Action | USA 2019 | 114 Minuten

Regie: Guy Ritchie

Ein Londoner Drogenbaron will sich zur Ruhe setzen und hält nach einem geeigneten Käufer für sein Marihuana-Imperium Ausschau. Die Vielzahl der Bewerber setzt allerdings einen Kreislauf aus Bestechung, Erpressung und anderen Tricks in Gang, der zu zahlreichen Verletzungen, Verstümmelungen und Toten führt. Eine brachiale und mit aggressivem Humor aufgeladene Gangsterklamotte, der jedes Gefühl für Rhythmus und Visualität abgeht. Gewaltsequenzen und Dialoge kokettieren mit Anzüglichkeiten und Tabubrüchen, die unreflektiert ans Publikum weitergegeben werden.

Filmdaten

Originaltitel
THE GENTLEMEN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Guy Ritchie
Buch
Guy Ritchie
Kamera
Alan Stewart
Musik
Christopher Benstead
Schnitt
James Herbert
Darsteller
Matthew McConaughey (Mickey Pearson) · Charlie Hunnam (Ray) · Michelle Dockery (Rosalind Pearson) · Jeremy Strong (Matthew) · Lyne Renée (Jackie)
Länge
114 Minuten
Kinostart
27.02.2020
Fsk
ab 16; f
Genre
Action | Krimi

Brutale Gangsterklamotte über den Rückzug eines Londoner Drogenbarons, der einen Nachfolger für sein Imperium sucht.

Diskussion

„Join me in the cinematic journey“, wirbt der schmierige Ermittler Fletcher, als er der rechten Hand des Londoner Drogenbarons Mickey Pearson sein gesammeltes Beweismaterial in „Drehbuchform“ präsentiert. Fortan entfaltet sich die Geschichte von Mickey Pearson als filmische Erzählung mit alternativen Versionen und (noch) offenem Ende, Fletcher fungiert darin als Off-Erzähler. Nach einer kurzen Vorgeschichte, die den Aufstieg des US-Amerikaners in die britische Upperclass rekapituliert – in der ersten Szene des Films betritt er im feinsten Tweed ein Pub und bestellt ein Pint und ein „pickled egg“–, geht es kreuz und quer und drunter und drüber. Hier ein selbstreflexiver Twist, da ein bisschen Genrekino und obendrauf ein bisschen Klamotte.

Kurz gesagt ist „The Gentlemen“ die Geschichte eines verunmöglichten Ruhestands. Denn als Pearson (Matthew McConaughey in einer ungewöhnlich schlaffen Performance) sich aus dem Geschäft zurückziehen will und nach einem geeigneten Käufer für seine gut versteckten Hanf-Plantagen sucht, erweist sich sein Vorhaben als schwieriger als gedacht. Verschiedene Anwärter werden vorstellig und intrigieren und tricksen, andere wie der besagte Fletcher wollen ein Stück vom Kuchen haben und greifen zu erpresserischen Mitteln.

Tote, Vermöbelte und Verstümmelte

Es gibt Tote, Vermöbelte und Verstümmelte. Einer fällt vom Dach, ein anderer muss zur Strafe einen Geldtransfer in einem Kühlwagen absolvieren und sich ein pfundschweres Stück Fleisch vom eigenen Körper abschneiden lassen, wieder ein anderer wird unter Drogen dazu gebracht, mit einem Schwein zu kopulieren. Zwischendrin wird auch noch ein heroinsüchtiges Mädchen befreit, um kurz danach vor der elterlichen Villa tot zusammenzubrechen.

Was auf dem Papier vielleicht noch nach Erzählfülle und Ideenreichtum klingen mag, gerät unter der Regie von Guy Ritchie zu einem so uninspirierten wie unansehnlichen Kuddelmuddel. „The Gentlemen“ hat weder Rhythmus noch ein Gespür für Visualität. Das allein wäre nicht gar so schlimm, würde sich Ritchie nicht mittels seiner sich besonders gewieft gebenden Figuren ständig auf die eigene Schulter klopfen.

Lässiger Rassismus und Homophobie

Die Dialoge sind auf die „feine englische Art“ gedrechselt und mit Anzüglichkeiten aufgepimpt, dazu gesellen sich rassistische und homophobe Sprüche, die besonders locker und lässig daherkommen wollen – ein Mann wird nur „The Jew“ genannt, der asiatische Name Phuc führt zum unvermeidlichen „Fuck“, die Beleidigung „black cunt“ ist Auslöser für eine Pseudo-Diskussion über verletzende Sprache etc. Als sogenannte Rollenprosa lassen sich die sprachlichen Tabubrüche jedoch kaum verbuchen, „The Gentlemen“ spricht in jedem Moment so ausgestellt an das Publikum, dass es kracht. Ein hässliches Getöse.

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