Serie | Großbritannien 2020 | Minuten

Regie: Andreas Prochaska

Ein jugendlicher Schüler tritt nach der Ermordung seines Onkels in dessen Fußstapfen als Geheimagent. Undercover soll er herausfinden, was es mit einem abgelegenen, mysteriösen Elite-Internat hoch oben in den französischen Alpen auf sich hat. Die Adaption der erfolgreichen Buchreihe setzt vor allem auf Schauwerte und wandelt auf den Spuren von James Bond und Jason Bourne. Obwohl sich die Versatzstücke an die erwachsenen Vorbilder anlehnen, verspielt die Serie aufgrund dramaturgischer Nachlässigkeiten allerdings ihre Chance, durch den jugendlichen Protagonisten eine neue Perspektive zu öffnen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
ALEX RIDER
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2020
Regie
Andreas Prochaska · Christopher Smith
Buch
Guy Burt
Kamera
Ben Wheeler
Musik
Raffertie
Schnitt
Richard Smither · Ben Whitehead
Darsteller
Otto Farrant (Alex Rider) · Ronke Adekoluejo (Jack Starbright) · Brenock O'Connor (Tom Harris) · Vicky McClure (Mrs. Jones) · Ace Bhatti (Crawley)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Serie

Eine Jugend-Spionage-Serie nach der gleichnamigen Buchreihe von Anthony Horowitz um den jüngsten Geheimagenten des MI6: Der Londoner Teenager Alex Rider tritt in die Fußstapfen seines verstorbenen Agenten-Onkels und ermittelt undercover in einem Elite-Internat in den französischen Alpen.

Diskussion

Ein Umstyling ist nötig. Um einen Platz in dem geheimnisvollen Eliteinternat „Point Blanc“ zu bekommen, das sich hoch oben in den französischen Alpen befindet, muss der Schüler Alex Rider eine neue Identität annehmen. Aus Alex Rider wird Alex Friend, der vormalige Scheitel wird jetzt locker wuschelig in die Stirn gekämmt, die Klamotten werden ein wenig chilliger – und fertig.

Schon diese Szene aus der Agentenserie, die sich vor allem an ein jugendliches Publikum richtet und auf der erfolgreichen Buchreihe von Anthony Horowitz basiert, macht eines der größten Probleme sichtbar. Behauptung ist wichtiger als Logik, der Schauwert wichtiger als die Glaubwürdigkeit. Die nachlässig erzählte Handlung strotzt nur so vor Ungereimtheiten, über Motive und Intentionen der Figuren sollte man sich am besten keine Gedanken machen. So ist die achtteilige erste Staffel vor allem stylisch und cool geworden. Wummernde Bässe bestimmen den Rhythmus der Erzählung, die mal in dem in die Jahre gekommenen Berginternat, mal in einer britischen Milliardärsvilla und dann wieder im ultramodernen Agentenquartier im rauen Industrial-Look spielt oder in düsteren Parkhäusern. Im Mittelpunkt steht, verkörpert von Otto Farrant, ein Jugendlicher, der mehr mit einem Model gemein hat als mit einem Agenten und der James Bond einmal so richtig alt und verbraucht aussehen lässt.

Ein Teen-Agent auf Undercover-Mission im Intrigen-Internat

Die Handlung entsendet den Schüler in den Fußstapfen seines Onkels, der vor kurzem von zwielichtigen Agenten ermordet wurde, zu einer Undercover-Mission nach Frankreich, wo er in das besagte „Point Blanc“-Internat eingeschleust werden soll. Der Schule geht ein zweifelhafter Ruf voraus. Verzogene, rebellische Jugendliche wurden dort hingeschickt. Der einzige, der bislang wieder in die Gesellschaft zurückgekehrt ist, ist nicht wiederzuerkennen: Schon nach kurzer Zeit hat dieser den Posten seines unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommenen Vaters eingenommen und sich zum einflussreichen Unternehmensboss gemausert. Seither sorgt allein die Erwähnung des Namens „Point Blanc“ in der Geheimdienstszene schon für große Unruhe und manch einen Todesfall.

Es dauert bis zur dritten Folge, bis die zunächst holprige Handlung Fahrt aufnimmt. Lange mäandert sie zwischen Schulalltag und Geheimdienstszenen, die sich noch nicht richtig einordnen lassen, und erzählt gar über eine komplette Episode, wie Alex Rider entführt, regelrecht gefoltert und damit auf Herz und Nieren für eine Karriere in der Geheimdienstzelle, für die schon sein Onkel gearbeitet hat, getestet wird. Dass der junge Mann nicht der ist, der er zu sein scheint, und offenbar – ohne sich dessen bewusst zu sein – schon herausragende Agentenroutinen abrufen kann, spinnt diese Staffel allerdings nicht weiter aus. Die Origin Story des Helden soll offenbar später folgen. Was aber auch nicht sonderlich schlimm ist, zumindest nicht für die Hauptfigur. Denn im Gegensatz zu Jason Bourne hat Alex Rider offensichtlich überhaupt kein Problem damit, Dinge zu können, von denen er nicht weiß, wann und wo er sie erlernt haben soll.

Standards des Agenten-Genres werden herbeizitiert, fügen sich nicht zu einem stimmigen Ganzen

Obgleich die wichtigsten Elemente für einen Spionagefilm alle enthalten sind – von internen Verschwörungen über eindrucksvoll ins Bild gesetzte exotische Schauplätze bis hin zu größenwahnsinnigen Wissenschaftlern – fügen diese sich nicht zu einem stimmigen Ganzen. Das alles unterhält und sieht nett aus, fesselt aber nicht. Und das liegt auch daran, dass aus Alex Rider kein Held wird, der jenseits seines Äußeren für sich einnimmt, und dass die Szenen zwischen den Jugendlichen zu wenig Charme haben.

„Alex Rider“ allein aufgrund des jugendlichen Protagonisten als Coming-of-Age-Agentenserie einzuordnen, wäre daher ein grobes Missverständnis. Denn um die typischen Coming-of-Age-Themen geht es hier gar nicht. Alex entwickelt sich nicht im Laufe des Films. Er reift nicht, gewinnt keine neuen Einsichten, ist am Ende genauso selbstbewusst wie zu Beginn. Kurzum: Mit Erwachsenwerden hat die Serie leider nichts zu tun. Statt diese Chance zu nutzen und die Genreversatzstücke durch Jugendfilmthemen in ein neues Licht zu rücken, platziert die Handlung lediglich eine jugendliche Hauptfigur in einem Spionageplot, der es in seiner fantastischen Ausgestaltung mit einer James Bond-Geschichte aufnehmen will.

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