Drama | Italien 2018 | 115 Minuten

Regie: Valeria Golino

Zwei höchst ungleiche Brüder, ein reicher schwuler Unternehmer und ein verschlossener Lehrer, sind allein durch ein paar intensive Kindheitserfahrungen verbunden. Als der Ältere und weniger Betuchte an einem Gehirntumor erkrankt, holt ihn sein Bruder zu sich nach Rom, wo beide über die gegenseitige Annäherung zu einem Selbsterkenntnisprozess gelangen. Klischeebeladenes Drama mit unglaubwürdigen Figuren, deren Lebensumstände und Wandel reine Behauptung bleiben. Der angedeutete Klassenkonflikt versinkt ebenso in dem konfusen Drehbuch wie der Rest des Films. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
EUFORIA
Produktionsland
Italien
Produktionsjahr
2018
Regie
Valeria Golino
Buch
Francesca Marciano · Valia Santella · Valeria Golino
Kamera
Gergely Pohárnok
Musik
Nicola Tescari
Schnitt
Giogiò Franchini
Darsteller
Riccardo Scamarcio (Matteo) · Valerio Mastandrea (Ettore) · Isabella Ferrari (Michela) · Valentina Cervi (Tatiana) · Jasmine Trinca (Elena)
Länge
115 Minuten
Kinostart
20.02.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama

Italienisches Drama um zwei höchst unterschiedliche Brüder, die durch die Erkrankung des Älteren wieder zu einer Annäherung gelangen.

Diskussion

„Et si tu n’existais pas“ singt Joe Dassin noch aus dem Schwarzbild heraus: Wenn es dich nicht gäbe, so sag, wozu sollte es mich geben? Anders als in dem Chanson sind die beiden Figuren, um deren wechselseitige Beziehung es in „Euforia“ geht, kein Liebespaar, sondern zwei Brüder. Matteo ist ein schöner schwuler Unternehmer, der Sex, ausschweifende Partys und teure Dinge liebt und der Welt und den Menschen trotz seines ausgeprägten Narzissmus mit einer stets umarmenden Geste begegnet.

Der ältere Ettore könnte unterschiedlicher kaum sein. Er ist ein verschlossener, etwas sarkastischer Typ, der in der kleinen Provinzstadt, in der beide groß wurden, als Lehrer arbeitet und gerade seine Ehe an die Wand gefahren hat. Als er an einem Gehirntumor erkrankt, holt ihn Matteo zu sich nach Rom und managt in Unternehmermanier die ärztliche Behandlung, Ettore aber lässt er in dem Glauben, an einer harmlosen Zyste erkrankt zu sein.

Aufgedrehte Leute, Schönheits-OPs, Smoothies

Die Regisseurin und Schauspielerin Valeria Golino reiht in ihrem zweiten Film unplausible Situationen an unplausible Situationen – und das mit unglaubwürdigen Figuren. Matteo ist das Klischee eines schwulen Hedonisten. Ständig hängen irgendwelche aufgedrehten Leute in seinem schicken Penthouse herum, ein Freund, der ihn liebt, lebt so halb dort und reicht ihm morgens die Prada-Hemden aus dem begehbaren Kleiderschrank, das Koks liegt auf dem Couchtisch, der Papagei hört auf den Namen Hermès. Außerdem unterzieht Matteo sich einer Schönheits-OP und trinkt Smoothies. Seine Profession ist rätselhaft. Heute leitet er einen Deal über die Restaurierung eines Marienbildes durch einen japanischen Kosmetikkonzern in die Wege, morgen initiiert er ein Flüchtlingsprojekt in Afrika. Wirklich arbeiten sieht man ihn nicht.

Anfangs haben sich die Brüder rein gar nichts zu sagen. Matteos Versuche, an gemeinsame Kindheitserfahrungen anzuknüpfen, prallen an Ettore ab wie an einer Felswand. Auch die zur Schau gestellten Großzügigkeiten des Bruders möchte er nicht annehmen. Irgendwann lässt er sich dann aber doch von seinem Chauffeur zur Bestrahlung fahren und kauft sich mit seiner Kreditkarte eine Uhr von Cartier. Der angerissene Klassenkonflikt aber versinkt wie so vieles andere im heillosen Durcheinander des Films.

Zum Wallfahrtsort ans Meer

Um der Realität nicht ins Gesicht sehen zu müssen, denkt Matteo sich alles Mögliche aus. Er schleppt Ettore in den in Bosnien gelegenen Wallfahrtsort Međugorje, bestellt die Frau, die er liebt, her und fährt mit den beiden ans Meer. Am Ende muss er lernen, dass er den Lauf des Lebens nicht unter Kontrolle hat. Den Weg seiner Selbsterkenntnis nur halbwegs mitzugehen, fällt schwer.

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