Wickie und die starken Männer - Das magische Schwert

Abenteuer | Deutschland/Frankreich/Belgien 2020 | 82 Minuten

Regie: Eric Cazes

Der schmächtige Wikingerjunge Wickie schleicht sich heimlich an Bord des väterlichen Drachenboots, um zu einer mythischen Insel zu gelangen. Dort will er ein Mittel finden, um seine Mutter von einem Zauber zu befreien, der sie in eine Goldstatue verwandelt hat. Die neuerliche Adaption der Kinderbuchreihe nutzt das Identifikationspotenzial des sympathischen Protagonisten für eine abenteuerliche Heldenreise, die allerdings den Bogen überspannt, wenn der Stoff um mythologische Figuren aus der nordischen Götterwelt und um Anleihen bei Superheldenfilmen erweitert wird. Der nostalgische Charme der Jungengeschichte tritt zugunsten von Actionszenen und digitalem Effekte-Zauber in den Hintergrund. - Ab 6.

Filmdaten

Originaltitel
VIC LE VIKING
Produktionsland
Deutschland/Frankreich/Belgien
Produktionsjahr
2020
Regie
Eric Cazes
Buch
The Huzlys · Sophie Decroisette · Frédéric Lenoir · Eric Cazes
Musik
Ute Engelhardt
Länge
82 Minuten
Kinostart
02.09.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 6.
Genre
Abenteuer | Animation | Kinderfilm

Neuerliche Verfilmung um den populären Wikingerjungen, der sich als blinder Passagier auf dem Drachenboot seines Vaters versteckt, weil er seine Mutter von einem Fluch befreien will.

Diskussion

Die Figur des sympathischen Wikingerjungen Wickie steht für eine mediale Erfolgsgeschichte. 1963 erschien mit „Wickie und die starken Männer“ der erste Band einer siebenteiligen Kinderbuchreihe von Runer Jonsson. 1974 machte die gleichnamige Animationsserie den rotblonden Knaben aus dem hohen Norden international bekannt. Von der Popularität dieser Serie profitierten auch die Realspielfilme „Wickie und die starken Männer“ (2009) und „Wickie auf großer Fahrt“ (2011). Im Jahr 2014 folgte eine CGI-Serie, an der der französische Regisseur Éric Cazes mitwirkte, der jetzt auch bei der jüngsten computeranimierten Kinoadaption Regie führt.

Der Fluch des magischen Schwertes

Der kleine Wickie wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich mit den Kriegern seines Vaters Halvar in See zu stechen und Abenteuer zu erleben. Erst dann fühlt sich der schmächtige Junge, der mangelnde Muskelkraft mit viel Einfallsreichtum ersetzt, von seinem Vorbild ernstgenommen. Doch Halvar hält seinen Sohn für zu jung für das raue Leben auf hoher See. Dann aber bringt Halvar ein goldenes Schwert mit ins Dorf Flake, das er seinem Erzrivalen, dem Schrecklichen Sven, abgenommen hat. Das magische Schwert kann mit einer Zauberformel Menschen und Gegenstände in Gold verwandeln. Durch ein Versehen wird auch Wickies Mutter plötzlich zu einer Goldstatue.

Beim Bogenschießen taucht der unbekannte Wikinger Leif auf, der zu berichten weiß, dass das Schwert dem Göttervater Odin gehört. Sein Zauber kann nur auf einer Insel gebrochen werden, die das Tor zur Götterwelt Asgard bildet. Als die Männer dorthin aufbrechen, gehen Wickie, seine pfiffige Cousine Ylvi sowie ein Eichhörnchen, das das Schwert bewachen soll, heimlich mit an Bord des Drachenbootes. Auf der gefährlichen Reise geraten die Wikinger unter anderem in ein Piraten-Paradies und müssen sich gegen gewaltige Sturmwellen behaupten, ehe sie sich zu einem magischen Inselberg vorkämpfen. Dabei werden sie von Sven und seinen Seeräubern verfolgt, der das Schwert zurückgewinnen will.

Im Bann des Marvel-Universe

Regisseur Cazes und seine drei Co-Drehbuchautoren haben den Stoff erheblich aktualisiert und um Elemente und Figuren der nordischen Göttersagen erweitert. Während die humoristische Ebene um die „starken Männer“ in den Hintergrund rückt, nehmen die Actionszenen im Zuge der fortschreitenden klassischen Heldenreise einen breiten Raum ein und verschieben so den Schwerpunkt vom nostalgischen Charme der Jungen-Geschichte hin zu einem effektreichen Spektakel mit teils überladenen Kampfsequenzen.

Im Bemühen, den Wickie-Mikrokosmos durch das mythologische Figurenarsenal um Odin und seine Söhne Thor und Loki sowie deren Machtkämpfe zu erweitern, wird der Bogen allerdings überspannt, zumal sich diese „Modernisierung“ allzu offensichtlich an die überladenen Superheldengeschichten des „Marvel Cinematic Universe“ anlehnt.

Immerhin sorgen putzige Einfälle für Kurzweil und Entspannung, etwa wenn sich das Piraten-Paradies als eine Art Kabarett-Kneipe mit Zipfelmützenkellnern und Sushi-Belieferung erweist oder die angetörnten Wikinger einen skurrilen Ballettauftritt im Transvestiten-Look absolvieren, um den grimmigen Sven zu beeindrucken.

Der Film richtet sich an jüngere Zuschauer

Die episodische Erzählstruktur hakt Abenteuer um Abenteuer ab, ohne einen übergreifenden Spannungsbogen aufzubauen. Das dürfte den Sehgewohnheiten jüngster Zuschauer entgegenkommen, bietet älteren Zuschauern aber zu wenig visuelle Anreize.

Für die junge Generation bleibt Wickie eine starke Identifikationsfigur, die anschaulich aufzeigt, dass große Körperkraft längst nicht immer ausreicht, um sich im Leben durchzusetzen. Der junge Julius Weckauf bringt als deutsche Synchronstimme mit selbstbewusster Intonation ein zusätzliches Profil ein. Bei Halvar gelang eine ähnlich gute Wahl mit der sonoren Stimme von Dietmar Bär, die der Figur mit einer Mischung aus Wagemut und Fürsorge, Schläue und Tölpelhaftigkeit ein ambivalentes Flair vermittelt.

Die Nebenfiguren bleiben hingegen blass. Das gilt für Halvars schrullige Mitkämpfer wie auch für die ohnehin unterrepräsentierte Frauenwelt. Als einzige weibliche Figur tritt Wickies Cousine Ylvi häufiger in Erscheinung, doch sie trägt kaum zur Entwicklung der Story bei, außer dass sie Wickie anhimmelt. Neu eingeführt wurde das unkonventionelle Eichhörnchen, das als Sidekick für allerlei Unruhe sorgt, auch wenn seine Eskapaden auf Dauer überstrapaziert werden.

In animationstechnischer Hinsicht reicht der Film nicht an den Detailreichtum kostspieliger Hollywood-Produktionen heran, bietet aber eine solide Figurenzeichnung, die sich an die etablierten Seriencharaktere anlehnt, farbenfrohe Settings und in der Schlussphase ein überbordendes Effekte-Feuerwerk. Trotz einer mit 75 Minuten kindgerechten Länge könnte gerade das düstere Finale des Animationsfilms mit seinen atemlosen Kämpfen Vorschulkinder aber arg strapazieren.

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