SCHW31NS7EIGER: Memories - Von Anfang bis Legende

Dokumentarfilm | Deutschland 2020 | 113 Minuten

Regie: Robert Bohrer

Autorisiertes Dokuporträt, das die wichtigsten Stationen des 1984 geborenen Fußballers Bastian Schweinsteiger noch einmal Revue passieren lässt, der zu den erfolgreichsten deutschen Sportlern gehört. Mit viel Archivaufnahmen von früher Kindheit an, zahlreichen Interviews mit Weggefährten und unendlichen Wiederholungen aus Fußballspielen haftet dem mit viel Musik unterlegtem Film die Atmosphäre eines runden Geburtstags an, bei dem der Jubilar mit Reden und Anekdoten gehuldigt wird. Für ein ausgewogenes Porträt und einen Film in Kinolänge fehlt deutlich die Fallhöhe. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Robert Bohrer
Kamera
Max Preiss · René Richter · Valentin Schweiger
Musik
Martin Todsharow
Schnitt
Robert Deichmann · Matti Falkenberg · André Hammesfahr
Länge
113 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0
Pädagogisches Urteil
- Ab 10.
Genre
Dokumentarfilm

Dokumentarisches Porträt des deutschen Fußballstars Bastian Schweinsteiger im Stile eines huldigenden Geburtstagsständchens.

Diskussion

Die Fußball-Bundesliga findet wieder statt – keimfrei vor Geisterkulissen, um die Pandemie-Schutzbestimmungen einzuhalten und zugleich die wirtschaftlichen Einbußen dieser Corona-Rückrunde in Grenzen zu halten. Die Fans sind physisch noch ausgeschlossen und sollen die Partien gesittet vor dem Fernseher kommentieren. Und so wie in Sitcoms Gelächter vom Band kommt, können sie dort die Option Stadionatmosphäre wählen, um so zu tun, als sei alles wie früher. Es fühlt sich an wie Drogensubstitution. Irgendwie ist der Ersatzstoff nicht das Wahre, aber angeblich besser als nix.

In dieser seltsamen Zeit des Dazwischen erscheint bei Amazon Prime eine Dokumentation über den inzwischen verrenteten Fußballer Bastian Schweinsteiger. Er ist mit der pensionierten Tennisspielerin Ana Ivanovic verheiratet, mit der er auch zwei Kinder hat. Beide verstehen sich super, sind immer fröhlich. Auch Bastian spielt gern Tennis, dann lässt ihm Ana immer einen 30:0-Vorsprung. Ansonsten erzählt Regisseur Robert Bohrer von Schweinsteigers höchst erfolgreicher Fußball-Karriere. Zahllose Meistertitel und Pokalsiege mit Bayern München, der Champions-League-Sieg 2013 gegen Borussia Dortmund, natürlich der Weltmeistertitel 2014 mit dem bizarren 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale im Maracana-Stadion. Viel mehr ging nicht.

Wie auf dem runden Geburtstag eines verdienten Jubilars

Bohrers von Til Schweiger produzierte, vom Protagonisten autorisierte Fußballerbiografie „Schw31ns7eiger Memories – Von Anfang bis Legende“ kommt mit dem Zahlen-Voodoo im Titel daher, als habe man es mit Illuminaten oder Geheimagenten zu tun. 31 und 7 verweisen aber bloß auf Schweinsteigers Rückennummern bei den Bayern und in der Nationalelf. An Material mangelt es nicht. Aufnahmen des sportbegeisterten Bastian, der schon mit drei Jahren in den Fußballverein kam, aber auch ein begabter Skifahrer war. Selbstgedrehte Videos aus der Bayern-Tiefgarage, natürlich die zahllosen Fußballspiele. Die Kamera ist „hautnah dabei“. Es geht zu wie auf dem runden Geburtstag eines verdienten Jubilars. Fußball-Prominenz plaudert, stets positiv, über den Gehuldigten. Rummenigge, Hoeneß, Kahn, andere. Nur Philipp Lahm fehlt.

Dieser Film erzählt eine Erfolgsgeschichte. Sicher, Schweinsteiger hat wichtige Spiele verloren wie das Champions-League-Finale 2012 im eigenen Stadion gegen Chelsea. Seine Zeit bei Manchester United war nicht sonderlich erfolgreich. Und bei seinem fußballerischen Altersruhesitz Chicago Fire hat er die Play-Offs zweimal hintereinander verpasst.  Doch das erscheint zu verschmerzen angesichts der großen Erfolge. Für jede Situation hält der Film opulente Musik bereit, von pompösen Streichern bis zu verletzlichem Singer-Songwriter-Gedudel. Jedes größere Spiel wird ausladend kommentiert.

Viel Bejubelung, wenig Fallhöhe

Der Dokumentation über den gutgelaunten Schweinsteiger fehlt die Fallhöhe. Ein hochbegabter Sportler war er, gewiss. Aber eine Legende? Über Diego Maradona, den in Neapel noch immer Schreine ehren, erschien im vergangenen Jahr ein faszinierendes Porträt von Asif Kapadia (ebenfalls bei Amazon Prime verfügbar). Diego war ein Junge aus den Slums von Fiorito, der mit 15 seine Familie vom Fußball ernährte und später den ewig erfolglosen SSC Neapel zum Titel führte. Der genialste Fußballer seiner Zeit, der irgendwann abstürzte und sich, mit kurzen Unterbrechungen, seit 30 Jahren zum Gespött macht. Schweinsteiger und auch Toni Kroos (über den jüngst ebenfalls eine Kinodoku erschien) gehören einer anderen, bodenständigen Welt an, entstammen stabilen Verhältnissen. Maradona war larger than life und auf dem Rasen ein „Instrument Gottes“. Von diesem Abgesandten konnte man nicht erwarten, dass er auf dem Boden blieb. Bastian Schweinsteiger war ein wahnsinnig erfolgreicher Fußballer. Aber doch nur ein Fußballer.

Kommentar verfassen

Kommentieren