XConfessions Night

Episodenfilm | Spanien 2019 | 115 Minuten

Regie: Erika Lust

Die Kinoversion der Pornofilm-Reihe „XConfessions“ dreht sich um erotische Geständnisse. In acht Episoden zeigt der feministisch angelegte Pornofilm diese mit expliziten Sexszenen, die sich von der herabwürdigenden und stumpfen Präsentation des pornografischen Mainstreams abgrenzen und Sex als Begegnung zweier (heterosexueller) Partner auf Augenhöhe zeigen. Die dazugehörigen Handlungsrahmen bieten zwar oft weniger als die bekannten Klischees, doch zumindest in einer der Episoden schafft es der Film, sexuelle und filmische Motive geschickt zu einem Abbild der Ekstase zu verschmelzen.

Filmdaten

Originaltitel
XCONFESSIONS NIGHT
Produktionsland
Spanien
Produktionsjahr
2019
Regie
Erika Lust · Nuria Monferrer · Carolina Wallace
Kamera
Thais Català · Toni Abad · Simón Garcia-Miñaur
Darsteller
Lana Sue · Mónica Ox · Parker Marx · Bel Gris · Luke Hotrod
Länge
115 Minuten
Kinostart
24.09.2020
Fsk
ab 18
Genre
Episodenfilm | Erotikfilm

Kinoversion einer feministisch inspirierten Pornofilmreihe in acht Episoden.

Diskussion

Der Erotikfilm ist praktisch ausgestorben. Sein großes Refugium, die Videoproduktion, die sich einst auch im Nachtprogramm des Fernsehens einnistete, ist nach der unaufhaltsamen Expansion der Pornografie fast völlig verschwunden. Aus den Schmuddelkinos heraus eroberte der Pornofilm die Schmuddelecken der Videotheken und dann den endlosen Raum des Internets, der seinen Siegeszug exponentiell beschleunigte.

Die schwedische Autorin, Produzentin und Regisseurin Erika Hallqvist, besser bekannt unter dem Pseudonym Erika Lust, war eine der ersten Regisseurinnen, die ein feministisches und positives Gegenbild zur gewaltigen Masse der gleichförmigen, meist misogynen und unter miserablen Produktionsbedingungen entstehenden Pornofilme schuf. „It’s time for porn to change“, lautet die simple Devise, unter der Lust seit mehr als 15 Jahren das produziert, was sie „ethische Pornografie“ nennt.

Ein positives Bild von Ekstase

Die „XConfessions“-Reihe, die mittlerweile mehr als 23 Filme umfasst, ist eines ihrer Hauptprojekte. Als eine ursprünglich über Crowdfunding finanzierte Filmreihe beschränkt sie sich nicht auf lustlose Rammelei, allgegenwärtige Silikonbrüste und unsichtbare Männer, die als Penetrationsmaschinen für eine Form des Geschlechtsverkehrs herhalten, bei dem von Frauen lediglich das Erdulden erwartet wird, sondern steht für ein positives, von Frauen entworfenes und produziertes, aber nicht weniger explizites Bild der Ekstase.

„XConfessions Night“ ist eine Art „Best of“ der Reihe, bei dem neben Erika Lust auch Nuria Monferrer und Carolina Wallace Regie führen. Der aus acht Episoden konstruierte Film nimmt einen seit langer Zeit unbesetzten Platz im deutschen Kinobetrieb ein. Die inhaltliche Grundformel ist simpel: Acht Kurzgeschichten, basierend auf erotischen Fantasien, die zu Beginn des jeweiligen Kapitels als Text eingeblendet werden. Das Spektrum ist entsprechend breit: Eine Frau begehrt ihren Schwager, eine Pilotin ist erregt von der Euphorie ihres Schülers, ein Skilehrer wird mit einer Urlauberin verkuppelt, ein gealterter Mann erinnert sich über eine Virtual-Reality-Brille an eine alte Liebesbeziehung.

Glaubhaftere Begegnungen

Dem Genre entsprechend sind die Handlungsstränge kurzgehalten. Das Ende ist ohnehin bekannt. So stellt sich hauptsächlich die Frage, ob und wie Erika Lust ihre Vision der ethischen Pornografie einlöst. Die entscheidende Verschiebung gegenüber dem „herkömmlichen“ heterosexuellen Pornofilm ist das ausbalancierte Machtverhältnis zwischen den Geschlechtspartnern. Die oft passive Rolle der Frau wird hier vor und während des Sex abgeschafft. Die Frau ist der Pilot, der Mann der ängstliche Schüler. In einer anderen Episode ist es die Frau, die den Mann beobachtet, der nackt aus dem Pool steigt.

Subtil oder besonders einfallsreich sind die Geschichten von „XConfessions Night“ kaum. Eine Szene, in der ein alter Mann eine frühere Liebesbeziehung durch eine Virtual-Reality-Brille erlebt, illustriert den Modus, in dem „Mann“ die Handlungsphasen erlebt, recht gut: Er überspringt diverse Szenen des Alltagslebens, bis er endlich bei einer erotischen Begegnung gelandet ist. Diese Begegnungen bringen ebenfalls wenig Neues hervor. Auch hier gibt es Zeitlupen, wie sich eine Frau Milch über ihre nackten Brüste gießt. Allerdings ist der eigentliche Sex im Unterschied zu einem x-beliebigen Video eben deutlich glaubhafter als erregende und sinnliche Begegnung identifizierbar.

Gewagter: Crossdressing-Date

Einen wirklich gewagten oder künstlerischen Ansatz präsentiert Lust erst in der letzten Episode. Sie erzählt von einem Date, das als Rollentausch inszeniert wird. In der Montage gespiegelt, bereiten sich Mann und Frau für die Verabredung vor. Sie gelt ihre Haare zurück, er pudert sein Gesicht; sie tauscht den BH gegen eine Bandage, er trägt Lippenstift auf; sie schiebt eine Penisattrappe in ihre Boxershorts, er zieht sich Reizwäsche an. Das Crossdressing-Date wird nicht von gestelzten Dialogen getragen, sondern von einem Voice-Over, das in die unweigerliche Sexszene übergeht, die auch deswegen speziell ist, weil sie nicht nur den Geschlechtsverkehr abbildet. In einer Variation der Parallelmontage gleiten die bereits vertauschten Geschlechterrollen fließend ineinander über. Männliche und weibliche Lust gehen in der gleichen Ekstase auf.

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