Wonder Woman 1984

Abenteuer | USA/Südkorea/Spanien 2020 | 151 Minuten

Regie: Patty Jenkins

In den 1980er-Jahren bekommt es die inkognito als Archäologin arbeitende Superheldin Wonder Woman mit einem Artefakt zu tun, dessen magische Kräfte Wünsche erfüllt. Das weckt nicht nur bei ihr das Verlangen, ihren toten Geliebten wieder ins Leben zurückzuholen; auch ihre unscheinbare Mitarbeiterin und ein gewissenloser Geschäftsmann nutzen mit gefährlichen Konsequenzen die Macht des Steins. Die Fortsetzung eines Superhelden-Actionfilms kokettiert mit der zeitlichen Verortung in einer schrillen Welt zwischen Modeverirrungen und Kaltem Krieg und besitzt einige reizvolle Sequenzen. Die Figuren hingegen bleiben blass und gehen weitgehend in einer stückwerkhaften Geschichte unter. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
WONDER WOMAN 1984 (3D)
Produktionsland
USA/Südkorea/Spanien
Produktionsjahr
2020
Regie
Patty Jenkins
Buch
Dave Callaham · Geoff Johns · Patty Jenkins
Kamera
Matthew Jensen
Musik
Hans Zimmer
Schnitt
Richard Pearson
Darsteller
Gal Gadot (Diana Prince / Wonder Woman) · Chris Pine (Steve Trevor) · Pedro Pascal (Max Lord) · Connie Nielsen (Hippolyta) · Robin Wright (Antiope)
Länge
151 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Abenteuer | Action | Comicverfilmung | Fantasy

Fortsetzung des Superhelden-Actionspektakels „Wonder Woman“, in dem die Amazone im Jahr 1984 auf einen magischen Stein stößt, der Wünsche wahr werden lassen kann. Woraus neue macht- und geltungshungrige Gegner erwachsen.

Diskussion

Diana Prince alias Wonder Woman (Gal Gadot) hat ihre Lektion gelernt: Das Schicksal herauszufordern, heißt zu verlieren. Alles geschieht zu seiner Zeit. Das musste sie als Kind schmerzlich von ihrer Mutter und Königin Hippolyta (Connie Nielsen) lernen und später erneut erkennen, als sich ihre große Liebe Steve Trevor (Chris Pine) zur Zeit des Ersten Weltkriegs im Kampf opferte.

Nun schreibt man das Jahr 1984. Als Wonder Woman gibt sie ihr Bestes, um in den überschwänglichen 1980er-Jahren auf der Erde für Recht und Ordnung zu sorgen. Ein vereitelter Raubüberfall hier, ein zu verhinderndes Unglück da; ansonsten bleibt das erfüllende, aber unspektakuläre bürgerliche Leben als angesehene Archäologin am Smithsonian Institute in Washington, D.C. Es könnte schlimmer sein. Immerhin schaut ihre neue Mitarbeiterin Barbara Ann Minerva (Kristen Wiig) zu ihr auf, für die es anscheinend ganz normal ist, nicht beachtet zu werden. Doch Diana mag ihre unscheinbare Kollegin, mit der sie ein seltsames Artefakt untersucht. Die Polizei hat den Stein kürzlich bei einem Überfall geborgen und bis zur Klärung ins Museum gegeben.

Eine eigentümliche Kraft scheint von diesem uralten Gegenstand auszuströmen, die Begehrlichkeiten weckt. Etwa bei Maxwell Lorenzano (Pedro Pascal), der seinen Kunden und Investoren der Black Gold Cooperative gerne das Blaue vom Himmel verspricht. Er weiß um das Geheimnis des Steines, der bei Berührung Wünsche erfüllt. Diana erkennt schnell, dass es besser wäre, den Stein nicht in seine Hände fallen zu lassen. Doch auch sie hat Wünsche, die sie ums Leben gern verwirklicht sähe.

Über die Konsequenzen von Träumen

Alle drei Protagonisten werden mit den Konsequenzen ihrer Träume konfrontiert – und „Wonder Woman 1984“ hat seine Geschichte: Diana bekommt ihren geliebten Steve zurück, Barbara avanciert peu à peu zu einer Art dunkler „Wonder Woman“ und der windige Max verleibt sich den Stein im wahrsten Sinne des Wortes ein, um zum ganz und gar nicht uneigennützigen Weltenlenker zu werden. Doch zumindest Diana ahnt, dass das kein gutes Ende nehmen kann. Je dominanter das neue „Ich“ in der von Minderwertigkeitsgefühlen zermürbten Barbara wird, desto schwächer werden die Superkräfte von Wonder Woman. Und je mächtiger der mit dem Wunschstein verschmolzene Max Lord wird, weil er die Wünsche seiner Kunden manipuliert, desto größer die Gefahr von Chaos und Katastrophe in der Welt.

Die Zutaten für einen Superheldenfilm sind in „Wonder Woman 1984“ gar nicht schlecht. Ein Wahnsinniger mit Allmachtsfantasien, eine verwundbare Unverwundbare, die große, aber nach wie vor ungewisse Liebe, und eine potenziell neue Göttin am Superhelden-Firmament, die mit ihrem Gottsein nicht klarkommt. Und all das auf der Bühne der höchst irdischen 1980er-Jahre mit ihren Modeauswüchsen, Haarspray-Frisuren und geopolitischen „Kalte Kriegs“-Konflikten. Es hätte ein großes, flippiges, spannendes Spektakel werden können, wenn man nur ein vernünftiges Rezept für all die Zutaten gefunden hätte. Doch „Wonder Woman 1984“ ist kein Gaumenschmaus.

Da beginnen Regisseurin Patty Jenkins und ihre Co-Autoren mit ein wenig Historie und lassen die kindliche Wonder Woman in einem Amazonenwettstreit erste Sporen verdienen. Schön anzusehen, aber für den Verlauf der Geschichte völlig redundant. Dann starten sie in die eigentliche Story mit ein wenig neuzeitlicher 1980er-Jahre-Action, bei der man Wonder Woman im Kostüm auf Heldentour begleitet. Noch schöner anzusehen, aber nur ein leeres Versprechen.

Menschliche Emotionen im Superheldendasein

Im dritten Anlauf folgt dann eine nahezu actionfreie Phase, um den Personen der Handlung Zeit zur Entwicklung zu geben. Bei der Protagonistin ist das ein höchst interessantes Experiment, da einer überirdischen Superheldin endlich zugestanden wird, eine (kostümfreie) menschliche Entwicklung zu nehmen. Auch wenn dieser Exkurs die Nerven von Actionfans auf eine harte Probe stellen dürfte, sind diese Sequenzen des Films die gelungenen und zum Finale hin gar herzzerreißend, wenn es darum geht, menschliche Emotionen ins Superheldendasein zu retten.

Leider bleibt auch dieser intensive Teil von „Wonder Woman 1984“ nur Geplänkel. Denn der Versuch, den Antagonisten charakterliche Tiefe und eine Handlungsmotivation zu geben, scheitert kläglich. Zum einen ist der Bösewicht nicht überzeugend genug, denn Max Lord ist weder charismatisch besetzt noch wirklich bedrohlich. Das hässliche Entlein hätte damit die interessanteste Figur der Geschichte werden können, zumal sie mit der Komikerin Kristen Wiig ansprechend besetzt ist. Doch das Drehbuch schmälert die Entwicklung des Charakters durch eine schäbige Rächersequenz an einem asozialen Frauenbelästiger, weshalb Barbara Ann Minerva trotz der beachtlichen Filmlänge von zweieinhalb Stunden viel zu wenig Leinwandzeit erhält, um sich glaubhaft zur Superheldin Cheetah zu entwickeln. Statt zum heimlichen Star zu werden, bleibt Kristen Wiig nur ein mediokrer Showdown gegen Wonder Woman in einem geschmacklosen Outfit.

Eigentümlich stückwerkhaft

„Wonder Woman 1984“ bleibt trotz großartiger Sequenzen eigentümlich stückwerkhaft. Wenn man in einem solchen Spektakel als Zuschauer mehr Zeit damit verbringt, sich über die hanebüchen eingeleitete Rückkehr des verstorbenen Steve Trevor zu wundern oder über den Kerosinverbrauch eines Düsenjets auf dem Nonstopflug von Washington nach Ägypten Gedanken zu machen, dann läuft dramaturgisch etwas grundlegend falsch. Die Filmreihe hätte Besseres verdient. Vielleicht ist ja für Teil 3 noch ein letzter Wunsch frei.

Kommentar verfassen

Kommentieren