seinen Charme aus; Spiel-, Tanz- und Singfreude ist den Darstellern anzumerken.

Trotzdem ist es dann Erholung und Genuss, wenn der großartige bayerische Schauspieler Eisi Gulp seine Auftritte hat: Als Krankenpfleger schiebt er in einem weiteren roten Faden des Films die Leichen durch schmucklose, dunkle Kellergänge in die Pathologie, genehmigt sich dabei den einen oder anderen Kurzen und schwadroniert derart über das Leben und das Sterben, wie es eben nur auf Bayerisch möglich ist.

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