Bad Boys for Life

Action | USA 2019 | 124 Minuten

Regie: Adil El Arbi

Gerade als sich bei einem bewährten Ermittlerteam des Miami Police Departements mit wenig zimperlichen Methoden erste Fragen nach dem Vorruhestand stellen, holt die beiden ein jahrzehntealter Fall ein. Da einer der Polizisten einst den Drahtzieher eines Kartells aus dem Verkehr zog, wird nun auch ihm nach dem Leben getrachtet. Der Rachefeldzug offenbart jedoch nicht nur Konflikte auf beruflicher Ebene. Mit altgedienten und frischen Charakteren bereicherte Fortführung einer erfolgreichen Action-Filmreihe, die sich um einen pointenreichen Mix aus Humor und Gewalt bemüht. In der Übersteigerung der Action schießt er allerdings manches Mal über das Ziel hinaus. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BAD BOYS FOR LIFE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Adil El Arbi · Bilall Fallah
Buch
Chris Bremner · Peter Craig · Joe Carnahan
Kamera
Robrecht Heyvaert
Musik
Lorne Balfe
Schnitt
Dan Lebental · Peter McNulty
Darsteller
Will Smith (Detective Lieutenant Michael "Mike" Lowrey) · Martin Lawrence (Inspector Marcus Burnett) · Vanessa Hudgens (Kelly) · Jacob Scipio (Armando Armas) · Kate del Castillo (Isabel Aretas)
Länge
124 Minuten
Kinostart
16.01.2020
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Komödie | Krimi

Fortführung einer erfolgreichen Action-Filmreihe, die sich um einen pointenreichen Mix aus Humor und Gewalt bemüht.

Diskussion

Was sich neckt, das liebt sich. Besonders unter der Polizeikollegen. Von daher steht außer Frage, dass das genüsslich zelebrierte Pulverisieren der Verkehrsregeln auf den Straßen von Miami eigentlich nichts mehr ist als ein weiterer Liebesbeweis zwischen Detective Mike Lowrey (Will Smith) und Detective Marcus Burnett (Martin Lawrence). Dabei könnte man meinen, dass es bei dieser rasanten „Verfolgungsjagd“, bei der sich Mike köstlich amüsiert und Marcus vehement protestiert, mindestens um Leben und Tod geht. Nichts da, es handelt sich einfach um die wohlgesetzte erste Pointe eines Films, der den Geist der guten alten Actionzeit der 1990er-Jahre beschwören und ins 21. Jahrhundert katapultieren will.

Der Vorspann von „Bad Boys for Life“ ist noch nicht über die Leinwand geflirrt, da ist der Ton bereits gesetzt, denn wer so wie hier nur zur anstehenden Geburt des Enkelkinds reist, der wird bei der Jagd auf Verbrecher auch nicht sonderlich zimperlich vorgehen. Es ist die Mischung aus Verwegenheit, Verschmitztheit und soziopathischem Wahnsinn, die Detective Lowrey das Attribut „kugelsicher“ gegeben hat. Denn immer ist er in der inzwischen schon 25-jährigen Karriere beim Miami Police Department wie durch ein Wunder mit einem blauen Auge davongekommen. Was nicht nur an seinem Schutzengel und seinem besten Freund und Weggefährten Burnett lag, sondern auch an seinem liebsten cholerischen Vorgesetzten Captain Conrad Howard (Joe Pantoliano). Auch so eine wunderbare Hassliebe zwischen Kollegen.

Neues Abenteuer statt Ruhestand

Während also alle normalen Cops nach solch einer Eskapade ihre Marke auf den Tisch des Captains gelegt hätten und in die Zelle gewandert wären, geht es für Mike und Marcus folgenlos in ein neues Abenteuer; franchisetechnisch gesehen ihr inzwischen drittes, nach 1995 und 2003. Alles beim Alten? Nicht wirklich, denn die Zeit macht bekanntlich nur vor dem Teufel halt. Jetzt wo der Enkel da ist und die Tochter bereits das Brautkleid ausgesucht hat, ist für den Besonneneren des Duos endlich der Zeitpunkt da, um an seine Pension zu denken: Einfach nur vor dem Fernseher sitzen oder mit der Familie die frisch gegrillten Steaks im Vorgarten verputzen. Kein Leben mehr riskieren. Traumhaft! Für Mike indes eine ganz schreckliche Vorstellung, denn der hat nicht nur Hummeln im Hintern und ist weiterhin Single (aus Zeitmangel), sondern er hat eine Vergangenheit, die ihn auf schmerzliche Weise einholt:

Ein uralter Fall mit dem mexikanischen Drogenkartell beschert ihm nun drei frische Kugeln im Körper. Doch während andere Beteiligte von damals kaltblütig hingerichtet wurden, überlebt Mike den Anschlag. Hinter dem Racheplan steht eine Frau, Isabel Aretas (Kate del Castillo). Einst die erste Liebe seines Lebens, die Mike schweren Herzens als maßgebliche Drahtzieren entlarvte und ins Gefängnis brachte. Nun ist sie wieder frei und hat mit Armando (Jacob Scipio) einen starken, eiskalten Sohn, der bereit ist, die Schmach seiner Mutter zu rächen.

Was unterscheidet die in den 1980er-Jahren gestartete Reihe Beverly Hills Cop vom in den 1990er-Jahren begründeten „Bad Boys“-Franchise? In ersterem durfte der schlagkräftige Comedian Eddie Murphy seine Bösewichter eher noch mit dem pointenreichen Stakkato seines Mundwerks richten, während Will Smith als Murphys legitimer Komiker-Nachfolger die Gangsterjagd nicht nur nach Miami holte, sondern zudem richtig brutal werden durfte. Auch Actionkomödien müssen eben mit der Zeit gehen. Klar also, dass die Bad Boys im neuen Jahrtausend ihren Spaß mit viel Blut erkaufen. Das passiert nicht ganz so heftig wie noch 2003, aber schon so, dass es für ein jugendliches Publikum – Komödie hin oder her – nicht mehr geht.

Jung-dynamische Unterstützung

Produzent und Mastermind Jerry Bruckheimer hat aber nicht nur an jung gebliebene Action-Nostalgiker gedacht, sondern auch an die 18-Jährigen im Zielpublikum, die bei Popcorn und Kinospaß nicht unbedingt schon an Rente denken wollen. Daher hat die Polizei den Bad Boys ein jung-dynamisches Hightech-Ermittler-Team zur Seite gestellt, dass auch aus „CSI-Miami“ ausgeliehen sein könnte. Geleitet wird es von der handfesten Schönheit Rita (Paola Núñez); einem Sidekick, dem man allzu sehr anmerkt, der Drehbuchdirektive geschuldet zu sein, irgendwann dann doch auch mal für eine potenzielle Freundin für Mike Lowrey zu sorgen. Cool, erfrischender, und für Teil drei befreiender ist da schon eher das Teammitglied Dorn, ein mit dem kanadischen Hünen Alexander Ludwig völlig genreuntypisch besetzter Computer-Nerd, der als Sympathieträger fast sogar den Bad Boys die Show stehlt.

Auch auf Seiten des Bösen gelingt den Produzenten ein charismatischer Neuzugang. Dem Rookie Jacob Scipio gelingt ein famoser Einstieg als mexikanische Killermaschine Armando. Ihm wird so viel charakterliche und genealogische Tiefe zugestanden, dass nicht erst mit dem Abspann klar ist, dass er auch in weiteren „Bad Boys“-Folgen eine tragende Rolle spielen wird.

Nahezu superheldenhafte Züge

„Bad Boys for Life“ ist weitgehend sinnfrei und dichtet (als einziges wirkliches Manko innerhalb des Genregefüges) seinen Akteuren schon nahezu superheldenhafte Züge an. Letzteres ist besonders darum tragisch, weil damit die Brutalität als notwendiges Korrektiv zum übersteigerten Humor in einer Actionkomödie nicht mehr wirklich wehtut.

Ansonsten gehört der Film zu den besseren Versuchen, ein totgeglaubtes Franchise wiederzubeleben. Er hat Herz, Sentiment, eine Menge Action und ist – nicht nur dank der vielen „alten Leute“ im Cast – kein „Kinderkram“.

Für die Zukunft wird sich indes die Frage stellen, ob man es sich wirklich leisten wird, Martin Lawrence alias Detective Burnett aufs Altenteil zu schicken. Denn als „Maskottchen“ und guten Geist kann der Reihe kann und will man sich die Bad Boys ohne ihn nicht vorstellen.

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