Die Heinzels - Rückkehr der Heinzelmännchen

Abenteuer | Deutschland 2019 | 78 Minuten

Regie: Ute von Münchow-Pohl

Ein tolpatschiges, aber sehr hilfsbereites Mädchen aus dem fleißigen Heinzelmännchen-Volk dringt mit zwei Freunden von ihrem unterirdischen Zuhause zur Menschenwelt vor. In einem vor dem Bankrott stehenden Konditor findet es ein geeignetes Ziel seiner Hilfsbemühungen, doch richten die drei Heinzelmännchen zunächst einmal viel Chaos in der Backstube an. Technisch aufwändiger Animationsfilm um die bekannten Fabelwesen, der Niedliches, Originelles und Spaßiges mit einer für Kleinkinder leicht konsumierbaren Story zusammenmischt. Nebenbei stimmt der Fantasy-Fabel-Spaß auch ein Loblied auf das gute alte Handwerk an. - Ab 6.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Ute von Münchow-Pohl
Buch
Jan Strathmann
Musik
Alex Komlew
Schnitt
Erik Stappenbeck · Ute von Münchow-Pohl
Länge
78 Minuten
Kinostart
30.01.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 6.
Genre
Abenteuer | Animation | Familienfilm | Komödie

Technisch aufwändiger Animationsfilm um die bekannten Fabelwesen mit einem tolpatschigen, aber hilfsbereiten Heinzelmädchen als Hauptfigur, die einen Konditor vor dem Bankrott retten will.

Diskussion

In Köln kennt sie jedes Kind, die Sage von den fleißigen Heinzelmännchen, die mit ihren Knubbelnasen und überdimensionalen Zipfelmützen wie eine Kreuzung aus Troll, Kobold und Gartenzwerg aussehen. Eine Straße ist nach ihnen benannt, der Weihnachtsmarkt heißt „Heinzels Wintermärchen“ und in der Nähe des Doms steht seit 120 Jahren der Heinzelmännchenbrunnen. Populär wurden die kleinen Helferlein vor allem durch die Ballade des Malers und Dichters August Kopisch aus dem Jahr 1836.

Nun hat sich knapp 65 Jahre nach Erich Koblers real verfilmter Leinwandversion Die Heinzelmännchen die Regisseurin Ute von Münchow-Pohl an eine Adaption der Abenteuer um die putzigen Fabelwesen gewagt. Dabei behielt die arrivierte Animationskinderfilm-Regisseurin, die schon 1991 an der internationalen Großproduktion Feivel, der Mauswanderer im Wilden Westen mitwirkte und mit den ersten beiden „Der kleine Rabe Socke“-Filmen ihre größten Erfolge feierte, das altertümliche Aussehen der Heinzelmännchen bei, setzt so also auf generationenübergreifenden Wiedererkennungswert. Den aktuellen Gepflogenheiten angepasst hat sie dagegen die Dialoge, die frech-modern gestaltet sind, und die Geschichte, die ebenfalls auf der Höhe der Zeit angesiedelt ist.

Chaotisches Heinzelmädchen in der Menschenwelt

Im Zentrum der Handlung von „Die Heinzels – Rückkehr der Heinzelmännchen“ steht denn auch ein Heinzelmädchen namens Helvi. Eine vorlaute, unangepasste, aber herzensgute Göre, die – ähnlich wie der Rabe Socke – oftmals unfreiwillig jede Menge Chaos verbreitet. Eines Tages beschließt Helvi zusammen mit den Buben Butz und Kipp ihr unterirdisches Zuhause zu verlassen, um „über Tage“ die Menschenwelt zu entdecken. Dabei stößt das Trio auf den mürrischen alten Konditor Theo, der einst ein Großmeister des süßen Gebäcks war, heute aber vor dem Bankrott steht, weil ihm ausgerechnet sein eigener Bruder Bruno mit industriell gefertigter Massenware das Geschäft verdirbt. Für Helvi zum einen eine gute Gelegenheit, um ihr angeborenes Helfer-Syndrom auszuleben, zum anderen erhält sie dadurch die Möglichkeit, ein Handwerk zu erlernen, die Bedingung, um ein richtiges, ehrbares Heinzelmädchen zu werden.

Münchow-Pohl spielt hier alle Trümpfe aus, die ihr der Culture Clash zwischen Kobold-Universum und Menschenwelt bietet, inhaltlich, aber auch visuell, wenn die altmodischen Zwerge mit ihren spitzen Filzmützen auf das fotorealistisch gestaltete Leben auf der Erde treffen. Während die Farben Rot und Grün dominieren, erinnern die Protagonisten in ihrer Physiognomie ein wenig an die Knetfiguren aus Nick Parks „Wallace & Gromit“-Meisterwerken, was den Figuren auch ein Höchstmaß an Dreidimensionalität verleiht. Um ihr Zielpublikum aus Kindern im Vorschulalter bei Laune zu halten, arbeitet die Regisseurin klassische Slapstick-Nummern wie eine Tortenschlacht oder einen bedauernswerten Hund, der ständig auf die Schnauze fällt, mit ein.

Originelle Einschübe und eigene Sprache

Gleichzeitig überrascht sie mit originellen Einschüben wie dem Popo-Piekser-Trick, bei dem Helvis an der Mütze befestigte Sicherheitsnadel zum Einsatz kommt, oder einer aus allerlei Spielzeug gefertigten Back-Straße, mit deren Hilfe die Heinzelmännchen unzählige süße Leckereien kreieren. Bemerkenswert auch die eigene Sprache, die von verniedlichten Beschimpfungen wie „Stinkstiefelchen“ bis zu „falschen“ Steigerungsformen wie „noch lächliger“ oder noch „linksiger“ reichen. Transportiert wird diese sowohl durch Profi-Synchronsprecher wie Detlef Bierstedt als Theo und Schauspielstars wie Jella Haase als Helvi als auch durch Kölner Unikate wie Elke Heidenreich, die ihre prägnante Stimme der gestrengen Ober-Heinzel-Frau Vendla leiht.

Weil „Die Heinzels“ darüber hinaus auch ein Loblied auf das gute alte Handwerk, das Haptisch-Analoge singen sowie Profitgier und Kommerzialisierung den Kampf ansagen, wird auch älteren Zuschauern ein kleiner Mehrwert geboten, während sich die Kleinen an den niedlichen Charakteren, viel Humor und altersgerechten Spannungsmomenten erfreuen können.

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