Into the Beat - Dein Herz tanzt

Coming-of-Age-Film | Deutschland 2020 | 98 Minuten

Regie: Stefan Westerwelle

Eine Ballettschülerin trainiert in Hamburg hart für ein Stipendium an der New York Ballet Academy, nicht zuletzt, weil auch ihr Vater ein gefeierter Ballettstar ist. Als sie zufällig in die Streetdance-Szene gerät, erliegt sie jedoch, angeleitet von einem attraktiven Tänzer, der Faszination des HipHop. Die junge Frau muss sich zwischen den beiden Karriere-Optionen entscheiden. Überzeugender, aufregend choreographierter Tanzfilm, der die Kluft zwischen U- und E-Musik verhandelt, aber auch die Schwierigkeiten von Lebensentscheidungen angesichts der Erwartungen anderer thematisiert. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Stefan Westerwelle
Buch
Hannah Schweier · Stefan Westerwelle
Kamera
Martin Schlecht
Musik
Andrej Melita
Schnitt
Valesca Peters
Darsteller
Alexandra Pfeifer (Katya) · Yalany Marschner (Marlon) · Ina Geraldine Guy (Feli) · Trystan Pütter (Victor) · Katrin Pollitt (Frau Nemec)
Länge
98 Minuten
Kinostart
16.07.2020
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Coming-of-Age-Film | Jugendfilm | Liebesfilm | Tanzfilm

Deutscher Tanzfilm über eine junge Ballettschülerin, die der Faszination des HipHop erliegt und sich fortan zwischen zwei Karrierewegen entscheiden muss.

Diskussion

Ein Streetdance-Film aus Deutschland? Warum eigentlich nicht! Immerhin gibt es hier genügend Talente, die sich von diesem uramerikanischen Genre einiges abgeschaut haben und verdammt gut tanzen können. Mit der Berliner Flying Steps Academy, gegründet von Vartan Bassil, gibt es zudem ein renommiertes Studio als Anlaufstelle, die Choreographen Pepita Bauhardt und Jeff Jimenez brauchen sich hinter den amerikanischen Vorbildern nicht zu verstecken. Orientierung sind die Streetdance-Filme für „Into the Beat“ von Stefan Westerwelle gleichwohl weiterhin, das merkt man an kleineren Klischees und Konflikten, die man aus Filmen wie Honey oder StreetDance 3D, einer britischen Produktion, kennt.

Katya, mit Charme, Natürlichkeit und ungemeiner Ausstrahlung dargestellt von Alexandra Pfeifer, ist eine talentierte Hamburger Ballerina, und das kommt nicht von ungefähr: Ihr Vater Victor (Trystan Pütter) ist ein berühmter Ballett-Star. Ein Erbe, das verpflichtet und fortgeführt werden muss: Katyas Ziel ist die New York Ballet Academy, ihre Chancen für ein Stipendium stehen gut, und darum trainiert sie hart. Da beobachtet sie zufällig in einem Club die Performance einer Gruppe von Streetdancern. Katya ist begeistert: die akrobatische Athletik, die selbstbewusst ausgestellte Körperlichkeit, die Synchronität der Körper, die Lust an der Bewegung. Streetdance ist so ganz anders als Ballett, Katya ist angefixt, und dann lernt sie den introvertierten Marlon kennen, der ihr die nötigen Moves beibringt. Gemeinsam könnten sie an einer Audition der weltbekannten Street-Dance-Crew Sonic Tigers teilnehmen, London, Rio, Tokio locken bei erfolgreichem Bestehen. So ein wenig ahnt Katya, dass sie nicht zum Ballett zurückkann. Ihr Vater hingegen ist anderer Meinung und besteht auf der Aufnahmeprüfung für die New York Ballet Academy.

Bildungsdünkel trifft Coolness

Klassik meets HipHop, Bildungsdünkel trifft Coolness – eine konfliktträchtige Melange, die man bereits aus StreetDance 3D kennt. Dort übte eine hübsche und versierte Breakdancerin, aus Mangel an anderen Räumen, ausgerechnet an der königlichen Ballettschule, deren Leiterin von keiner Geringeren als Charlotte Rampling verkörpert wurde. Hier ist es, in einem schönen Besetzungscoup, Helen Schneider, die man noch als schwarzlederne Rockröhre aus den 1980er-Jahren kennt. Einmal ist in Marlons Jugendzimmer sogar ein Plattencover von ihr zu sehen. Ballettschulleiterinnen sind im Film zumeist strenge Frauen, und darum wird hier die Kluft zwischen U- und E-Musik (die in Deutschland noch tiefer ist als in England oder Amerika) verhandelt, die Gegensätze zwischen den unterschiedlichen Tanzstilen wirken glaubwürdig.

Das Hauptaugenmerk des Films liegt aber, neben der Entscheidung eines jungen Mädchens über seinen zukünftigen Lebensweg im Zwiespalt zwischen den Erwartungen von Vater und neuem Freund, eindeutig auf den HipHop-Szenen, ob in coolen Lagerhallen oder mitten in der U-Bahn, wo sich die Tänzer den öffentlichen Raum frech aneignen und zur Bühne umfunktionieren. Die Choreographie ist perfekt, die Aggressivität der Bewegungen, das scheinbare Fehlen von Regeln, die Freiheit, die damit einhergeht, kommen anschaulich rüber. Die angesprochenen Klischees sind nicht so ausgeprägt wie in den Vorbildern und wirken darum nicht so schwer.

Hamburg von seiner besten Seite

Darüber hinaus ist „Into the Beat“ ein schöner Hamburg-Film: Schulterblatt mit der Kneipe Saal II, Hafen mit Cap San Diego, einmal schiebt Katya traurig ihr Fahrrad über die Elbbrücken, und am schönsten ist Hamburg natürlich von der anderen Elbseite aus gesehen. Bemerkenswert übrigens, dass von der Hautfarbe einiger schwarzer Tänzer kein großes Aufheben gemacht wird. Das ist es, was die „Black Lives Matter“-Bewegung meint.

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