Bliss (2019)

Horror | USA 2019 | 80 Minuten

Regie: Joe Begos

In einer tiefen Kreativitätskrise greift eine in Los Angeles lebende Malerin zu einer Designerdroge. Diese beendet zwar die Blockade, zur neuen Kreativität gesellen sich aber auch Paranoia und Vampirismus. Ein billig produzierter und auf 16mm gedrehter Splatterfilm, der mit drastischen Bildern von den psychotischen Abgründen kreativer Krisen, Taumel und Drogenwahn erzählt. Interessanter als die triphafte Dramaturgie erscheint dabei der Einblick in dunkle, schäbige Ecken von Los Angeles, wie sie im Kino kaum je zu sehen sind.

Filmdaten

Originaltitel
BLISS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Joe Begos
Buch
Joe Begos
Kamera
Mike Testin
Musik
Steve Moore
Schnitt
Josh Ethier
Darsteller
Dora Madison (Dezzy) · Tru Collins (Courtney) · Rhys Wakefield (Ronnie) · Jeremy Gardner (Clive) · Graham Skipper (Hadrian)
Länge
80 Minuten
Kinostart
20.02.2020
Genre
Horror | Mystery-Film | Splatterfilm

Die Krise und mit Hilfe einer Designerdroge überstandene Blockade einer Malerin als Ausgangspunkt eines drastischen Splatterfilms, der in die schäbigen Ecken von Los Angeles führt.

Diskussion

Im Splatter und Gore rückt Blut in die Nähe von Malerei – und speziell zum Abstrakten Expressionismus (ein Maler wie Jackson Pollock kam nicht von ungefähr zu dem fragwürdigen Titel „Jack the Dripper“). Das Genre macht von dieser Nähe ausgiebig Gebrauch – so etwa in Herschell Gordon Lewis’ Splatterklassiker „Color Me Blood Red“ (1965), in dem ein psychotischer Maler im Blut seiner Opfer seine Lieblingsfarbe findet.

Auch in Joe Begos billig gedrehtem Gorefilm „Bliss“ steht eine Künstlerfigur im Zentrum: die in Los Angeles an der Grenze zum Prekariat lebende Malerin Dezzy Donahue. Ursprung ihrer monströsen Kräfte und psychotischen Energien ist jedoch kein eigentlich mörderischer Impuls, sondern eine waschechte Kreativitätskrise. Ein in Auftrag gegebenes Bild will sich einfach nicht weitermalen lassen, die Galeristin droht, die bevorstehende Ausstellung abzusagen, mit der Miete ist sie im Rückstand. Als ihr Agent dann auch noch die Zusammenarbeit aufkündigt, stürzt sich Dezzy mit Hilfe von Bliss, einer Designerdroge, in eine exzessive und sexuell entfesselte Partynacht. „Etwas kam über mich und dann strömte es aus mir heraus, als sei ich besessen.“ Mehr als belebt kehrt Dezzy ins Atelier zurück und schon bald wächst aus der abstrakten Fläche ein unheimliches Gebilde von Menschen, die ihre Arme in die Luft recken. Das Motiv schwankt zwischen ekstatischer Masse und Leichenberg.

Nebenwirkungen: Paranoia und Blutdurst

Zur Kreativität gesellen sich aber auch Paranoia und ein vampiristischer Blutdurst. Während das „Meisterwerk“ immer mehr Gestalt annimmt, werden einige Gurgeln durchbissen, Finger abgeknabbert und Arme und Beine vom Körper gefetzt. Filmsprachlich bewegt sich Begos in der Nähe zu Gaspar Noés Drogentrip-Film Climax. Alles ist Taumel, Wahnsinn und Kontrollverlust, die Bilder vibrieren. Doch während „Climax“ elegant und stylish ist bis zur Überformung, kultiviert „Bliss“ das Schäbige und mit geringen Mitteln Zusammengeworfene. Die Handkamera ist rumpelig geführt, es gibt gekippte Perspektiven, Überblendungen, viel pinkfarbenes und blaues Neonlicht, die Effekte sind „handmade“ und ohne CGI, gedreht wurde auf 16mm.

Trotz der schönen Haptik und der liebevoll fabrizierten Sauereien mag sich ein richtiger Sog aber nicht entfalten. Was „Bliss“ mehr auszeichnet als seine triphafte Dramaturgie, ist hingegen das Porträt eines Los Angeles, wie es im Kino nur selten zu sehen ist. Anstatt die offenen horizontalen Räume der Stadt zu zelebrieren und die atmosphärischen Potentiale der Westküste zu aktivieren, taucht der Film ein in das grungige Punkrock-L.A. der dunklen, schmuddeligen Bars mit ihren von Aufklebern und Postern zugepflasterten Wänden und dreckigen Toiletten. Auch Dezzys Malerei gehört eher in den Tattooshop als in die Galerie. Am Ende wächst aus dem Menschenberg der Körper eines Selbstporträts mit Heiligenschein. Das eigentlich interessante Bild befindet sich aber auf dem blutdurchtränkten Fußboden.

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