Horror | Südkorea 2020 | 94 Minuten

Regie: Kim Kwang-bin

Ein Architekt, dessen Frau bei einem Autounfall ums Leben kann, tut sich schwer, seinen Beruf und die Sorge um seine trauernde Tochter unter einen Hut zu bringen. Ein Umzug aufs Land soll zu einem Neuanfang verhelfen. Doch in einem alten Wandschrank lauert etwas Unheimliches, das den Charakter des Mädchens verändert und es dann glänzlich verschwinden lässt. Stimmungsvoller, solide inszenierter Gruselfilm aus Südkorea, dessen dämonische Geisterwesen zwar nicht sonderlich originell ausfallen, der in der Schilderung einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung aber eine stablie emotionale Basis besitzt, um mit den Figuren zu bangen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE CLOSET
Produktionsland
Südkorea
Produktionsjahr
2020
Regie
Kim Kwang-bin
Buch
Kim Kwang-bin
Kamera
Choi Chan-mi
Musik
Jo Yeong-wook
Schnitt
Kim Sang-beom
Darsteller
Ha Jung-woo (Sang Won) · Yool Heo (Yi Na) · Kim Nam-gil (Kyeong Hoon) · Kim Si-ah (Myung Jin) · Park Sung-woong (Myung Jins Vater)
Länge
94 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horror

Heimkino

Verleih DVD
Capelight/Al!ve
Verleih Blu-ray
Capelight/Al!ve
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Ein Geisterfilm um einen alleinerziehenden Vater, der seine kleine Tochter an ein jenseitiges Übel zu verlieren droht.

Diskussion

Haunted-House-Horror ist oft auch Familien-Horror. Wenn der Ort, der ein Heim sein soll, durch Flüche, Dämonen oder Geister zu etwas Unheimlichem wird, dann stehen dabei oft auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der Bewohner auf dem Prüfstand. Filmemacher haben dieses Genre immer wieder genutzt, um suggestiv von schwierigen Eltern-Kind-Konstellationen zu erzählen: von Gewalt, Überforderung, Vernachlässigung, Entfremdung oder Schuldgefühlen. Aller Ballast, der eine solche Beziehung belasten kann, findet in den Heimsuchungen anschauliche Manifestationen.

Ein herausragendes Beispiel dafür ist „Der Babadook“ von Jennifer Kent, in dem die gleichnamige Schreckensgestalt, die eine alleinerziehende Mutter und deren verhaltensauffälligen Sohn heimsucht, zum gruseligen Sinnbild für unterschwellige Aggressionen wurde.

Eine verstümmelte Kleinfamilie

Auch im südkoreanischen Horrorfilm „The Closet“ stehen ein alleinstehender Vater und seine Tochter im Mittelpunkt. Sang Won hat seine Frau bei einem Autounfall verloren, bei dem er selbst am Steuer saß; mit ihr scheint auch der Kitt verschwunden zu sein, der seine Kleinfamilie zusammenhielt. Die elfjährige Tochter Yina hat sich in sich zurückgezogen und verweigert jede Kommunikation. Offensichtlich war der Vater schon immer wenig präsent in ihrem Leben, weil seine Arbeit als Architekt ihn zu sehr in Anspruch nahm; und auch nach dem Tod der Mutter und dem Umzug in ein geräumiges Haus auf dem Land scheint er nicht vorzuhaben, das zu ändern und einen intensiveren Kontakt zu seinem Kind zu suchen. Stattdessen lässt er sich vom Druck in der Firma an die Arbeit ziehen und schaut sich nach Kindermädchen und einem Platz in einem Kunstcamp um.

Sein Wunsch, sich nicht weiter um Yina kümmern zu müssen, wird bald auf unerwartete Weise erfüllt. Schon aus dem filmischen Intro, das aus Found-Footage-Material gestaltet ist und ein fatales Exorzismus-Ritual zeigt, weiß man, dass in dem alten Wandschrank in Yinas Zimmer etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Nachdem das Mädchen eine erste, schockartige Begegnung mit dem hatte, was darin lauert, zeigt das Mädchen zunächst beunruhigende Charakterveränderungen und ist dann eines Tages wie vom Erdboden verschwunden.

Das war es nicht, was Sang Won wollte! Die Polizei kann dem trauernden Vater nicht helfen. Erst ein junger Exorzist macht ihm klar, dass das, was Yina geholt hat, nicht von dieser Welt ist. Gemeinsam nehmen die beiden Männer den Kampf um das Kind auf, was für Sang Won nichts anderes heißt, als dass er sich seinen Versäumnissen stellen muss.

Werdet gute Väter – oder sterbt eines grausigen Todes!

Nachdem „The Closet“ schon in seiner Eröffnungssequenz einen blutigen Akzent gesetzt hat, lässt der Film das Geisterhafte eine Weile dezent aufscheinen; erst mit dem Auftauchen des Exorzisten, wenn die Karten auf dem Tisch liegen, verliert das Böse seine Scheu und bringt sich machtvoll in der physischen Welt zur Kenntnis.

Das ist für Horrorfilme immer ein heikler Punkt, da die manifeste Bedrohung gegenüber dem zuvor angeheizten Kopf-Kino allzu oft enttäuschend ausfällt. In „The Closet“ ist sie in Gestalt dämonischer Grusel-Kinder handwerklich solide, aber ebenfalls nicht gerade originell umgesetzt.

Dass der Film trotzdem funktioniert, ist seinem guten Gefühl für Timing und dem wohldosierten Einsatz des Sound- und Musikdesigns geschuldet, aber auch dem Umstand, dass man dank der sorgfältigen Exposition und der Darstellerleistungen emotional schon so weit in Sang Wons Vaterschafts-Dilemmata involviert ist, dass es zum Mitfiebern genügt.

Dass „The Closet“ beim (relativ schlichten) Showdown im mysteriösen Schattenreich, das hinter der Wandschranktür lauert, einen arg moralisierenden Ton annimmt, mag man verzeihen; männlichen Horrorfans ein dräuendes „Werdet gute Väter – oder sterbt eines grausigen Todes!“ zuzuraunen, kann nicht schaden.

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