Biopic | Großbritannien 2016 | 1092 Minuten

Regie: Roger Goldby

Eine Serienverfilmung des autobiografischen Romans „Meine Familie und andere Tiere“, in dem der britische Zoologe Gerald Durrell auf seine Kindheit in den 1930er-Jahren zurückblickt und von der Auswanderung nach Korfu erzählt. Die Adaption schildert dies als komödiantische Familiensaga, wobei es immer wieder zu schrägen Missverständnissen der Briten mit ihren griechischen Nachbarn, lustigen wie dramatischen Abenteuern und romantischen Verwicklungen kommt. Eine eskapistisch-nostalgische Feel-Good-Serie über die Liebe zum sonnig-mediterranen Süden, die gleichzeitig ein Loblied auf eine unkonventionell-chaotische Familie anstimmt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE DURRELLS
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2016
Regie
Roger Goldby · Steve Barron · Niall MacCormick · Edward Hall
Buch
Simon Nye
Kamera
James Aspinall
Musik
Ruth Barrett · Jon Wygens
Schnitt
David Thrasher · Vicky Tooms
Darsteller
Keeley Hawes (Louisa Durrell) · Josh O'Connor (Lawrence Durrell) · Milo Parker (Gerald Durrell) · Daisy Waterstone (Margo Durrell) · Callum Woodhouse (Leslie Durrell)
Länge
1092 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Biopic | Drama | Komödie | Serie

Nostalgisch-eskapistische Familiensaga über eine Kindheit in den 1930er-Jahren auf Korfu, die auf dem autobiografischen Roman des britischen Zoologen Gerald Durrell basiert.

Diskussion

„Für einen Augenblick leuchteten die endlosen, gleichmäßigen Wogen des Meeres und wandelten sich dann zu einem tiefen, königlichen, grün gesprenkelten Purpur. Der Nebel lichtete sich in flüchtigen, geschmeidigen Bändern, und mit einem Mal lag die Insel vor uns.“ Wenn in dem autobiografisch inspirierten Roman „Meine Familie und andere Tiere“ des britischen Zoologen Gerald Durrell (1925-1995) dessen Familie auf Korfu landet, ist das wie eine sinnliche Erweckung: raus aus einem als trist geschilderten Bournemouth, rein in ein südliches Paradies, wo das „silbergrüne Schillern der Olivenbäume“ die Besucher empfängt und das Wasser in den Buchten „schmetterlingsblau“ schimmert. Das 1956 erschienene Buch ist in mehrfacher Hinsicht eine Liebeserklärung: die eines kosmopolitischen, in Indien geborenen Briten an ein Stück mediterranes Europa, dessen Flora, Fauna und Bewohner – und die eines Nesthäkchens an eine außergewöhnliche Familie.

Durrells Roman schildert in fiktionalisierter Form fünf Jahre aus seiner Kindheit, die er, seine verwitwete Mutter und die um einiges älteren Geschwister Larry, Leslie und Margo in den 1930er-Jahren im freiwilligen Exil auf der griechischen Insel verbrachten. Eine ebenso poetische wie humorvoll-satirische Feier des dortigen Lebens, wobei der spätere Zoologe und Tierschützer den kleinen Dramen, die seine Familie und ihre neuen korfiotischen Bekannten erleben, nicht mehr Raum einräumt als seinen kindlichen Beobachtungen der landschaftlichen Schönheiten und der Umtriebe von allem, was kreucht und fleucht, inklusive der plumpen Paarungsrituale der Schildkröten, den Jagdtechniken der Falltürspinnen oder einem spektakulären Clash zwischen Gecko und Gottesanbeterin.

Ventil für Fernweh & Aussteigersehnsüchte

Die Serienverfilmung „The Durrells“, deren erste von insgesamt vier Staffeln 2016 in Großbritannien startete, webt aus den in „Meine Familie und andere Tiere“ sowie in zwei Nachfolge-Bänden versammelten Anekdoten, Fragmenten aus der realen Biografie der Durrells sowie der künstlerischen Freiheit des Drehbuchautors Simon Nye eine komödiantische Familienserie, die sich von der literarischen Vorlage durchaus emanzipiert, ihr aber insofern gerecht wird, als auch sie ein eskapistisch-nostalgisches Ventil für Fernweh und nordeuropäische Aussteigersehnsüchte nach einem arkadisch-stressfreien, abenteuerlustigen und naturverbundenen Dasein bietet.

Zwar fließen die politischen Schatten des Faschismus, die sich in den 1930er-Jahren in Europa zusammenballen, in der vierten Staffel mit ein, und den materiellen Daseinssorgen wird deutlich mehr Raum als im Buch gegeben. Doch über weite Strecken sind die Erlebnisse der Figuren (wobei der Fokus hier weit mehr auf den Menschen als auf den Tieren liegt) so heiter wie das sonnig-südliche Wetter und so süffig wie der griechische Wein.

Aus der Perspektive eines 10-jährigen Jungen

Der junge Gerry (Milo Parker), aus dessen Ich-Perspektive der Roman geschildert ist, bildet auch hier das unbekümmerte Zentrum diverser Turbulenzen, die die exzentrischen Durrells um sich verbreiten wie ein Stein, der in einen See geplumpst ist. Der Blick auf die Eigenheiten der Korfioten, die mit der freundlichen „Invasion“ der Briten klarkommen müssen, ist ebenso satirisch (und dem ein oder anderen nationalen Klischee nicht abgeneigt), wie der auf Gerrys Familienmitglieder. Von der aufs andere Geschlecht neugierigen Margo (Daisy Waterstone) über den der Jagd verschriebenen Leslie (Callum Woodhouse) bis zum blasiert-bohemienhaften Möchtegern-Literaten Larry (Josh O'Connor), aus dem im realen Leben später tatsächlich ein anerkannter Schriftsteller wurde, sind die Darstellungen indes nie so überzeichnet, dass sie einem nicht auch ans Herz wachsen würden.

Durrell widmete sein Buch seiner Mutter Louisa und zollte ihr im Vorwort Respekt dafür, wie ein „sanfter, neugieriger und verständnisvoller Noah mitsamt ihrer merkwürdigen Brut dank außerordentlicher Geschicklichkeit ihre Arche durch die stürmischen Meere des Lebens“ gelenkt zu haben. Die Gestaltung dieser Figur (treffend gespielt von Keeley Hawes) greift diesen Respekt auf: Neben all den komischen Funken, die Hawes aus Louisas Versuchen schlägt, ihren chaotischen Kindern und den spleenigen neuen Bekannten mit Würde Grenzen zu setzen, lässt sie doch immer wieder auch ganz unironisch das Rückgrat der Figur als alleinerziehende Mutter erkennen.

Ein Herz für Tiere und Sonderlinge

Das Drehbuch von Simon Nye entfaltet einiges an Kreativität, wenn es gilt, Louisa, Gerry und die anderen Figuren mit Entwicklungen und Handlungssträngen zu versorgen, die im Gegensatz zu den schillernd-losen Beobachtungen der Bücher eine Seriendramaturgie tragen. Dabei gelingt immer wieder etwas, was ganz im Sinn von Gerald Durrell gewesen wäre – ein eingängiges Plädoyer für den Artenschutz, nicht nur bezogen auf die Tierwelt, sondern auch auf die Besonderheiten, Schrullen und Eigenheiten von Menschen.

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