Love Sarah - Liebe ist die wichtigste Zutat

Komödie | Großbritannien/Deutschland 2020 | 98 Minuten

Regie: Eliza Schroeder

Eine junge Frau will nach dem Unfalltod ihrer Mutter deren Traum verwirklichen, im Londoner Stadtteil Notting Hill eine Konditorei zu eröffnen. Dazu holt sie die Freundin ihrer Mutter und ihre Oma als Geldgeberin ins Boot. Vierter im Bunde ist ein arbeitsloser Drei-Sterne-Koch, der mit der Verstorbenen vor langer Zeit einmal liiert war. Eine oberflächliche und anfangs auch umständlich erzählte Tragikomödie um unerfüllte Träume und nicht verheilte seelische Verletzungen, die angenehm unterhalten will, aber jeglichen Realitätssinn vermissen lässt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
LOVE SARAH
Produktionsland
Großbritannien/Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Eliza Schroeder
Buch
Jake Brunger
Kamera
Aaron Reid
Musik
Enis Rotthoff
Schnitt
Jim Hampton · Laura Morrod
Darsteller
Celia Imrie (Mimi) · Shannon Tarbet (Clarissa) · Shelley Conn (Isabella) · Bill Paterson (Felix) · Rupert Penry-Jones (Matthew)
Länge
98 Minuten
Kinostart
10.09.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Tragikomödie um eine junge Frau, die nach dem Unfalltod ihrer Mutter deren Traum erfüllen und in Notting Hill eine Konditorei eröffnen will.

Diskussion

Zu Beginn sieht man eine Frau um die 40 durch London radeln, vorbei an der Themse und an Parks, durch Straßen und Gassen. Sie macht einen fröhlich-unbeschwerten, aber auch zielstrebigen Eindruck. Mit zunehmender Dauer dieser Einstellungen bereitet sich jedoch Unbehagen aus: Etwas stimmt nicht. Dann ein abrupter Schnitt. Die Frau, jene Sarah des Filmtitels, ist tödlich verunglückt. Den Unfall zeigt die deutsche Regisseurin Eliza Schroeder allerdings nicht. Er passt nicht so recht ins Bild dieses freundlichen, kunterbunten, vitalen Londons, in dem die Menschen zwar trauern dürfen, ihr Leben dann aber, trotz aller Rückschläge, schnell wieder in die Hand nehmen.

Eigentlich hatte Sarah im Londoner Stadtteil Notting Hill eine eigene Konditorei eröffnen wollen; das Ladengeschäft hatte sie bereits angemietet. Nach ihrem überraschenden Tod ist ihre 19-jährige Tochter Clarissa fest entschlossen, den Traum ihrer Mutter zu verwirklichen. Warum auch nicht? Schließlich hat sie gerade ihren Job verloren und wurde überdies von ihrem Freund auf die Straße gesetzt. Nachts schläft sie deshalb in dem heruntergekommenen Laden, der Sarah als Bäckerei hätte dienen sollen. Dann holt sie Isabella, die beste Freundin ihrer Mutter, mit ins Boot, und überredet ihre eigenwillige Großmutter Mimi (Celia Imrie), Geld und Geschäftssinn beizusteuern.

Eine „Get Brexit done!“-Mentalität

Gemeinsam machen sich die drei Frauen aus drei Generationen an die Arbeit. Sie renovieren das Ladengeschäft, richten es ein, tüfteln Backrezepte aus. Für den letzten Schliff sorgt ein Drei-Sterne-Koch, der gerade seinen Job in einem edlen Restaurant verloren hat: Matthew. Vor 20 Jahren war er mit Sarah liiert, doch die Beziehung nahm ein ruppiges Ende. Isabella ist deshalb immer noch sauer auf ihn. Matthew hingegen hat seine eigenen Gründe, warum er nach so langer Zeit bei Clarissas Projekt mitmischen will.

Das britische Kino scheint derzeit ein Faible für hindernisreiche Erfolgsgeschichten zu haben, für große Träume, die trotz aller Widerstände in Erfüllung gehen. Vielleicht hat dies mit der „Get Brexit done!“-Mentalität zu tun, die das Schwierige möglich machen soll, ja muss. Ehrlicher und realistischer ist da doch Ken Loach, der das Scheitern eines Traums schon entschuldigend im Titel trägt: „Sorry We Missed You“.

In „Love Sarah“ menschelt es hingegen sehr. Bevor die Frauen etwas aufbauen können, müssen sie sich erst miteinander vertragen. Umständlich bereitet das Drehbuch diese Szenen vor. So hat Clarissa ihre Oma lange nicht besucht, die deshalb langwierig umgarnt werden muss, etwa mit einem Kurs in Akrobatik, ihrem alten Beruf. Eine Großmutter als ehemalige Akrobatin? Das ist eine originelle Idee, die aber nur ihrer Kuriosität wegen ins Drehbuch aufgenommen wurde. Sie spielt für das Weitere keine Rolle mehr.

Die Vielfalt regionaler Küchen

Der Antagonismus zwischen Isabella und Matthew geht auf Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ zurück. Man weiß aus „Bella Martha“ und „Rezept zum Verlieben“, wie Drehbuchautoren solche Handlungsfäden weiterspinnen, auch wenn der Ausgang in diesem Film, der großen Verletzung wegen, besonders unglaubwürdig ist.

Natürlich geht es in „Love Sarah“, wie in vielen Filmen, in denen das Essen im Mittelpunkt steht, um die Zubereitung der Speisen, oder besser: der Backwaren. Cremetörtchen, Himbeer-Eclairs, Schokoladenküchlein – all das will gekonnt vorbereitet und geschickt hergestellt sein. Zu den schönen Ideen des Films zählt, die vielen Emigranten im Viertel nach ihren heimischen Rezepten zu fragen, sogar ein bayrischer „Kringel“ zählt dazu. So sollen die unterschiedlichen Bedürfnisse des Vielvölkergemischs erfüllt werden. Ein eigentümlicher Widerspruch liegt hier verborgen. „In keiner Stadt der Welt leben so viele Menschen aus so vielen unterschiedlichen Nationen“, lobt eine Frau einmal ihre Heimatstadt. Doch einmal abgesehen davon, dass der englische Kolonialismus an diesem Schmelztiegel aus unterschiedlichsten Herkunftsländern schuld ist, zählt Großbritannien zu jenen europäischen Staaten, die sich im Moment vehement gegen Flüchtlinge abschotten. Auf diese Weise fällt auch diese Utopie wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

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