Die Königin und der Eroberer

Drama | Kolumbien 2020 | (60 Episoden) Minuten

Regie: Camilo Villamizar

Anfang des 16. Jahrhunderts verliebt sich eine junge indigene Frau aus der spanischen Kolonie Kolumbien, die von einem Konquistador verschleppt wurde, in einen verarmten spanischen Adeligen, den es auf der Flucht vor dem Gesetz in die „Neue Welt“ verschlägt und der ihre Gefühle erwidert. Aber immer wieder treibt das Schicksal die beiden auseinander. Kolumbianische Telenovela um eine Liebesgeschichte aus der Kolonialzeit als melodramatische Saga rund um historisch verbriefte Figuren. Dem Genre entsprechend schlicht gestrickt, hat sie dank ihrer Beleuchtung der spanischen Kolonialgeschichte aus lateinamerikanischer Perspektive durchaus ihre Meriten. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
LA REINA DE INDIAS Y EL CONQUISTADOR
Produktionsland
Kolumbien
Produktionsjahr
2020
Regie
Camilo Villamizar · Juan Carlos Vásquez
Buch
Jhonny A. Ortiz
Schnitt
Fabián Rodríguez
Darsteller
Essined Aponte (Catalina) · Emanuel Esparza (Pedro de Heredia) · Manuel Navarro (Diego Nicuesa) · Alejandro Muñoz (Alonso Montes) · Kepa Amuchastegui (Bartolomé de las Casas)
Länge
(60 Episoden) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Drama | Historienfilm | Serie

Eine Telenovela aus Kolumbien rund um eine Romanze aus der Kolonialzeit: eine verschleppte indigene Frau verliebt sich in einen verarmten spanischen Adeligen.

Diskussion

Zwischen Südspanien und den tropischen Stränden Kolumbiens liegen tausende von Kilometern offenes Meer, doch Anfang des 16. Jahrhunderts dehnt sich das spanische Kolonialreich immer weiter aus. In den tropischen Überseegebieten hoffen Eroberer und Glücksritter durch Gold und den Sklavenhandel reich zu werden, und auch für die spanische Krone ist die „Conquista“, die Eroberung der Neuen Welt, ein gigantisches Geschäft. Den indigenen Kulturen der Region bringen die spanischen Eroberer dagegen Tod und Vernichtung.

Das ist der Hintergrund der kolumbianischen Telenovela „Die Königin und der Eroberer“ („La reina de Indias y el Conquistador“), deren erste Staffel mit 60 Folgen kürzlich bei Netflix gestartet ist. Erzählt werden zunächst zwei parallele Geschichten: die einer verschleppten Kazikentochter und die eines jungen Lebemanns aus verarmtem südspanischem Adel. Die Indigene Kaitegua (Essined Aponte) – die später als „Catalina de Indias“ in die Geschichte einging – denkt, sie habe mit dem Tod ihrer Mutter das schlimmste denkbare Unglück schon erlebt. Aber dann wird ihr Dorf an der kolumbianischen Küste von spanischen Konquistadoren geplündert und abgebrannt, die Einwohner getötet, vergewaltigt oder versklavt; sie selbst wird von Capitán Diego de Nicuesa (Manuel Navarro) nach Santo Domingo entführt. Nicuesa (gestorben 1511) ist eine der großen Schulbuch-Figuren der spanischen Conquista; die Serie zeigt ihn als alternden Mann, der von der Leidenschaft zu der jungen Indigenen besessen ist und sie, als sie nicht seine Geliebte werden will, wie ein Tier einsperrt.

Begegnung auf dem Sklavenmarkt

Tausende Kilometer weiter östlich versucht derweil Pedro de Heredia (Emmanuel Esparza), seine Geliebte zu überzeugen, ihren Ehemann zu verlassen. Der wiederum lässt ihn von seinen Schergen bei einem nächtlichen Spaziergang fast tot prügeln. Tage später kommt es zu einem verhängnisvollen Streit, bei dem Pedro seinen Konkurrenten tötetet und sich dann auf der Flucht vor der Obrigkeit als blinder Passagier in die Neue Welt begibt. Beide Hauptfiguren, Pedro und Catalina, begegnen sich auf dem Sklavenmarkt von Santo Domingo, er gejagt von den Häschern des Gouverneurs, sie als Gefangene Nicuesas.

Die beiden entwickeln eine spontane Neigung füreinander, fliehen gemeinsam, aber schon bald trennen sich ihre Wege: Pedro wird verhaftet und zur todbringenden Zwangsarbeit in der Goldmine verurteilt. Catalina wird von einem jungen Indigenen, der rechten Hand des Dominikanerpaters Bartolomé de las Casas (Kepa Amuchastegui), gerettet und in einem Nonnenkloster versteckt. Er bringt ihr erstaunlich schnell Spanisch und die Grundlagen der christlichen Kultur bei, und zwar so gründlich, dass die wenig später getaufte Catalina sich vor dem Gerichtshof selbst gegen die Besitzansprüche von Nicuesa verteidigen kann. Für Bartolomé wird Catalina zu einem Präzedenzfall für die Behandlung der indigenen Bevölkerung durch die Spanier. Pedro muss derweil nach Spanien zurück, denn sein Bruder wurde verhaftet und soll an seiner Stelle hingerichtet werden. Catalina wiederum geht nach Santa Marta in Kolumbien, um nach ihrer Familie zu suchen...

Immer neue Schicksalsschläge für die Liebenden

Als typische Telenovela, in der immer neue Schicksalsschläge die Vereinigung der Liebenden vereiteln, ist „Die Königin und der Eroberer“ einfach gestrickt, nicht zuletzt dank des historischen Hintergrunds aber durchaus interessant. Die Serie zeigt, dass Kolumbien als politisches Konstrukt auf der Unterdrückung und Vernichtung der Gesellschaftsstrukturen der indigenen Hochkulturen beruht. Und dass aber auch, im Gegensatz zu Nordamerika, hier in Jahrhunderten eine Fusion aus spanischer und indigener Kultur entstanden ist. Dabei sind die Helden der Geschichte, die „Königin“ und der „Eroberer“, historisch verbürgt: „Catalina de Indias“, um 1495 geboren, vermittelte wirklich zwischen den spanischen Eroberern und den Indigenen; Don Pedro de Heredía ist als Gründer der Hafenstadt Cartagena de Indias bekannt.

Ob die beiden allerdings so intim geworden sind, wie es die Telenovela darstellt, darüber schweigen die Chronisten freilich. Auch die historischen Zusammenhänge sind eher grob zusammengefügt: Als Fray Bartolomé de las Casas durch sein glühendes Engagement für die Rechte der indigenen Bevölkerung bekannt wurde, lag der Kapitän Nicuesa schon einige Jahre auf dem Grunde des Meeres; realiter hätten die beiden also keine Gelegenheit gehabt für einen Disput über die Freiheit und die Menschenrechte einer indigenen Sklavin, wie ihn die Serie zeigt. Als Beleuchtung der spanischen Conquista aus lateinamerikanischer Sicht hat die Serie freilich trotz solcher Ungenauigkeiten durchaus ihre Meriten.

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