Alkohol - Der globale Rausch

Dokumentarfilm | Deutschland/Italien 2019 | 93 Minuten

Regie: Andreas Pichler

Der weltweite Konsum alkoholischer Getränke steigt seit Jahren rasant. Hersteller freuen sich über gigantische neue Absatzmärkte in China und Indien. Gleichzeitig bezahlen jährlich drei Millionen Menschen den Missbrauch des Alkohols mit dem Leben. Der Dokumentarfilm wirft einen Blick hinter die Kulissen der industriellen Alkoholproduktion und ihrer aggressiven Marketingstrategien, die politische Ansätze, den Missbrauch einzudämmen, systematisch verhindern. Neben ehemaligen Alkoholikern kommt eine Vielzahl von Experten zu Wort, die eindringlich vor den Gefahren des Alkohols warnen, ohne dabei substanziell Neues zu verkünden. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Italien
Produktionsjahr
2019
Regie
Andreas Pichler
Kamera
Martin Rattini
Musik
Gary Marlowe
Schnitt
Florian Miosge
Länge
93 Minuten
Kinostart
09.01.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Doku über die Gefahren des Alkohols und des Einflusses seiner industriellen Lobby, die politische Ansätze einer Eindämmung des Rauschmittels erfolgreich behindert.

Diskussion

Dass Alkohol nicht eben zu den gesündesten Substanzen zählt, ist hinlänglich bekannt. Gleichwohl rechnet man den Stoff in der westlichen Welt nicht zu den Drogen, dessen Konsum durch Gesetze bekämpft wird. Alkohol ist so gut wie überall verfügbar und wird als Genussmittel sogar beworben. Gleichzeitig rechnet man weltweit mit rund 140 Millionen Alkoholabhängigen und jährlich mit drei Millionen Menschen, die ihren exzessiven Konsum mit dem Leben bezahlen.

Pegeltrinken, Koma-Saufen

Der Dokumentarfilmer Andreas Pichler blickt in „Alkohol – Der Globale Rausch“ hinter die Kulissen des Umgangs mit dem Rauschmittel und untersucht die vielfältigen Interessen, die einer Reglementierung entgegenstehen. So freut sich der Manager einer europäischen Großbrauerei über gigantischen Wachstumsmärkte in China und Indien; ein EU-Mitarbeiter erklärt, dass Wein einer der wichtigsten Exportartikel der Gemeinschaft ist.

Im Gegensatz dazu erzählen Menschen, wie sie vom Alkohol abhängig wurden und wie sie es schließlich doch geschafft haben, ohne ihn zu leben. Die junge Britin Sarah betrank sich schon in der Pubertät regelmäßig bis zur Bewusstlosigkeit. Der österreichische Fernsehjournalist Lorenz Gallmetzer war mehrere Jahrzehnte lang Spiegeltrinker, ist nun aber seit drei Jahren „trocken“. Schöner sei sein Leben durch die Abstinenz nicht unbedingt geworden, sagt Gallmetzer. Mit Alkohol sei es eigentlich besser gewesen, solange er den Konsum unter Kontrolle halten konnte.

Die Industrialisierung des Rausches

Wie Menschen vom Genuss in die Anhängigkeit rutschen, wird von Ärzten erläutert, die die belebenden Effekte des Alkohols nicht negieren, aber den schmalen Grat zwischen einem gemäßigten und dem süchtigen Konsum aufzeigen. Auch wenn Pichler sizilianische Weinbauern zu Wort kommen lässt, für die ein oder zwei Gläschen zum Essen dazugehören, ist sein Blick auf den Alkohol vor allem ein kritischer, obwohl er im Kommentar einräumt, selbst kein Total-Abstinenzler zu sein.

Zwar finden auch kulturhistorische Anmerkungen ihren Platz, dass Alkohol seit Jahrtausenden konsumiert wird oder der Genuss ursprünglich wohl an religiöse Rituale gebunden und der Sehnsucht nach Bewusstseinsveränderung geschuldet war. Doch solche Exkurse nehmen sich eher marginal aus. Im Fokus des Films steht vielmehr die Industrialisierung der Alkoholproduktion, mit der das Problem des Missbrauchs seinen Anfang nahm. Beispielhaft werden dafür die aggressiven Marketing-Strategien globaler Konzerne aufgeführt. So bezahlte die Heineken-Großbrauerei in Nigeria zeitweise Prostituierte dafür, dass sie ihren Freiern Flaschen dieser Marke schmackhaft machen sollten. Auf der anderen Seite prangert der Film eine mächtige Alkohol-Lobby an, deren Aktivitäten immer wieder dazu führen, dass politische Versuche, den Konsum zu reduzieren, in vielen Ländern im Sande verlaufen.

Auswege aus der Sucht

Als Auswege aus dieser Misere führt der Film zwei Beispiele an. In Kalifornien versucht eine Initiative, Jugendlichen mit sportlichen und anderen Aktivitäten von Drogen jeder Art, auch dem Alkohol, fernzuhalten. Und auf Island, das jahrzehntlange mit einem massiven Alkoholproblem zu kämpfen hatte, geht man erfolgreich ähnliche Wege.

Neu oder überraschend sind diese Informationen aber nicht. Auch filmisch hat „Alkohol – Der Globale Rausch“ nicht sonderlich viel zu bieten. Neben bekannten Bildern von Trinkgelagen wie dem Oktoberfest in München begleitet die Kamera Lorenz Gallmetzer auf Spaziergängen durch Wien oder die Britin Sarah an die Orte ihrer schlimmsten Abstürze. Und wenn eine isländische Politikerin ihre Tochter vom Sport abholt, gerät die Inszenierung sogar in die Nähe einer schlichten Home-Story.

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