Horror | USA 2020 | 88 Minuten

Regie: Will Wernick

Ein junger Influencer, der mit privaten Videos auf YouTube zum Internet-Star avanciert, wird von vier Freunden nach Moskau eingeladen, um dort in ein Escape-Room-Abenteuer zu bestehen. Unausgegorene Mischung aus Internet-Kritik und Horrorfilm, die sich mit einigen blutrünstigen Folterszenen nahe an der Grenze zum Torture Porn bewegt. Interessanter als die groben Attraktionen sind einige originelle Bildideen und das detailfreudige Setdesign, das den Escape Room als ein düster-schmutziges Labyrinth entwirft, aus dem es keinen Ausweg gibt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
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Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Will Wernick
Buch
Will Wernick
Kamera
Jason Goodell
Musik
Crystal Grooms Mangano
Schnitt
Cris Mertens
Darsteller
Holland Roden (Erin) · Ronen Rubinstein (Alexej) · Keegan Allen (Cole) · Pavel Lychnikoff (Andrej) · Denzel Whitaker (Thomas)
Länge
88 Minuten
Kinostart
20.08.2020
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horror

Thriller um einen begehrten US-Influencer, der sich auf ein Escape-Room-Abenteuer in Moskau einlässt.

Diskussion

Es beginnt schnell, fast ein wenig exaltiert. Cole ist ein Influencer mit eigenem Youtube-Kanal. Schon seit Kindertagen lädt er hier Videos hoch. „Escape From Life“ heißt sein VLOG. In rascher, verwackelter Bildfolge sind Szenen aus seinem Alltag zu sehen, in denen er seine Mitmenschen mit inszenierten Aktionen angenehm überrascht oder böse erschreckt. Stets sind im Bild auch Kommentare der User eingeblendet; animierte Herzen fliegen ihm zu, die Anzahl der Clicks und Likes steigt rasant. So ist Cole zum Social-Media-Star aufgestiegen.

Regisseur Will Wernick schildert die Welt der Influencer prägnant und einsichtig. Cole macht sein Privatleben öffentlich. Wichtig ist ihm zuallererst die perfekte Präsentation seiner Clips und das Lob seiner Fans. Er ist ein guter Schauspieler, der um die Wichtigkeit der Übertreibung weiß. Seine Persönlichkeit versteckt Cole gezielt hinter einer Fassade gutgelaunter Lockerheit. Allerdings lernt man ihn auf diese Weise nicht kennen, weshalb es schwerfällt, sich mit ihm als Zuschauer zu identifizieren.

Eine Leiche & diverse Schneidewerkzeuge

Die Handlung kommt in Gang, als sich vier Freunde für den attraktiven Kerl eine Überraschung ausdenken. Zunächst besteigen sie die Erste Klasse eines Flugzeuges. Kaum in der Luft, erfährt Cole das Ziel: Moskau. Dort soll es in einen Escape Room gehen, bei dem er und seine Freunde bestimmte Aufgaben lösen müssen, um wieder ins Freie zu gelangen. Cole winkt gelangweilt ab – Escape Rooms hat er schon einige hinter sich. Dieser aber sei besonders, versichern ihm die Freunde, er sei persönlich auf ihn zugeschnitten und schwer zu knacken. Nach der Ankunft im Hotel und der Besichtigung des Roten Platzes geht es los. Plötzlich findet sich Cole allein in einer Gefängniszelle wieder, vor sich eine unbekannte männliche Leiche und allerlei Schneidegeräte.

Von da an bewegt sich der Film im Fahrwasser des Torture Porn Genres, dessen durch „Hostel“ und „Saw“ sowie deren Fortsetzungen gepushte Beliebtheit mittlerweile schon abgeflaut ist. Die Hintermänner des Escape Rooms haben sich einige Fallen und Rätsel ausgedacht, die es in sich haben, etwa eine mit Dornen gespickte Eiserne Jungfrau, die sich langsam schließt.

Männer mit Masken und Schürzen

Der Ausgang dieser Spannungssituationen, die Rettung in letzter Sekunde, überzeugt durch eine originelle Lösung: Cole muss innerhalb kurzer Zeit mehrere schwere Zahnräder zu einem übergroßen Uhrwerk zusammenbauen, um den todbringenden Mechanismus zu stoppen. Intelligenz, räumliches Vorstellungsvermögen und Verständnis für automatische Abläufe helfen ihm dabei. Eine schöne Bildidee, die durch das schmutzige und rostige Setdesign noch unterstützt wird. Der Gefängniskeller ist dunkel und verwinkelt, ein düsteres Labyrinth, aus dem es keinen Ausweg gibt.

Eine Hommage an „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ ist die 3-Liter-5-Liter-Knobelaufgabe, bei der durch geschicktes Umschütten des Wassers aus zwei Kanistern eine bestimmte Menge übrigbleiben muss. Doch spätestens, wenn starke Männer mit nacktem Oberkörper, entstellenden Masken und schwarzen Gummischürzen auftauchen, geht es sehr blutig, grausam und mitunter unerträglich zu.

Eine überraschende Schlusspointe

Seine Spannung bezieht der Film nicht aus diesen groben Attraktionen, sondern aus der schleichenden Wandlung der Hauptfigur. Aus Cole, dem eitlen, selbstbewussten Influencer mit dem flotten Haarschnitt, wird ein von Panik ergriffenes Opfer. Der Regisseur aber hat längst einen zweiten Boden eingezogen; mit der Ironie der überraschenden Schlusspointe konnte wirklich niemand rechnen.

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