Underwater - Es ist erwacht

Action | USA 2019 | 95 Minuten

Regie: William Eubank

Eine Bohrstation, die sieben Meilen unter der Wasseroberfläche tief in einem Tiefseegraben liegt, wird von einem Erdbeben erschüttert und zerstört. Die Überlebenden versuchen sich durch überschwemmte Korridore einen Weg Richtung Rettungskapseln zu bahnen, werden aber von fremdartigen Seekreaturen attackiert. Der Unterwasser angelegte Thriller spielt die im Tiefsee-Horrorfilm klassischen Motive von Klaustrophobie und Isolation geschickt durch und setzt zunächst geschickt auf Reduktion. Da er sich beständig weigert, eine Art von Leitmotiv zu entwickeln, gerät er zur kurzweiligen, aber doch belanglosen Nummernrevue. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
UNDERWATER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
William Eubank
Buch
Brian Duffield · Adam Cozad
Kamera
Bojan Bazelli
Musik
Marco Beltrami · Brandon Roberts
Schnitt
Brian Berdan · William Hoy · Todd E. Miller
Darsteller
Kristen Stewart (Norah Price) · Vincent Cassel (Kapitän Lucien) · Jessica Henwick (Emily Haversham) · John Gallagher jr. (Liam Smith) · Mamoudou Athie (Rodrigo Nagenda)
Länge
95 Minuten
Kinostart
09.01.2020
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Horror

Ein Tiefsee-Horrorthriller um die Überlebenden einer von einem Erdbeben zerstörten Unterseestation, die auf ihrem Weg zu Rettungskapseln von Seekreaturen attackiert werden.

Diskussion

Ein einziger Wassertropfen bringt das Unglück. In Zeitlupe fällt er von der Decke hinab, um in einem schier endlosen Moment auf dem Mittelfinger der Ingenieurin Norah (Kristen Stewart) zu zerplatzen. Ein Augenblick, der so lange verweilt, bis der scheinbar harmlose Tropfen als Vorbote der Katastrophe erkennbar wird, die eine gesamte Unterseestation verschlingen wird. Der „Kepler“ genannte Gebäudekomplex liegt sieben Meilen unter der Meeresoberfläche. Eine Tiefe, in der ein Wassertropfen, der durch die Außenwand dringt, kein Fall für den Klempner mehr ist. So reißt der Wasserdruck, als die Zeit schließlich wieder in gewohnter Geschwindigkeit läuft, bereits ein erstes Loch in die Hülle der Station. Norah entkommt nur knapp dem tödlichen Würgegriff der Tiefsee, die kurz darauf die Hälfte der gewaltigen Unterseestation zerquetscht.

Nur ein kleiner Rest der Crew bleibt in 7000 Metern Tiefe gefangen zurück. Ein Setting, das sich im Mainstream des Horrorfilms eine durchaus beachtliche Nische geschaffen hat. The Abyss, Leviathan, Sphere, Deep Star Six und Sanctum seien hier nur als kleine Menge von unzähligen, besonders im B-Movie-Segment seit den 1980er-Jahren wieder und wieder aufkommenden Beispielen genannt. So ist auch William Eubanks „Underwater“ einer dieser Genrevertreter, die den Horror über Klaustrophobie und Isolation am Meeresgrund erzählen. Ästhetisch orientiert sich Eubank allerdings weniger an den großen Namen des Tiefsee-Horror-Genres wie James Cameron, Barry Levinson oder George Pan Cosmatos, sondern extrahiert den Retro-Look seines Films vielmehr aus dem Weltall, genauer gesagt: Ridley Scotts Alien. So gibt auch Kristen Stewart eine Art Millennial-Version von Sigourney Weavers Ellen Ripley. Die erinnert nicht allein aufgrund ihrer technischen Fähigkeiten und ihrer in Extremsituationen immer abrufbaren Toughness an die „Alien“-Protagonistin, sondern trägt auch eine Abwandlung ihres ikonischen grauen Overalls.

Es bleibt die permanente, unmittelbare Bedrohung

Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der anderen Weltraum- oder Tiefsee-Horrorfilme ist der eigentliche Auftrag der Kepler-Crew in „Underwater“ unsichtbare Schaufensterdekoration. Die tägliche Routine bleibt ebenso verborgen, wie die Arbeitsvorgänge, die ein Erdbeben und damit die Katastrophe, die zum Untergang führt, verursachen. Selbst die Geographie der Unterseestation bleibt eine unbekannte Größe und wird ohnehin mit dem ersten Wassertropfen weggespült. Es bleibt allein die permanente, unmittelbare Bedrohung. Eine Reduktion, mit der Eubank durchaus umzugehen weiß.

Allein der Überlebenswille der übrig gebliebenen Crew reicht dem Film als Antrieb, um die gefühlte Bedrohung über eine sich sehr lang hinziehende Spannungskurve aufrechtzuerhalten. So schlängeln sich die Überlebenden durch enge, teilweise mit Wasser gefüllte Korridore und finden über diverse Schleusen langsam den Weg Richtung Meeresboden. So zumindest verläuft der vom Captain (Vincent Cassel) geplante Fluchtweg, dessen Ziel ein verwaister Bohrungskern ist, der noch mit ein paar funktionsfähigen Rettungskapseln ausgestattet ist. In der Dunkelheit der Tiefsee tauscht Eubank dann endgültig die Klaustrophobie der stählernen Tunnel gegen den klassischen Unterwasser-Monster-Horror. Die Blutspur, die in den Tiefzonen des Meeres zurückbleibt, ist dabei deutlich dünner als bei diversen drastischeren Genre-Vertretern. Ein schwimmendes Gebiss ist einer der wenigen blutigen Schauwerte, mit denen „Underwater“ aufwartet.

Der einfache Aufbau hält den Film lange zusammen

Den eigentlichen Horror teilt Eubank präzise in klare Nahaufnahmen von Kristen Stewarts Gesicht und suchenden Scheinwerferlichter im trüben Meerwasser auf. Ein einfacher Aufbau, der den Film über weite Strecken durchaus zusammenhält. Doch mit der beständigen Weigerung, sich auf ein Leitmotiv einzulassen oder den nur angedeuteten Konflikt zwischen Industrie und Natur tatsächlich als Sujet zu behandeln, erweckt „Underwater“ dann doch unweigerlich den Eindruck einer Nummernrevue. Die ist, ähnlich wie der Wassertropfen zu Beginn des Films, schön anzusehen, aber kurz nach dem Moment des Aufpralls, so sehr der Film ihn in die Länge zu ziehen versucht, schon wieder vergessen.

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