Action | USA 2020 | 110 Minuten

Regie: Dave Wilson

Ein von Wissenschaftlern wiederbelebter und für neuerliche Einsätze quasi unsterblich gemachter Soldat kommt trotz totaler Amnesie seinem Mörder und dem seiner Frau auf die Spur und sinnt scheinbar gegen den Willen seiner Programmierung auf Rache. Doch bald schon muss er seine Feindbilder neu bestimmen. Der für sein moderates Budget optisch beeindruckende Science-Fiction-Actionfilm bedient gekonnt die Konventionen des Adrenalinkinos und drängt die gesellschaftlichen und philosophischen Implikationen der Geschichte in den Hintergrund. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BLOODSHOT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Dave Wilson
Buch
Jeff Wadlow · Eric Heisserer
Kamera
Jacques Jouffret
Musik
Steve Jablonsky
Schnitt
Jim May
Darsteller
Vin Diesel (Ray Garrison / Bloodshot) · Guy Pearce · Eiza González · Sam Heughan (Jimmy Dalton) · Talulah Riley
Länge
110 Minuten
Kinostart
05.03.2020
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Comicverfilmung | Science-Fiction | Thriller

Futuristischer Actionfilm nach einer Comic-Vorlage um einen künstlich reanimierten US-Soldaten, der als neugeborener Superkämpfer quasi unsterblich ist.

Diskussion

Ein in einem Geheimlabor reanimierter Elitesoldat, der sich zunächst den Befehlen seiner „Schöpfer“ unterwirft, begehrt auf, als ihn durch Erinnerungen an seine frühere Existenz moralische Zweifel befallen. So ließe sich die Prämisse des erfolgreichen Science-Fiction-Actionfilms „Universal Soldier“ (1992) von Roland Emmerich zusammenfassen, auf die sich die Produzenten in den folgenden 20 Jahren verlassen konnten, um mit insgesamt sechs Fortsetzungen im „B-Picture“-Segment weiter Gewinn abzuschöpfen.

1992 war auch das „Geburtsjahr“ von Ray Garrison alias Bloodshot, einem Superhelden, der im Action-Universum des Comic-Verlags Valiant schnell zum Zugpferd aufstieg. Es mag Zufall sein, dass seine Geschichte der von Luc Deveraux alias GR44 (Jean-Claude van Damme) aus „Universal Soldier“ ähnelt. Weniger zufällig ist hingegen der Umstand, dass auf der Suche nach einen neuen Superhelden der Filmgigant Sony/Columbia auf diese Figur für ein Live-Action-Spektakel stieß.

Nanobots pulsieren durch die Adern

So stirbt also auch Ray Garrison (Vin Diesel) im Einsatz fürs Vaterland, um irgendwann später auf einem Behandlungstisch in einem High-Tech-Labor zu erwachen, sich verwirrt die Dioden vom immer noch gestählten Körper zu reißen und „Wer bin ich“ zu rufen. Erinnerungen besitzt er keine mehr, dafür unglaubliche Superkräfte. Der leitende Arzt erzählt dem aufgebrachten Soldaten nicht nur von seinem Tod, sondern vor allem von seinem Auftrag, als neugeborener Superkämpfer wieder in den Einsatz geschickt zu werden. Hilfreich ist dabei eine aus Myriaden von Nanobots bestehende Flüssigkeit, die anstelle von Blut durch seine Adern pulsiert. Sie macht ihn stark und dank „reparierender Eigenschaften“ quasi unsterblich.

In einem Team gleichgesinnter, unter anderen Gesichtspunkten gestählter Kollegen soll er nun den Weltfrieden sichern. Doch damit beginnt erst die Geschichte. Denn das, was überdies in Bloodshots Gehirn rumort, ist derart willensstark, dass das vermeintlich Gelöschte doch wieder ins Bewusstsein drängt. Es schürt unbändige Rachefantasien, denn nicht nur Garrison, sondern auch seine Frau sind von einem Bösewicht ermordet worden, was die Kampfmaschine motiviert, auf eigene Faust zu handeln. Dass dessen Tod vielleicht durchaus im Sinne seines „Neuerfinders“ sein könnte, kommt Bloodshot zunächst nicht in den Sinn.

Ein Film voller Schauwerte

„Bloodshot“ besitzt für sein moderates Budget von rund 40 Millionen Dollar durchaus beträchtliche Schauwerte: tolle futuristische Forschungsstationen und surrende, chromblitzende Gimmicks, die sich abenteuerlich bedienen lassen. Blinkende Computergrafiken, die pausenlos übers Breitbild huschen. Kanonen und andere Feuerwaffen, deren Laute das Sounddesign bis zum Anschlag auskostet. Und: Vin Diesel, der Jean-Claude van Damme in puncto Muskelmasse locker abgehängt hat und mit seiner tiefen, rauchigen Stimme und dem glatzköpfigen Charakterschädel die coolen Sprüche noch viel überzeugender artikuliert als der Belgier mit seinem Akzent.

Das alles ist recht zweckdienlich und hat sogar Potenzial für mehr. Denn mit dem Twist zur Hälfte des Films verbreiten die Drehbuchautoren sogar einen Hauch „Blade-Runner“-Flair. Es stellt sich auch die Frage nach der Autonomie des Cyborg-Gehirns und dessen manipulierbarer Matrix – und die, wer hier wirklich gut und wer böse ist. Im Zuge dessen wird sogar die Actionhandlung aufgewertet, wenn Bloodshot gegen Gegner kämpft, die auch nicht mehr ganz Mensch sind. Vor den wirklich interessanten Aspekten scheuen die Macher aber zurück, obwohl sie durchaus aufblitzen. Denn vielleicht ist es ja die Fähigkeit zur emotionalen Regung, die eine eigentlich unsterbliche Menschmaschine erst wirklich effektiv macht. Sollte eine zutiefst menschliche Regung den ganzen Bits, Bites und Bots überlegen sein? Das ist dann wohl zu philosophisch für einen Actionfilm, der zunächst auf den Testosteronspiegel schielt. Es bleibt vieles offen – für das nächste oder übernächste Abenteuer.

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