The Last Days of American Crime

Comicverfilmung | USA 2020 | 148 Minuten

Regie: Olivier Megaton

Eine Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von Rick Remender und Greg Tocchini: In einer nahen Zukunft hat die US-Regierung eine Technologie entwickelt, die es ermöglicht, mittels eines ausgesendeten Signals Menschen daran zu hindern, gegen das Gesetz zu verstoßen. Ein Gangster tut sich mit einem Kollegen und einer Hackerin zusammen, um vor der endgültigen Einführung dieser Technologie den Coup des Jahrhunderts und das letzte Verbrechen der amerikanischen Geschichte durchzuziehen. Der Action-Thriller bringt kaum Interesse für sein Überwachungsstaats-Szenario auf, versteht aber auch nicht als schlichtes Heist Movie zu überzeugen: Der arg bemühte Stilwille des Films produziert, wie der unnötig breit ausgewalzte Plot und die ungelenke Inszenierung der Action, vornehmlich Langeweile. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Olivier Megaton
Buch
Karl Gajdusek
Kamera
Daniel Aranyó
Musik
The Limiñanas · David Menke
Schnitt
Mickael Dumontier
Darsteller
Edgar Ramírez (Graham Bricke) · Anna Brewster (Shelby Dupree) · Michael Pitt (Kevin Cash) · Sean Cameron Michael (Pete Slatery) · Tamer Burjaq (Ross King)
Länge
148 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Comicverfilmung | Science-Fiction | Thriller

Eine Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von Rick Remender und Greg Tocchini: Ein Gangster plant vor der Einführung einer Technologie, die alle Verbrechen verhindern wird, einen letzten großen Coup.

Diskussion

Es ist die letzte Woche, die der US-Bevölkerung bleibt, um selbstständig Entscheidungen zu treffen. Graham Bricke (Édgar Ramírez) entscheidet wie ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat. Seine Gang hat ihn verraten, die sieben Millionen Dollar schwere Beute aus den jüngsten Raubzügen ist weg, sein Bruder soeben im Gefängnis gestorben, und das sogenannte „API-Signal“, das die USA vor dem endgütigen Kollaps durch die eskalierende Straßengewalt bewahren soll, wird in sieben Tagen das Land erfassen. Jeder Mensch, der sich dann im Staatsgebiet aufhält, wird durch die Strahlen einer Art Instant-Aversionstherapie unterzogen, die ihn daran hindert, Gedanken auszuagieren, die gegen das Gesetz verstoßen. Da nahezu jeder Einfall von Bricke ein Verbrechen nach sich zieht, wird es für ihn Zeit, nach Kanada zu entkommen – nach einem letzten Coup. Zusammen mit Kevin (Michael Pitt), dem verzogenen Sohn eines Mafia-Bosses, und dessen Frau, der Hackerin Shelby (Anna Brewster), plant er in den letzten Minuten des US-amerikanischen Verbrechens den größten Raub aller Zeiten.

Der Entwurf des Überwachungsstaats bleibt schwammig

Für die überdrehte Dystopie, die sich hinter dieser Prämisse verbirgt, interessiert sich der Film kaum. Was auf dem Papier wie eine Kreuzung der „Purge“-Reihe, „Clockwork Orange“ und „Strange Days“ von Kathryn Bigelow aussieht, ist in Wirklichkeit eine Comic-Adaption, die weder ein Gespür für die Weltuntergangsstimmung entwickelt noch einen einzigen Gedanken an den Entwurf des Überwachungsstaates verschwendet. „The Last Days of American Crime“ ist ein Heist-Movie, das in ein dystopisches Amerika stolpert. Abgesehen von den gelegentlichen Kopfschmerzen, mit denen das API-Signal in der Testphase die Kriminellen lähmt, wirkt sich das nicht weiter auf den Film aus.

Regisseur Olivier Megaton verbannt seine Vision einer totalüberwachten Zukunft auf diverse Fernsehbildschirme. Auf ihnen tun irgendwelche Experten abstruse Meinungen kund, während ein Timer die langen Stunden bis zum Signalbeginn live herunterzählt. Selbst die Mechanik des Heist-Genres, die das Potenzial hat, jede noch so kantige Figur und jedes noch so abstruse Setup plattzuwalzen, bis es in die berechenbar spannende Ereignisabfolge passt, scheitert an der zerfaserten und ungelenken Inszenierung. Der Raub wird so sehr gestreckt, umgeleitet und verkompliziert, dass für Spannung schlichtweg kein Platz bleibt. Ironischerweise bilden die Actionszenen dabei die frustrierendsten und langwierigsten Umwege auf dem Weg zum Reichtum.

Ein Spätzünder aus dem Tarantino-Klon-Geschlecht

Michael Pitt und Anna Brewster versuchen als Bonnie-und-Clyde-Zweckehe-Pärchen, den Film zumindest mit der Kraft des Overactings aus der Eintönigkeit zu zerren, während Édgar Ramírez nur routiniert und gelangweilt coole Sprüche flüstert. Der ständige Zwang, Szenen mit einer Punchline oder einem klassischen Popsong (oder einem Amalgam aus beiden) zu vergolden, lässt den Film als fernen Nachfahren der Tarantino-Klone erscheinen, die in den späten 1990er-Jahren die Kinos heimsuchten.

Der Stilwille, mit dem „The Last Days of American Crime“ dabei so energetisch wie tölpelhaft vorprescht, zeigt umso schmerzhafter auf, wie spät der Film auf dieser Party erscheint. Das erste Aufeinandertreffen zwischen Bricke und Shelby, das sich nach einem kurzen Plausch an der Bar als Sexszene auf der Toilette fortsetzt, illustriert ziemlich genau, wie gewaltig Olivier Megaton auf die Tube drückt, um direkt gegen eine Wand zu laufen. Die Abendsonne brennt mit aller Kraft einen rotgoldenen Glanz der Leidenschaft auf die beschmierten Kacheln, während Brewster und Ramírez gelangweilt aneinander rumfummeln und eine Technoversion des Stooges-Klassiker „I Wanna Be Your Dog“ dröhnt. Ein Dreisatz, der wie so vieles im Film in seiner fast aggressiven Missachtung der Regeln des guten Geschmacks durchaus reizvoll klingt, im Ergebnis aber nur Langeweile produziert.

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