Feuer und Flamme (2019)

Liebesfilm | Schweden 2019 | 100 Minuten

Regie: Måns Mårlind

Eine im Stockholm der 1940er angesiedelte Romeo-und-Julia-Variation: Obwohl ihre Familien, die mit gegenüberliegenden Fahrgeschäften um Kundschaft konkurrieren, sich spinnefeind sind, verlieben sich eine junge Frau und ein junger Mann ineinander. Doch als der Zweite Weltkrieg seine Schatten über das Land wirft, droht der Hass die Oberhand über ihr Liebesglück zu gewinnen. Die Romanze entfaltet sich in einer traumverlorenen Retro-Welt zunächst als gefühlsselige Feier der Liebe, die schlussendlich aber doch in die Mühlen der historischen Realitäten gerät. Dabei bleiben die Nebenfiguren etwas blass; die stark besetzten Hauptrollen tragen den Film jedoch. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SWOON | ELD OCH LÅGOR
Produktionsland
Schweden
Produktionsjahr
2019
Regie
Måns Mårlind · Björn Stein
Buch
Måns Mårlind · Lily Oakes
Kamera
Aril Wretblad
Musik
Nathaniel Méchaly
Schnitt
Björn Stein
Darsteller
Frida Gustavsson (Ninni Nilsson) · Albin Grenholm (John Lindgren) · Robert Gustafsson (Gustaf Nilsson) · Helena af Sandeberg (Nadescha Nilsson) · Lennart Jähkel (Johan Lindgren)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
Capelight
Verleih Blu-ray
Capelight
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Schwedische Romeo-und-Julia-Variante mit Traumsequenzen und Gesang über die Kinder zweier verfeindeter Fahrgeschäft-Familien und ihre Liebe im Stockholm der 1940er-Jahre.

Diskussion

Den Spion erwischt Ninni (Frida Gustavsson) auf frischer Tat. Mitten in der Nacht klettert der junge Mann (Albin Grenholm) aus einem nächtlichen Kanal in Stockholm, nimmt seine Taucherbrille ab, zieht sich seine nasse Unterhose aus und blickt der schönen Frau direkt ins Gesicht. Die Situation ist ein klassisches „boy meets girl“, aber eben auch ein „spy meets spy“. Denn der nackte John ist zuvor auf die andere Seite getaucht, um die Konkurrenz – Ninnis Familie – auszuspionieren.

Die Nilssons und die Lindgrens sind zutiefst verfeindet. Beide Familien führen im selben Vergnügungspark zwei gegenüberliegende Fahrgeschäfte. Bei dem einen leuchten die Pastellfarben, bei dem andern blättern die Farbschichten ab. Die Lindgrens sind sichtbar verschuldet. Trotzdem besitzen beide Läden gleich viel Charme. Es gibt Feuerspucker, Akrobaten und Hühner, die mit Flammen unter den Füßen zum Tanzen gebracht werden. Das Publikum ist begeistert. Zur Hölle machen die Konkurrenten sich das Leben mit Kanalisationsfallen oder Borkenkäfern dennoch.

Über den Dächern von Stockholm

Wie es in einem Melodrama kommen muss, verlieben sich Sohn und Tochter der Erzfeind-Familien. Statt in einem Renaissance-Verona spielt die Romeo-und-Julia-Geschichte in einem Retro-Stockholm der 1940er-Jahre. Die Farben sind bonbonbunt wie in einem Musicalfilm von Baz Luhrmann, das Licht dagegen ein wenig gedämpfter, ein wenig traumverlorener. Das nächste Treffen der Turteltäubchen findet nachts über den Dächern Stockholms statt, inklusive Stromausfall, Lampions und Lichterketten. Ninni und John schweben auf zwei Stühlen langsam aufeinander zu. In einer Traumsequenz am See duelliert sich das Liebespaar mit Rosen.

Man muss schon den Kitsch-Modus einschalten, um „Feuer und Flamme“ von Måns Mårlind und Björn Stein genießen zu können. Es gibt auch wie in „Moulin Rouge“ ein paar Gesangsnummern wie ABBAs „Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)“ oder Beyoncés „Halo“ in jazziger Variation. Trotzdem ist der Film kein veritables Musical; der Soundtrack groovt eher im Hintergrund vor sich hin, während das Liebespaar durch die surreale Welt eines altmodischen Jahrmarkts wandelt.

Nazis im Vergnügungspark

Die wirkliche Welt, die Historie, dringt zu Beginn nur vereinzelt in dieses Zuckerbäcker-Setting ein. „Deutsche Panzer in Paris! Deutsche Flugzeuge über London!“ Die Rufe eines Zeitungsjungen und die Durchsagen im Radio werden absichtlich ignoriert. Einmal dreht John sogar das Radio aus. Niemand darf das Liebesglück stören. Dass Ninnis Vater dann den deutschen Ingenieur der Lindgrens als Deserteur den Nazis ausliefert, zeigt jedoch, wie instabil die zauberhafte Welt gegenüber der Politik und vor allem dem Krieg ist. Die Liebe und die Versöhnung müssen in einem giftigen Klima als Gegenutopie herhalten. Die Botschaft klingt nicht schlecht, aber platt.

Gegen Ende nehmen die Herausforderungen für John und Ninni zu, wobei die Handlungsstränge der Nebencharaktere (Johns Bruder, der sich mehr für Jungs interessiert, und ein Mädchen, dessen Mutter Suizid begannen hat) nicht auserzählt werden. Sie dienen lediglich dazu, das Hauptliebespaar zu unterstützen und verlieren jegliche Individualität und somit Empathie von Seiten der Zuschauer.

Genüsslich zelebrierte Gefühlsseligkeit

Dafür spielen Albin Grenholm und Frida Gustavsson mehr als sympathisch. Wenn sie zusammen eine Akrobatennummer nach der anderen vor einem Waisenhaus zum Besten geben, schmilzt einem tatsächlich das Herz dahin. Weil sie so fröhlich sind und nicht wissen, was sie erwartet.

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