Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Abenteuer | USA 2019 | Minuten

Regie: Stephen Gaghan

Der einstmals berühmte Tierarzt John Dolittle, der etliche Tiersprachen beherrscht, hat sich nach dem Verlust seiner Frau vor der Welt zurückgezogen. Als die ihm Asyl gewährende Königin Victoria schwer erkrankt, muss der Doktor jedoch in Begleitung eines jungen Bewunderers und einer Tiercrew zu einer Seereise ans andere Ende der Welt aufbrechen, um ein Heilmittel zu finden. Eine Neuverfilmung der berühmten Kinderbücher mit vielen Abenteuern, Gags und liebenswerten Tieren, der es aber nicht gelingt, die Fülle ihrer Figuren und Motive in den Griff zu bekommen. Die Charaktere des atemlos wirkenden Films bleiben blass, während sich die Inszenierung zusehends mit Oberflächenreizen zufriedengibt. - Ab 8.

Filmdaten

Originaltitel
THE VOYAGE OF DOCTOR DOLITTLE | DOLITTLE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Stephen Gaghan
Buch
Stephen Gaghan · Dan Gregor · Doug Mand
Kamera
Guillermo Navarro
Musik
Danny Elfman
Schnitt
Craig Alpert
Darsteller
Robert Downey jr. (Dr. John Dolittle) · Harry Collett (Tommy Stubbins) · Antonio Banderas (König Rassouli) · Michael Sheen (Dr. Blair Müdfly) · Jessie Buckley (Queen Victoria)
Länge
Minuten
Kinostart
30.01.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 8.
Genre
Abenteuer | Fantasy | Komödie

Neuverfilmung der berühmten Kinderbücher um den englischen Tierarzt, der mit seinen Patienten in deren Sprachen kommuniziert, als bunter Abenteuerfilm mit Robert Downey jr., vielen Gags und liebenswerten Tieren.

Diskussion

Es kam 1967 schon einer veritablen Sensation gleich, dass das Musical Doctor Dolittle mit seinen 9 Millionen Dollar Produktionskosten nicht nur weit über dem Budget endete, sondern auch über 1200 lebende Tiere als (tragende) Akteure präsentierte, mit denen Hauptdarsteller Rex Harrison sprach und sang und durch die Welt reiste.

2020 ist der Fokus dessen, was „normal“ und „sensationell“ ist, ein wenig verschoben. Heute kostet ein „Dolittle“ schon mal 175 Millionen, ohne dass ein Lied gesungen und ein echtes Tier mitgespielt hat.

Der Doktor (Robert Downey jr.) hat die Nase voll. Nach dem tragischen Verschwinden der Liebe seines Lebens will er keinen mehr sehen und lebt in der Abgeschiedenheit der Gärten von Queen Victoria ein Leben mit seinen besten Freunden, zu denen ein Gorilla, ein Papagei, ein Hund, diverse Nager, eine Stabheuschrecke und ein Eisbär zählen, aber kein Zweibeiner, der sich bei der Bezeichnung Menschenkind angesprochen fühlt.

Erst das Eichhörnchen, dann die Königin

Doch die Zeiten der Beschaulichkeit haben jäh ein Ende, als binnen Minuten gleich zwei Ruhstörern das Überwinden der hohen Mauern seines verwunschenen Anwesens gelingt. Der eine – ein schüchterner Junge namens Tommy Stubbins (Harry Collett) – hat (irrtümlich) ein armes Eichhörnchen angeschossen und hofft nun auf die heilenden Hände des einstmals famosen Tierarztes. Die andere – Lady Rose (Carmel Laniado) – ist kaum älter, dafür forscher und kommt quasi von Amts wegen. Die Königin ist krank und ruft ihrerseits nach dem Doktor. Während das Eichhörnchen den Mediziner erstmals seit langem zum Heilen bewegt, schindet Lady Rose – trotz Königinnendekret – wenig Eindruck. Doch sie hat zumindest ein schlagendes Argument: Stirbt die Königin, erlischt auch der Pachtvertrag und alle Tiere müssen raus – und das zur Jagdsaison!

Bereits dieses „Entrée“ in „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ hat etwas verschroben Sympathisches. Nicht nur der als Trickfilm konzipierte Prolog, in der kurz in die Historie des umtriebigen, die Sprachen der Tiere sprechenden Wissenschaftlers geblickt wird, macht Lust auf die Geschichte. Auch die Einführung der Charaktere – nicht zuletzt der wunderbar gestalteten Tiere – verspricht ein wahres Kinovergnügen.

Doch ist das Abenteuer zum Greifen nah, beginnt sogleich die Ernüchterung. Denn worum geht es eigentlich in Stephen Gaghans Film? Um einen Doktor, der seiner großen, totgeglaubten Liebe nachreist? Um einen Doktor, der die Königin retten und dazu einen geheimnisvollen Baum finden muss? Um einen Doktor, der sein Tierasyl retten will? Um einen schüchternen Jungen, der in die Fußstapfen des großen Tierverstehers treten möchte? Oder um einen Bösewicht am Hofe, der bereit ist, für seine Allmachtsphantasien über Leichen zu gehen?

100 Minuten bunte Eindrücke

Viel Stoff haben sich die drei Drehbuchautoren hier für 100 Minuten Film aufgehalst. Vielen Charakteren müssen sie Raum geben. Und ganz nebenbei auch noch einen Kinderfilm präsentieren, mit vielen Witzeleien, viel Tamtam, viel Abenteuer und vielen bunten Eindrücken.

Ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest merkt man dem Film schnell die Atemlosigkeit und die Verkrampftheit an, es allen rechtmachen zu müssen, aber nicht zu können. Alle menschlichen Protagonisten bleiben zu blass und zu oberflächlich, um mit ihnen mitfiebern zu wollen. Einige fallen gleich ganz durchs dramaturgische Raster. Besonders schmerzlich dürfte das an zwei Stellen auch der avisierten jungen Zielgruppe auffallen. Warum nimmt der Film seine junge, so vielversprechend eingeführte Protagonistin Lady Rose nicht mit auf die große Reise und degradiert sie zur Randfigur, die nur am Ende noch einmal kurz zu sehen ist? Und warum bleibt das Verschwinden von Dolittles Frau bis zum Schluss im Diffusen? Das Musical von 1967 hatte sich für seine (ganz andere) Reise noch zweieinhalb Stunden Zeit gelassen. Sicherlich viel zu viel für einen Kinderfilm, aber man ahnt nun 2020 förmlich, wie sehr die Beteiligten gekämpft haben, um dies und das zu kürzen, damit das Ganze in annehmbarer Länge erscheint; ohne Rücksicht darauf, wie sehr die Übergänge auch holpern.

Jene Zielgruppe, die sich an kleinen Preziosen erfreut, den einzelnen Gag zu schätzen weiß oder sich an den sämtlich aus dem Computer stammenden Tierwesen erfreuen kann, wird sich dennoch vergnügen. Wer sich indes auf eine meisterlich-schrullige Performance von Robert Downey jr. in der Titelrolle gefreut hat, der wird von einem wenig vorteilhaft in Szene gesetzten Superstar überrascht. Allenfalls Michael Sheen und Jim Broadbent gelingen als genüsslich verschlagene Hofbösewichter eindrückliche Auftritte. Aber auch jene müssen viel zu schnell jenem weichen, was in Hollywood so häufig als kindgerecht (miss)verstanden wird: unbeschwerte Oberflächenreize.

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