Horror | Niederlande 2020 | (8 Folgen) Minuten

Regie: Giancarlo Sanchez

Eine junge Medizinstudentin gerät in Amsterdam in die Fänge einer elitären Studentenverbindung mit düsterer Geschichte. Die erniedrigenden Initiationsriten sind jedoch nichts gegen die blutigen Konsequenzen, die das Gefangenhalten einer ominösen Macht in den Kellergewölben nach sich zieht. Eine unentschlossen zwischen erotisch angehauchter Teenie-Serie, effektivem Splatter und metaphysischem Horror schwankende Mischung, bei der die Motive der Hauptfigur nicht klar werden, aber immerhin die koloniale Schuldverstrickung des Landes mitgedacht wird. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ARES
Produktionsland
Niederlande
Produktionsjahr
2020
Regie
Giancarlo Sanchez · Michiel ten Horn
Buch
Pieter Kuijpers · Iris Otten · Sander van Meurs
Kamera
Stephan Polman · Joris Kerbosch
Musik
Jesper Ankarfeldt
Schnitt
Herman P. Koerts
Darsteller
Jade Olieberg · Tobias Kersloot · Lisa Smit · Robin Boissevain · Frieda Barnhard
Länge
(8 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horror | Serie | Thriller

Horror-Serie um eine junge Medizinstudentin, die in Amsterdam in die Fänge einer elitären Studentenverbindung gerät.

Diskussion

Rosa zieht alle Blicke auf sich – zumindest in der geheimen Studentenverbindung von „Ares“, die sich mitten im Prachtbau-Herzen von Amsterdam eingenistet hat. Dass Rosa hier so viel Aufmerksamkeit erhält, liegt allerdings nicht etwa am unverblümten Auftritt der attraktiven Medizinstudentin im ersten Semester. Es liegt vielmehr an ihrer Erscheinung an sich: Als Tochter eines Niederländers mit afrikanischen Wurzeln und einer Holländerin mit klassisch blonder Mähne, die mit schweren Depressionsschüben zu kämpfen hat, ist Rosa gleichsam das „Zeugnis“ einer lange zurückliegenden Schuld aus der niederländischen Kolonialherrschaft.

Dass Rosa (Jade Olieberg) wiederum eine dünkelhafte Verbindung wie „Ares“ überhaupt eines Blickes würdigt, liegt daran, dass ihr bester Freund Jacob in deren Fänge geraten ist. Und vielleicht auch daran, dass die junge Frau der Plattenbausiedlung ihrer Kindheit endgültig entwachsen will. Bei der ersten Begegnung im Rijksmuseum in Amsterdam stehen die „Ares“-Studenten mit Rosa vor Rembrandts weltberühmtem Gemälde „Die Nachtwache“ und deuten auf ihre jeweiligen Vorfahren. Die Eintrittskarte in diese Gesellschaft ist der Stammbaum, mit dem Rosa nicht aufwarten kann – und doch wundersamerweise aufgenommen wird.

Oben lauert der Dünkel, unten der pure Horror

Die Studentenverbindung, deren Name nicht von ungefähr an „Arier“ erinnert, eigentlich aber dem gleichnamigen griechischen Gott des Krieges entlehnt ist, wirkt schwer blasiert. Wenn es schlagende Verbindungen gibt, dann ist „Ares“ das „stechende“ Pendant. Das macht schon die erste Montage zu Beginn der Horror-Serie klar. Da kämpft sich eine blonde Studentin erfolgreich durch die erniedrigenden Initiationsriten der Studentenverbindung, nur um sich am Ende, nach der glücklichen Aufnahme, eine spitze Schere in ihre beiden Augen und anschießend seitlich in den Hals zu stechen, und sich dann mit einem heftigen Ruck nach vorne selbst die Kehle aufzureißen.

„Ares“ ist nicht zimperlich mit Bildern für die Sühne einer Schuld, die über Generationen weitergegeben, aber nie verarbeitet wurde. Die Frage, warum ein kleines Land wie Holland derart erfolgreich werden konnte, schwebt ständig im Raum. Bei den „Ares“-Mitgliedern führt sie zu Überheblichkeit, beim geschichtsversierten Zuschauer zur unheilvollen Vorahnung.

Je tiefer Rosa in die Struktur der Verbindung eindringt, umso öfters erscheint ihr eine von einer pechschwarzen Masse übergossene Figur mit einer dicken Kette um den Hals. Jacob tut unterdessen im Keller die Quelle einer kaum zu bändigenden Kraft auf, die ihn vom angstvollen Opfer zum Aggressor werden lässt.

Für eine Serie des Streamingdienstes Netflix ist das von der Ausgangslage her ungewohnt düster. Lange starrt man in den pechschwarzen Abgrund – nur starrt es in „Ares“ nicht vergleichbar abgründig zurück. Dass die Mischung aus (auch erotisch angehauchter) Teenie-Serie, Gesellschaftskritik, handfestem Splatter und metaphysischem Horror nicht so recht aufgeht, liegt auch an der Unentschiedenheit einer Hauptfigur, deren Motive man nicht so recht begreift: Assimilation, um die eigene Karriere voranzutreiben? Oder die hintergründige Infiltration feindlicher Gefilde?

Die Organisation einer korrupten Elite

Rosa aus der Plattenbausiedlung ist so intelligent, so kritisch und steht vor ihrer Aufnahme bei „Ares“ derart versiert in den Startlöchern ihrer Karriere, dass es etwas schwerfällt, ihr abzunehmen, für das Verlangen nach einem Leben in höheren gesellschaftlichen Sphären die Arroganz und die bizarren Rituale der Verbindung über sich ergehen zu lassen. Zumal mit Rosas Ablösung von Zuhause der sich verschlechternde Gesundheitszustand ihrer geliebten Mutter einhergeht. Außerdem sind die gleichaltrigen Verbindungsmitglieder viel zu überzeichnet, um das Gefühl einer echten Bedrohung zu verbreiten. Die jungen „Ares“-Leute scheinen allesamt dem spießigen Yuppie-High-Fashion-Katalog für ältere Semester entsprungen. Und auch die Beziehungen von Rosa zu Erwachsenen in der Verbindung, etwa der Medizindozentin Hester oder ihre Mentorin Carmen, entfalten keinen wirklichen Drive.

In den Kellergewölben des Verbindungshauses, in denen sich Jacob herumtreibt, ist aber nicht nur der Grusel, sondern auch die schuldbeladene Geschichte der Niederlande vergraben. Dadurch gewinnt „Ares“ am Ende im übertragenen Sinn doch noch Tiefe. Die Serie ist allerdings derart auf blutigen Gore-Effekte getrimmt, dass die „Unheimeligkeit“, die von einer Gruppe perfide paktierender Menschen ausgehen kann, tatsächlich in dicke Ketten gelegt scheint.

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