Action | USA 2020 | 94 Minuten

Regie: Josh Boone

Ein junges Mädchen wird nach einem vermeintlichen Tornado in ein einsam gelegenes Hospital eingeliefert, wo ihr eine Ärztin eröffnet, dass sie eine Mutantin mit übermenschlichen Fähigkeiten sei. Zusammen mit vier gleichaltrigen Insassen wehrt sie sich gegen psychiatrische Experimente und plant ihre Flucht. Spin-off der überaus erfolgreichen „X-Men“-Reihe, das sich dem Superhelden-Mythos und den damit einhergehenden Diskussionen um Normalität und Andersartigkeit verweigert, um stattdessen im Fahrwasser von „Haunted House“- und Teenie-Horror passabel, aber oberflächlich zu unterhalten. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE NEW MUTANTS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Josh Boone
Buch
Josh Boone · Knate Lee
Kamera
Peter Deming
Musik
Mark Snow
Schnitt
Andrew Buckland · Matthew Rundell · Robb Sullivan
Darsteller
Anya Taylor-Joy (Illyana Rasputin/Magik) · Maisie Williams (Rahne Sinclair/Wolfsbane) · Alice Braga (Dr. Cecilia Reyes) · Charlie Heaton (Sam Guthrie) · Blu Hunt (Danielle Moonstar)
Länge
94 Minuten
Kinostart
10.09.2020
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Horror | Science-Fiction

Mehr „Haunted House“- und Teen-Horror statt Superhelden-Action: Die Verfilmung eines Spin-offs aus dem „X-Men“-Universum.

Diskussion

Die erste Irritierung kommt gleich zu Beginn: Der Name „Fox“ wurde aus dem Logo gestrichen, nach 85 Jahren, jetzt steht da nur noch „20th Century Productions“, während die berühmte Fanfare spielt. Soll hier bewusst mit einer Tradition gebrochen werden, will man sich von der eigenen Studio-Geschichte distanzieren? Fox war seit 1999 für das „X-Men“-Universum von Marvel verantwortlich, dazu gehören auch Spin-offs um Wolverine. Nun kommt, nach über fast drei Jahren des Verschiebens mit Nachdreh und Kino-Lockdown, „New Mutants“ in die Kinos. Der Film beruht auf einem Spin-off-Comic der „X-Men“-Reihe, den Autor Chris Claremont und Zeichner Bob McLeod 1982 veröffentlichten, die Figur des „Demon Bear“ zeichnete Bill Sienkewicz.

Ein Käfig, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint

Leser des Comics wissen darum, worauf Danielle Moonstar, Angehörige des Stammes der Cheyenne, im Off anspielt: „Es gibt zwei Bären in jeder Person, einen guten, der nach Versöhnung strebt, und einen bösen, der dem Teufel gleichkommt.“ Im Folgenden wird es also darum gehen, den inneren Dämon zu besiegen. Zu Beginn des Films überlebt Danielle nur knapp einen Tornado, so muss man zunächst annehmen. Als sie aus der Ohnmacht erwacht, findet sie sich angekettet im Milbury Hospital wieder, einem Krankenhaus, das im Nirgendwo zu stehen scheint. Die Ärztin Dr. Reyes informiert Danielle darüber, dass sie eine Mutantin mit übermenschlichen Kräften sei.

Nun lernt die junge Frau vier andere Mutanten kennen, zwei Mädchen und zwei Jungen. Interessant: Die weiblichen Figuren erhalten mehr Profil und Stärke, während die männlichen – wie schon zuvor in „Deadpool“ oder „Wolverine“ – mit sich hadern. So tauscht Danielle mit der sanftmütigen Rahne, die sich gelegentlich in eine Wölfin verwandelt, einen scheuen Kuss. Illyana Rasputin, das verrät schon der Name, ist hingegen das Bad Girl, dessen stählerner Arm zur tödlichen Waffe wird. Das ungleiche Quintett wird im Hospital für psychiatrische Tests festgehalten, Flucht ist unmöglich, weil eine unsichtbare Glocke das Gelände, einem Lockdown gleich, absperrt. „Dies ist kein Hospital, sondern ein Käfig“, sagt einmal jemand. Plötzlich fangen gesichtslose Klabautermänner im Treppenhaus das Morden an, Dr. Reyes entpuppt sich als Mad Scientist. Die fünf Mutanten müssen sich nicht nur auf ihre Fähigkeiten besinnen, sondern – trotz aller Animositäten – auch auf ihr Gemeinschaftsgefühl.

Vom „X-Men“-Franchise und seinen Themen hat sich der Film weit entfernt

Regisseur Josh Boone und sein Autor Knate Lee schlagen von Beginn an einen düsteren, hermetisch abgeschlossenen Ton an, der sich weit von der „X-Men“-Reihe entfernt, fast so, als wollten sie ihre Eigenständigkeit beweisen. Dies ist kein Superheldenfilm mehr, in dem es um actionreiche Auseinandersetzungen oder furiose Showdowns geht. Auch die Beziehungen zwischen den Figuren, ihre Veränderung bis hin zur Feindschaft und das Vorwissen aus den vorangegangenen Filmen spielt keine Rolle mehr, die Diskussionen um Normalität und Andersartigkeit, Ängste und Hass, Akzeptanz und Diskriminierung weichen einer nichtssagenden Oberflächlichkeit. Nicht einmal Danielles Herkunft als Cheyenne-Indianerin gewinnt der Film interessante Aspekte ab.

Stattdessen bewegt sich „New Mutants“ im Fahrwasser von „Haunted House“- und Teenie-Horror. In spärlich erleuchteten Räumlichkeiten, vom Dachboden bis zur abgeriegelten Strafzelle, vom langen Korridor bis zum sterilen Labor, wehren sich die Jugendlichen gegen ihr Schicksal, der computergenerierte Showdown ist mit seiner Effekthascherei an Abstrusität nicht zu überbieten. Und die Erkenntnis, dass man die Dämonen, gegen die man kämpft, in sich trägt, ist doch sehr banal und abgegriffen.

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