Action | USA 2020 | Minuten

Regie: Jet Wilkinson

Eine nach einem Unfall schwerverletzte Jugendliche erwacht eines Tages mit einem mysteriösen Artefakt im Rücken, entdeckt Superkräfte an sich und soll zur Anführerin eines geheimens Orden kriegerischer Nonnen werden, die im Dienst der katholischen Kirche die Mächte der Hölle bekämpfen. Als Kritikerin von Glauben und Kirche zögert sie, diese angebliche Bestimmung anzunehmen, findet sich aber bald inmitten blutiger Konflikte wieder. Die Serie verarbeitet Motive eines Comics zu einer spannenden Coming-of-Age-Geschichte um eine „Heldin wider Willen“. Neben gut umgesetzter Kampf-Action geht es ebenso um Überzeugungs-Konflikte zwischen Vertretern eines säkularen und eines religiösen Weltbilds sowie zwischen verschiedenen Haltungen zur Kirche und ihren Hierarchien. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
WARRIOR NUN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Jet Wilkinson · Simon Barry · Mathias Herndl · Agnieszka Smoczynska · Sarah Walker
Buch
Simon Barry
Kamera
Christopher LaVasseur · Imanol Nabea
Schnitt
Christopher A. Smith
Darsteller
Alba Baptista (Ava) · Toya Turner (Shotgun Mary) · Lorena Andrea (Lilith) · Kristina Tonteri-Young (Beatrice) · Olivia Delcán (Camilla)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Action | Comicverfilmung | Fantasy | Serie

Adaption einer kanadischen Comic-Serie, die von einem Mädchen erzählt, das wider Willen zur Auserwählten eines geheimen katholischen Ordens wird, dessen Nonnen gegen das Böse kämpfen.

Diskussion

Ava Silva (Alba Baptista) ist 19 und tot. Aufgebahrt liegt sie in einer Kirche. „My whole life I dreamt about being dead“, lässt sie uns wissen. Nach einem Autounfall, bei dem ihre Eltern ums Leben kamen, lag sie viele Jahre querschnittsgelähmt in einem Waisenhaus und wurde von einer misanthropischen Krankenschwester gepeinigt. Doch schlagartig wird ihr ein neues Leben geschenkt oder besser verabreicht. Sie wird zur neuen Auserwählten eines geheimen katholischen Ordens, nachdem die bisherige Auserwählte im Kampf gestorben ist. Damit ist Ava auch die neue Trägerin des „Heiligenscheins“. Das mysteriöse Artefakt ist in ihrem Rücken eingepflanzt, und es verleiht ihr, wie sie bald merkt, erstaunliche Fähigkeiten: Wunden heilen, ihre Körperkraft ist gesteigert, und sie kann plötzlich Wesen sehen, die für andere unsichtbar sind: Dämonen. Nicht uncool, so ein Implantat – aber damit fangen die wirklichen Probleme erst an. Denn den Heiligenschein zu tragen, bedeutet eine gehörige Portion Verantwortung.

Eine Divine Tragedy

Ava soll als oberste „Warrior Nun“ einen geheimen Orden anführen, der sich dem Kampf gegen das Böse verschrieben hat – nicht mittels Gebet, sondern Kampfkunst. Zu den Nonnen gehören u.a. Shotgun Mary (Toya Turner), Spezialistin für Handfeuerwaffen, Sister Beatrice (Kristina Tonteri-Young), Meisterin im Schwertkampf, Sister Lilith, die eigentlich die neue Trägerin des Heiligenscheins hätte werden sollen, und Sister Camila (Olivia Delcán), die gerade erst ihre Ausbildung abgeschlossen hat.

Ava indes sträubt sich dagegen, ihren Platz in dieser Gruppe, ihre angebliche Bestimmung als neue Auserwählte, anzunehmen. Sie ist kein religiöser Mensch, und statt sich dem Orden anzuschließen, will sie viel lieber ihr neu gewonnenes Leben nutzen, sich bewegen, verlieben, Spaß haben. Doch hat sie diese Option? Ehrgeizige Nonnen einerseits, fiese Dämonen namens Tarasque andererseits sind hinter ihr her, die nur von der Trägerin eines Schwerts aus einem besonderen Metall zu bezwingen sind. Bei der scheiternden Mission zu Beginn, bei der die vorherige Auserwählte stirbt und Ava ins Spiel kommt, geht es um eben dieses göttliche Material, das Divinum. Dessen besondere Kraft wiederum bleibt auch der Wissenschaftlerin Jillian Salvius (Thekla Reuten) und ihrer Organisation nicht verschlossen; sie hofft, damit in neue Dimensionen vordringen zu können, gerät mit ihrem Interesse am Divinum indes mit der Kirche aneinander, die sich als dessen Hüterin sieht: ein Handlungsstrang, in dem der uralte Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft ins Spiel kommt.

Superheldin wider Willen

„Warrior Nun“ basiert lose auf der kanadischen Comic-Serie „Warrior Nun Areala“, die seit 1994 erscheint. Die Nonnen der TV-Serie sind weniger Superheldinnen als vielmehr eine Sondereinheit der Kirche, die schnell und präzise wie Ninjas vorgehen und auch ganz ähnlich gekleidet sind. Im Unterschied übrigens zu den Nonnen in der Frühzeit der Comic-Serie, als es Beschwerden über die allzu knappe und daher selbstverständlich für Nonnen etwas widersinnige Bekleidung gab. Mit der exklusiv für die Serie erfundenen Hauptfigur der Ava setzt der Plot auf das Motiv der Heldin wider Willen, das sich häufig in Superhelden-Stoffen findet; sie dient auch als Identifikationsfigur einer jungen Zuschauerschaft, in der vermutlich viele der Welt des Katholizismus ähnlich kritisch-distanziert begegnen, wie es Ava tut. Die Serie zeichnet diese Welt zudem zwiespältiger als es die Comics tun: Es gibt zwar durchaus die sympathischen Idealisten und Idealistinnen, die selbstlos für das Gute kämpfen, aber es gibt auch undurchsichtige Figuren wie den Kardinal Duretti (Joaquim de Almeida), der als Vertreter des Vatikan nicht zuletzt Machtinteressen im Blick zu haben scheint und für den bisweilen der Zweck die Mittel heiligt, wie Ava zu spüren bekommt.

Trotz vieler (durchweg solide umgesetzter) Action finden sich in der Serie so auch Elemente eines Verschwörungs-Thrillers, in der verschiedene Parteien Agenden verfolgen, die Ava nur allmählich entwirren kann. Dazu kommen kontemplative Momente, die in die Psychologie der Figuren gehen, in denen ihre schmerzhaften Vergangenheiten, das innere Ringen um den richtigen Weg im Zentrum stehen; und in einer Episode liegt der Fokus ganz auf Ava und Mary, die sich im Auftrag von Father Vincent (Tristán Ulloa), dem geistlichen Leiter der Nonnen, der neuen Trägerin des Heiligenscheins in besonderer Weise annimmt.

Internationaler Cast

Die US-amerikanische, in Spanien gedrehte Produktion wartet mit imposanten Settings und einem bemerkenswert internationalen Cast auf. Alba Baptista als Ava ist Portugiesin, und an ihrer Seite finden sich weitere Schauspieler portugiesischer wie auch spanischer, französischer, italienischer, niederländischer, kolumbianischer und US-amerikanischer Herkunft. Baptista gelingt es, sowohl die existentielle Schwere, die auf Ava lastet, nachvollziehbar zu machen als auch jugendlichen Leichtsinn und Übermut sowie die Neugier auf neue Erfahrungen zum Ausdruck zu bringen, die Ava eine beschwingte Leichtigkeit und Lässigkeit verleihen. Ihre nicht aufdringliche Erzählerstimme, die sich immer wieder kommentierend zu Wort meldet, trägt wesentlich zur zielgruppengerechten Teenager-Tonalität bei – wobei die Action zwischendurch so drastisch wird, dass Netflix die Serie vernünftigerweise erst ab 16 empfiehlt.

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