Kingdom (2019, Japan)

Action | Japan 2019 | 128 Minuten

Regie: Shinsuke Sato

Ein im alten China angesiedeltes japanisches Historienspektakel rund um einen jungen Sklaven, der vom Krieger-Dasein träumt und dem wahren König hilft, das in sieben Teile zersplitterte und chronisch Krieg führende chinesische Reich zu einen: Nachdem der junge, weise Herrscher von seinem verbrecherischen Halbbruder gestürzt wurde, ist er auf die Unterstützung von Getreuen aus dem Volk angewiesen, um den korrupten Usurpator zu schlagen. Der ehemalige Sklave setzt alles daran, um der gerechten Sache zu dienen und damit zugleich seinen gefallenen besten Freund zu rächen. Ein bildgewaltiges Epos, das mit stimmig choerografierten Kampfszenen und üppiger Ausstattung ebenso überzeugt wie mit sorgfältig aufgebauten Figuren, die die Anteilnahme der Zuschauer durch die Wirren des kriegerischen Spektakels hinweg aufrecht erhalten. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
KINGUDAMU
Produktionsland
Japan
Produktionsjahr
2019
Regie
Shinsuke Sato
Buch
Tsutomu Kuroiwa · Shinsuke Sato
Kamera
Taro Kawazu
Musik
Yutaka Yamada
Schnitt
Tsuyoshi Imai
Darsteller
Kento Yamazaki (Li Xin) · Ryô Yoshizawa (Yin Zheng / Piao) · Masami Nagasawa (Yang Duan He) · Kanna Hashimoto (He Liao Diao) · Kanata Hongô (Cheng Jiao)
Länge
128 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Historienfilm | Kriegsfilm

Heimkino

Verleih DVD
Capelight/Al!ve
Verleih Blu-ray
Capelight/Al!ve
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Ein im alten China angesiedeltes japanisches Historienspektakel rund um einen jungen Sklaven, der vom Kriegerdasein träumt und dem rechtmäßigen König hilft, das in sieben Teile zersplitterte Reich zu einen.

Diskussion

Eines Tages einmal so zu sein wie der legendäre Wang Qi und als größter Feldherr aller Zeiten mit Würde und von Freund wie Feind geachtet durch ein geeintes China reiten; oder zumindest einem starken Gegner mal eine richtige Abreibung verpassen – das sind die verwegenen Träume von Li Xin und Piao. Ziemlich weltfern für Freunde, die seit Kindertagen als Sklaven eines mürrischen Bauern auf den Feldern schuften.

Aber wann immer sie Zeit haben, bereiten Sie sich im Wald stoisch, unbeirrbar und mit erstaunlicher Kondition, plus diverser selbstgeschnitzter Holzschwerter, auf ihr Projekt vor. Ein Projekt, das wohl für immer illusionär bliebe, stünde nicht eines Tages mit Chang Wen Jun ein Respekt einflößender Gesandter des Königs Yin Zheng vor den Toren der kleinen Farm. Von einem Tag auf den anderen findet sich der drahtige Piao in der Garde des Königs wieder, während daheim der nicht minder hyperaktive Li Xin einsam und frustriert weiterhin sein glanzloses Dasein in der Vergessenheit fristet.

Das "Proletariat" solidarisiert sich mit dem wahren König gegen den Despoten

Doch auch für Li Xin wird sich unvermittelt das Schicksal wenden, als nach Wochen plötzlich sein todgeweihter Freund Blut überströmt in seiner Kammer liegt und ihm mit letzter Kraft einen Auftrag erteilt, der ihn direkt ins Versteck des exilierten Königs verschlägt. Der ist nämlich auf der Flucht, weil sein Halbbruder die Macht an sich reißen will. Samt Hofstaat und Generälen geht der Despot dabei über Leichen.

Die Fronten sind in Shinsuke Satos Historienspektakel zügig gesteckt: Der alte junge König ist edel und gut, hat aber das „Problem“, dass seine Mutter nicht adeligen Blutes ist. Sein nachgeborener Halbbruder ist verschlagen und versnobt und sieht sich als „Reinrassiger“ an der Spitze der Herrscherdynastie, was er mit Söldnern und korrupten Beamten durchzusetzen gedenkt – bis ihm das aufsteigende „Proletariat“ einen Strich durch die Rechnung macht.

Weniger heroisches Pathos als augenzwinkerndes Abenteuer 

Li Xins fast schon berserkerhafter Kampfeswille sowie sein Begehr, den Tod seines besten Freundes zu rächen, rafft manchen scheinbar unbesiegbaren Gegner danieder. Das klingt ein wenig nach Superheldenfilm, ist aber nichts weiter als das filmische Postulat, dass das Glück nicht den Privilegierten, sondern dem Tüchtigen gehört. Schließlich ist auch der mythische Feldherr Wang Qi nur oberflächlich gesehen eine (ziemlich arrogant wirkende) Göttergestalt, glaubt tatsächlich auch er an den Lebensentwurf von Freiheit und Brüderlichkeit und ist Li Xin nicht feindlich gesinnt.

Dieses groß angelegte, schön anzuschauende chinesische Historienspektakel ist bemerkenswerterweise japanischer Provenienz. Von daher rührt vielleicht auch der Tonfall des Films, der die Bestrebungen der Protagonisten um Sklave Li Xin und König Yin Zheng, ein in sieben Teile zersplittertes und chronisch Krieg führendes Reich zu einen, weniger mit heiligem Ernst und Pathos, sondern als augenzwinkerndes Abenteuer erzählt. Ein bisschen lugt hier sogar Sparta um die Ecke, wenn sich eine kleine Minderheit gegen die eklatante Übermacht des selbstinthronisierten Herrschers durch die diversen Palast-Etagen kämpft. Hierzu brauchen der Rebell Li Xin und sein weiser, aber noch machtloser König nicht nur Kampfeswillen, sondern dann doch auch loyale Verbündete. Die müssen sie sich ausgerechnet bei den einst so schändlich gedemütigten Bergvölkern um Königin Yang Duan He finden. Das ist alles andere als einfach und birgt weitere Scharmützel in Wort und Tat, aber auch Raum für Zuneigung.

Eine illustre Truppe sympathischer Charaktere

Kein Wunder, dass „Kingdom“ mit diesem Subplot auf deutlich mehr als zwei Stunden Erzählzeit kommt. Langweilig wird dieses Spektakel dabei jedoch mitnichten, denn die stetig anwachsende Zahl der „Gefährten“ offenbart eine ziemlich illustre Truppe sympathischer Charaktere, denen dankenswerterweise genug Zeit gegeben wird, sich zu entwickeln. So ist der finale Kampf um die Freiheit nicht nur ein (abstrakt) politischer und einer der virtuosen Kampfchoreografien, sondern auch einer mit starken Protagonisten, um deren Überleben wahrlich mitgefiebert werde kann.

„Kingdom“ ist damit nicht nur ein Fest für die Augen mit einigen Anleihen an westlicher Mythenkultur, sondern auch klug gebautes Erzählkino. So kann ein aus Japan stammender Traum vom befriedeten Großreich China auch im Westen ein Hurra bekommen – vor allem, wenn sich am Ende die richtigen in den Armen liegen.

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