Susi und Strolch (2019)

Abenteuer | USA 2019 | 103 Minuten

Regie: Charlie Bean

Eine Cocker-Spaniel-Hündin aus gutem Hause verliert die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Besitzer, als diese ein Kind bekommen. Kurz darauf landet sie durch widrige Umstände auf der Straße, wo sich ein sympathischer Streuner ihrer annimmt. Die beiden verlieben sich, doch sein Einzelgängertum und die Nachstellungen eines Hundefängers drohen die Romanze zu gefährden. Neuverfilmung des Zeichentrickklassikers von 1955 als Realfilm mit computeranimierten tierischen Helden, die trotz einiger schwächerer Einfälle und nicht immer überzeugender Effekte durchaus Charme und Originalität entwickelt. Neben den liebenswerten Hundefiguren nimmt der Film auch durch den Mut für sich ein, rückhaltlos großes Gefühlskino zu zelebrieren. - Ab 6.

Filmdaten

Originaltitel
LADY AND THE TRAMP
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Charlie Bean
Buch
Andrew Bujalski · Kari Granlund
Kamera
Enrique Chediak
Musik
Joseph Trapanese
Schnitt
Melissa Bretherton
Darsteller
Thomas Mann (Jim Dear) · Kiersey Clemons (Darling) · Yvette Nicole Brown (Sarah) · Adrian Martinez (Elliott) · F. Murray Abraham (Tony)
Länge
103 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 6.
Genre
Abenteuer | Familienfilm | Komödie | Liebesfilm | Tierfilm

Neuverfilmung des gleichnamigen Zeichentrickklassikers (1955) um eine Cocker-Spaniel-Dame aus gutem Hause und einen sympathischen Straßenköter, die sich im Zuge verwegener Abenteuer ineinander verlieben. In Szene gesetzt als Realfilm mit computeranimierten tierischen Helden.

Diskussion

Schönes Hundeleben. Am Ende eines abenteuerlichen Tages scheinen die Unterschiede zwischen einem behüteten Dasein als Haushund und dem eines Streuners kaum mehr der Rede wert, das gemeinsame Essen im Hinterhof eines italienischen Restaurants ist der krönende Abschluss der unerwarteten Annäherung. Der auf der Straße lebende Strolch ist an diesem Ort ohnehin gern gesehen, doch in Begleitung seiner Cocker-Spaniel-Freundin Susi erwartet ihn ein veritables Galadinner. Kerzenlicht, Tischmusik und eine Schüssel Spaghetti mit Fleischbällchen mögen für das Wohlbefinden eines Hundepaars nicht gerade naheliegen, doch wer könnte sich dem resoluten Charme von Restaurantchef Tony entziehen? Und wenn sich dann noch durch einen glücklichen Zufall die Lippen von Susi und Strolch treffen, weil beide je eines der Enden derselben Nudel erwischt haben, scheint dieses Zeichen ihre glückliche Zukunft gleichsam unausweichlich zu machen.

Das ikonische Spaghetti-Dinner bleibt gleich; ansonsten setzt das Remake eigene Akzente

Die Nudelszene des Zeichentrickfilms „Susi und Strolch“ zählt zu den ikonischen Momenten der Filmgeschichte und durfte selbstredend auch im Remake von „The Lego Ninjago Movie“-Regisseur Charlie Bean nicht fehlen. Bean stellt die Originalsequenz praktisch eins zu eins nach, auch wenn in seiner Version lediglich die Hunde (fotorealistisch) animiert sind, während die Welt um sie herum echt ist – so weit das bei Filmkulissen eben möglich ist. Die Deckungsgleichheit dieser Szene in den Filmen von 1955 und 2019 erinnert an die einfallsloseren unter den jüngeren Real-Neuverfilmungen von Zeichentrick-Klassikern des Disney-Studios, doch setzt der neue „Susi und Strolch“ in seinem übrigen Verlauf deutlich mehr eigene Akzente als zuletzt „Aladdin“ und „Der König der Löwen“.

Wobei sich an der grundsätzlichen Handlung nicht viel geändert hat: Damals wie heute setzt der Plot mit Susi ein, die Anfang des 20. Jahrhunderts als verhätschelte Hündin bei einem liebevollen Ehepaar wohnt, bis dieses ein Baby bekommt, das die Verhältnisse im Haus verändert. Durch widrige Umstände auf der Straße gelandet, wird Susi von Strolch unter die Fittiche genommen und bald blüht ihre Romanze auf, bis der Eingriff eines Hundefängers die Zweisamkeit vorerst unterbricht.

Sprechende Hunde vs. realistische Anmutung

Obwohl sprechende Tiere seit der Erfindung von Mickey Mouse ein fester Bestandteil von kurzen wie langen Disney-Animationen waren und viele von deren beliebtesten Charakteren darstellen, fehlten sie in den Remakes der letzten Jahre bislang in auffälliger Weise: Lediglich die de facto nur auf andere Weise animierten „Realversionen“ des „Dschungelbuchs“ und von „Der König der Löwen“ behielten ihre munter palavernden und singenden Tierscharen bei, während die Mäuse aus „Cinderella“ und der Papagei aus „Aladdin“ weitgehend verstummten. Einen möglichen Grund dafür macht die Neuverfilmung von „Susi und Strolch“ wohl eher unfreiwillig deutlich: Die redegewandten CGI-Hunde haben nie so wenig Ähnlichkeit mit real existierenden Tieren wie beim Sprechen. Insbesondere in Großaufnahmen und Gruppenszenen schleicht sich immer wieder ein Eindruck des unnatürlichen Ausdrucks ein, den der Film nie ganz abstreifen kann.

Dabei sind es das sorgsam ausgewählte Sprecher-Ensemble (im Original unter anderem Tessa Thompson, Justin Theroux, Sam Elliott und Janelle Monáe) sowie die unverändert liebevolle Hunde-Animation, die der Neuverfilmung ihre größten Reize bescheren. In punkto Niedlichkeit und Sympathiewerte haben Regisseur Bean und die Drehbuchautoren Andrew Bujalski und Kari Granlund alles richtig gemacht, zudem ergeben sich neben einigen albernen und banalen Wortgags auch immer wieder kurze gewitzte Dialogwechsel, die sogar den eher blassen menschlichen Figuren etwas Profil verleihen. Die Hundeperspektive des Originals, in dem oft die Menschen nur aus der Untersicht gezeigt wurden und ihre Gesichter kaum zu sehen waren, hat Bean allerdings nicht beibehalten: Susis Besitzer mit den Kosenamen Jim Dear und Darling, deren hundehassende Tante Sarah und der zum dicken Trottel ausgebaute Hundefänger sind im Bild präsenter, ohne dem eigentlichen Plot originelle neue Richtungen zu verleihen. Spannung, Anteilnahme und auch Witz erzeugen allein die Hunde, die zum Vorteil des Films die Seele der meisten Szenen bleiben.

Südstaaten-Prunk und ein idealisiertes Ambiente

Hinzu kommen die nicht unwichtigen Schauwerte: Spielte „Susi und Strolch“ 1955 noch in einer namenlosen, eher klein gehaltenen Stadt irgendwo in den USA, ist im Remake der Schauplatz klar als die altehrwürdige Südstaaten-Hafenstadt Savannah, Georgia, erkennbar. Neben Bildern der prächtigen Villen aus dem 18. Jahrhundert, in denen Susis Besitzer und ihre Nachbarn wohnen, bietet dies als filmischen Mehrwert insbesondere eine Fahrt mit einem Raddampfer.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt allerdings die historisch völlig unzutreffende Abbildung einer Gesellschaft von friedlich und gleichberechtigt zusammenlebenden Menschen weißer und schwarzer Hautfarbe. Logisch und lobenswert ist das als Fortsetzung von Disneys inklusiver Besetzungspolitik der letzten Jahre und als Versuch, Kindern die Selbstverständlichkeit dieses Umgangs zu demonstrieren. In seiner idealisierten Abwandlung unrühmlicher US-Geschichte weckt der neue „Susi und Strolch“ allerdings durchaus Erinnerungen an den vielgescholtenen Disney-Film Onkel Remus’ Wunderland – auch wenn er nach außen hin das genaue Gegenteil von den als rassistisch identifizierten Elementen des Films von 1947 repräsentiert.

Eine neue Paar-Dynamik

Das Bewusstsein gewandelter Wahrnehmung seit der Entstehungszeit des Originals findet sich im Remake auch noch in weiteren Änderungen, die ein Gewinn für den Film sind: Strolchs Ruf als Verführer ist dem eines Einzelgängers gewichen, Susi übernimmt weit mehr Initiative als im Original. Unter den aktuellen Disney-Remakes platziert sich „Susi und Strolch“ so schon allein deshalb im oberen Mittelfeld, weil es nicht ständig wie ein krampfhaftes Imitat eines durchdachteren Vorgängers wirkt, sondern immer wieder auch eigene Wege geht. Und noch etwas macht die Neuverfilmung bei allen Einschränkungen sympathisch: Dieser Film steht unumwunden zu seiner herzigen Gefühlsfülle.

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