Tag der Vergeltung - Ein Vater sieht rot

Thriller | USA 2018 | 94 Minuten

Regie: Wes Miller

Der Sohn eines afroamerikanischen Richters wird bei einer Autokontrolle von der Polizei erschossen. Der Vater fordert Gerechtigkeit, stößt jedoch auf ein Justizsystem, das sich gegenüber rassistisch motivierter Polizeigewalt als blind erweist. Deshalb greift er schließlich zu illegal-gewalttätigen Mitteln. Der Film geht zunächst durchaus substanziell auf die systematische Diskriminierung von Afroamerikanern in den USA ein, verliert sich dann aber in den allzu schlichten Genremustern eines Rachethrillers, der keinerlei konstruktive Antwort auf das Problem des Rassismus liefert. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
RIVER RUNS RED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Wes Miller
Buch
Wes Miller
Kamera
Ron Bourdeau · Michael Brouphy · Egor Povolotskiy
Musik
Pierre Heath
Schnitt
Rowan Maher
Darsteller
Taye Diggs (Charles Coleman, Sr.) · John Cusack (Horace) · George Lopez (Javier) · Luke Hemsworth (Von) · Gianni Capaldi (Rory)
Länge
94 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Tiberius
Verleih Blu-ray
Tiberius
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Ein Thriller über Polizeigewalt gegen Afroamerikaner. Der schwarze Sohn eines Richters wird bei einer Autokontrolle von der Polizei erschossen; sein Vater fordert Gerechtigkeit.

Diskussion

Er soll ihnen die Vorfahrt genommen haben. Das scheint zumindest für einen der beiden Polizisten Grund genug zu sein, um einen BMW zu verfolgen – den Wagen eines jungen Afroamerikaners. Die Cops sind sich uneins: „Ich habe ein Date mit einer Kubanerin. Ich will, dass sie sich sicher fühlt!“ – „Ich habe ein mieses Gefühl bei der Sache!“. Dieses miese Gefühl bestätigt sich. Der Fahrer zeigt seine Papiere, dreht sich zur Rückbank, um… „Waffe! Waffe!“ … seinen Führerschein zu angeln. Da erschießt der andere Polizist den Jugendlichen von hinten – wegen der durch Vorurteile gegen Schwarze gespeisten falschen Annahme, dass dieser eine Pistole zücke.

Autokontrollen und Schießereien

Die Szene könnte sich so ähnlich auf vielen Straßen der USA abspielen, wo das Thema der Polizeigewalt gegen Afroamerikaner anlässlich des Todes von George Floyd gerade brandaktuell ist und weltweit massive Proteste gegen Rassismus ausgelöst hat. Autokontrollen von Afroamerikanern, die mit Schusswechsel und -wunden enden, waren im Kino zuletzt vermehrt zu sehen, etwa in „The Hate U Giveund „Queen & Slim“. In „Queen & Slim“ erschießt ein afroamerikanischer Fahrer einen Polizisten, nachdem der seine Freundin verletzt hatte; der Schütze und die Frau, eine Anwältin, fliehen dann Richtung Grenze.

In „Tag der Vergeltung“ von Wes Miller ist ebenfalls ein Jurist, ein Richter, in den Fall involviert: Er ist der Vater des Mannes, der aufgrund der von Vorurteilen gespeisten Überreaktion der Polizisten sein Leben lassen muss. Charles Coleman (Taye Diggs) reagiert aber weder hysterisch noch aggressiv auf den Verlust. Als einziger schwarzer Jurist einer mittelgroßen US-Stadt möchte er als Vorbild dienen – selbst wenn es seinen eigenen Sohn betrifft. Charles’ Frau sieht das anders. Sie quittiert ihren Job bei der Polizei und fordert ihren Mann auf, dasselbe zu tun und für Gerechtigkeit zu sorgen.

Coleman geht der Ermordung seines Sohnes nach; er erkundigt sich beim ebenfalls schwarzen Bürgermeister, was bei den internen Untersuchungen herausgekommen ist. Doch auch wenn alle Mitleid mit ihm haben: Die Aussagen der Polizisten werden nicht infrage gestellt. Ein befreundeter Detektiv (John Cusack) findet immerhin belastbare Unterlagen von einem ähnlichen Fall, der mit einem toten Latino endete. Coleman sucht dessen Vater auf, der nur widerwillig zustimmt, gemeinsam die Stadt zu verklagen. Erst als das scheitert, gehen die beiden wütenden Väter ihren eigenen Weg.

Kapitulation vor der Wirklichkeit

„Ich habe dem System eine Chance gegeben“, rechtfertigt Coleman seinen Rachefeldzug. Genretypisch setzt die Inszenierung auf Selbstjustiz als scheinbar einzig mögliche Lösung. Im letzten Drittel nimmt der über weite Strecken leise-leidende Film dann das lärmende Tempo eines Rachethrillers auf. In seiner Konventionalität kapituliert der Film damit vor dem gesellschaftlichen Problem der systematischen Diskriminierung, für das er keinen konstruktiven Lösungsansatz anzubieten hat.

Am Anfang erklärt Coleman in einer Rückblende seinem Sohn als Kind: „Es gibt gute schwarze und weiße Menschen. Und es gibt schlechte schwarze und weiße Menschen.“ – „Woran erkennt man die?“ – „Das ist gar nicht so einfach.“ Mit dieser Ratlosigkeit endet auch der Film, denn er verdreht und pervertiert das Gut-Böse-Schema. Es gibt einen „good cop“ und einen „bad cop“. Der eine fühlt sich schuldig, der andere kümmert sich nur um seine Pension. Im Fall der Väter, die um jeden Preis Blut sehen wollen, wird die Empathie mit der anfänglichen Identifikationsfigur Coleman infrage gestellt. Zurück bleiben die Toten, die immer auch als Rechtfertigung für die nächste Kontrolle oder die nächste Schießerei dienen könnten. Ein Entkommen aus der Gewaltenspirale sucht man hier vergebens.

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