Ip Man 4: The Finale

Action | China/Hongkong 2019 | 105 Minuten

Regie: Wilson Yip

Der schwerkranke Wing-Chun-Großmeister Ip Man nimmt eine Einladung seines Schülers Bruce Lee an und reist in die USA, wo er eine Ausbildungsmöglichkeit für seinen aufmüpfigen Sohn finden will. In Chicago gerät er in einen Zwist zwischen rassistischen US-Funktionären und chinesischen Einwanderern und muss den Beweis antreten, dass die chinesische Kampfkunst der aus Japan überlegen ist. Der solide Abschluss der „Ip Man“-Reihe mit dem Hauptdarsteller Donnie Yen trägt schwer an einem überfrachteten Drehbuch, das vieles nur anreißt, aber nicht auserzählt. Auch wird den versierten Darstellern kein Raum gegeben, ihren Rollen jenseits der virtuosen Kampfchoreografien mehr Tiefe zu verleihen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
YIP MAN 4
Produktionsland
China/Hongkong
Produktionsjahr
2019
Regie
Wilson Yip
Buch
Tai-Lee Chan · Lai-Yin Leung · Edmond Wong · Hiroshi Fukazawa
Kamera
Siu-Keung Cheng
Musik
Kenji Kawai
Schnitt
Ka-Fai Cheung
Darsteller
Donnie Yen (Ip Man) · Scott Adkins (Barton Geddes) · Kwok-Kwan Chan (Bruce Lee) · Vanness Wu (Hartman Wu) · Chris Collins (Colin Frater)
Länge
105 Minuten
Kinostart
25.06.2020
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Historienfilm | Martial-Arts-Film

Heimkino

Verleih DVD
Koch
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Vierter und letzter Teil über das Leben des chinesischen Wing-Chun-Großmeisters Ip Man.

Diskussion

Das Ende ist nah – und unabwendbar. Ip Man (Donnie Yen) hat die Diagnose seiner Krebserkrankung allerdings noch keinem erzählt. Die Umstände sind dafür denkbar schlecht geeignet; sein Sohn Ip Ching (He Ye) streckt gerade in einer rebellischen Phase und macht dem alternden Großmeister des Wing Chun ziemlich zu schaffen. Die Einladung von Bruce Lee (Kwok-Kwan Chan), im Sommer 1964 von China aus nach Chicago zu reisen, kommt da gerade recht. Wenn es Ip Man gelänge, für Ching dort eine Schule und eine Zukunft zu finden, könnte er seinem nahenden Tod beruhigter entgegensehen.

Ip Man soll den Schlichter spielen

Doch zuvor entwickeln sich noch ganz andere Probleme. Ip Mans berühmtester Schüler Bruce Lee sieht am Horizont nicht nur eine Karriere als Filmstar heraufziehen, sondern er bekommt auch den Zorn der „Chinese Benevolent Association“ zu spüren. Die Vereinigung nobler Einwanderer und Kampfkünstler sieht es nämlich gar nicht gerne, dass Lee in seiner Schule die chinesische Kampfsport-Tradition auch Nichtchinesen zugänglich macht. Ip Man soll in diesem Konflikt den Schlichter spielen; nur dann erhält er jenes Empfehlungsschreiben, ohne das sein Sohn keine Ausbildung in der USA machen könnte.

Es kommt sogar noch schlimmer, als die Tochter des CBA-Vorsitzenden Wan Zong Hua (Yue Wu) von Ip Man vor aggressiven Neidern aus ihrer Schulklasse gerettet wird, was den rassistischen Leiter der Einwanderungsbehörde auf den Plan ruft, dem das (kulturelle) Engagement der Chinesen in Chicago schon längst ein Dorn im Auge ist.

Wie kann Ip Man in diesem feindlichen Umfeld Frieden stiften? Zumal der Immigrant und Lee-Schüler Sergeant Hartman (Vanness Wu) auch noch die Militärführung gegen sich aufbringt, da er das chinesische Wing Chun in die Kampfausbildung integrieren möchte, während der Ausbilder Barton Geddes (Scott Adkins) ein glühender Verfechter des japanischen Karate ist.

Hoch(kampf)kultur aus China

„Ip Man 4“ ist nicht das Ende. Zwar hat Donnie Yen, der in den ersten drei Teilen der Reihe in 2008, 2010 und 2015 als Hauptdarsteller vor der Kamera stand, angekündigt, keinen weiteren Film über den großen Botschafter chinesischer Kampfkunst mehr machen wollen. Aber das will nichts heißen. Denn mit „The Grandmaster“ hatte ja schon Wong Kar-wai der historischen Figur ein Denkmal gesetzt, und mit „Master Z“ gibt es eine noch nicht auserzählte Konkurrenz-Reihe im Action-Segment. Aber für Donnie Yens Ip Man ist nun Schluss.

Wehmut will in „Ip Man 4“ dennoch lange nicht aufkommen. Dazu ist das Drehbuch von Edmond Wong zu vollgepackt. Der „alte Mann“ darf einfach nicht alt werden; er muss junge Kontrahenten in die Schranken weisen und auch den US-Amerikanern zeigen, dass aus China nicht nur Opium und Einwanderer kommen, sondern auch Hoch(kampf)kultur.

Alle Bemühungen, die „Ip Man 4“ anspricht, lassen sich auf ein Postulat reduzieren: Die Chinesen sind besser als die Japaner. Dieser verkrampft anmutende Kampf der Kulturen mag in den Kriegstraumata begründet sein, die die Japaner den Chinesen zugefügt haben. Es mag aber auch daran liegen, das nach Judo mit Karate eine zweite japanische Kampfkunst olympisch wird, was den chinesischen Kampfarten Wing Chun und Kung Fu bislang verwehrt geblieben ist.

Karate versus Wing Chun

Dieser Schmach kann die chinesische Seele zumindest im Kino trefflich begegnen. Ip Man und seine Technik sind einfach die Besten, was er hier acht Jahre vor seinem Tod trefflich unter Beweis stellt, zumal er mithilft, Wing Chun als Trainingselement in die US-amerikanische Armee einzuführen. Das tut der Film auf klassische Weise; mehr als eine kurze Prügelei im Hinterhof und ein Geplänkel beim CBA-Vorsitzenden gibt es nicht; alle anderen Kämpfe werden im Dojo oder auf der Matte ausgetragen. Karate und seine Protagonisten sind stets brachialer; Wing Chun (und Ip Man) virtuoser. Die Figurenzeichnung kommt dabei eher zu kurz. Das wird den Darstellern nicht gerecht, allen voran dem Briten Scott Adkins. Auch Donnie Yen bekommt bei all den Kämpfen nicht die Chance, mit seiner Karriere abzuschließen. Yen, der mit diesem Film seine Martial-Arts-Laufbahn beenden will, kann seine darstellerischen Register hier nicht entfalten. Ein bisschen mehr Drama hätte der Action hier sicherlich gutgetan!

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