Blackbird - Eine Familiengeschichte

Drama | USA/Großbritannien 2019 | 97 Minuten

Regie: Roger Michell

Englischsprachiges Remake des dänischen Films „Silent Heart“ um eine schwerkranke Frau, die an einem Wochenende ihre Familie in ihrer mondänen Villa an der US-Ostküste versammelt, um anschließend mit der Hilfe ihres Mannes aus dem Leben zu scheiden. Das aber können ihre beiden Töchter nur schwer akzeptieren. Oberflächliches Drama, bei dem die existenziellen Probleme einer künstlichen Aufgeregtheit weichen, die vom eigentlichen Thema vielfach ablenken. Zudem lässt sich der Film nie so auf die Konflikte ein, dass die Figuren glaubhaft werden würden. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
BLACKBIRD
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2019
Regie
Roger Michell
Buch
Christian Torpe
Kamera
Mike Eley
Musik
Peter Gregson
Schnitt
Kristina Hetherington
Darsteller
Susan Sarandon (Lily) · Kate Winslet (Jennifer) · Mia Wasikowska (Anna) · Sam Neill (Paul) · Rainn Wilson (Michael)
Länge
97 Minuten
Kinostart
24.09.2020
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama

Englischsprachiges Remake eines Dramas um eine schwerkranke Frau, die ihre Familie versammelt, um aus dem Leben zu scheiden.

Diskussion

Mit „Silent Heart“ kam im Jahr 2016 ein Film von Bille August in die Kinos, in dem es um Sterbehilfe ging. Eine unheilbar kranke Frau versammelt ein Wochenende lang ihre Familie um sich, in der Absicht, später dann mit der Hilfe ihres Mannes aus dem Leben zu scheiden. Das Drehbuch stammt von Christian Torpe. Nun hat er es für das englischsprachige Remake „Blackbird“ noch einmal adaptiert. Eine britische Produktion, die gleichwohl an der Ostküste Amerikas spielt, an einem nicht näher genannten, sehr zurückgezogenen Ort. Hier lebt Lily (Susan Sarandon) mit ihrem Mann Paul (Sam Neill), einem pensionierten Arzt, in einer sündhaft teuren Villa. Lily leidet unheilbar an ALS, einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems. Sie wird bald sterben.

Mit Paul hat sie bereits den Zeitpunkt ihres Todes vereinbart – sie möchte nicht die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Darum hat sie an diesem Wochenende ihre Familie eingeladen, um sich von ihr zu verabschieden. Ihre Familie – das sind ihre beiden Töchter Jennifer (Kate Winslet) und Anna (Mia Wasikowska) mit ihren jeweiligen Partnern plus einem Enkelsohn sowie Lilys älteste Freundin (Lindsay Duncan). Die Schwestern könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Jennifer mit ihrer lieblosen Lebenstüchtigkeit alles kontrollieren will, kommt die depressive Anna mit dem Leben nur schwer zurecht. Den Wunsch ihrer Mutter, in Würde zu sterben, können sie nur schwer akzeptieren. Sie haben ihre eigenen Probleme. Deshalb kommt es zwischen den Mahlzeiten und auf Spaziergängen am Meer zu Anschuldigungen und Vorwürfen, Offenbarungen und Beichten.

Es passt nur wenig zusammen

Plötzlich meint man, ein Drama von Ingmar Bergman zu sehen oder „Das Fest“ von Thomas Vinterberg. Darauf verweisen auch die Beschränkung auf einen Ort, das Zeitfenster von wenigen Tagen und das Zusammenspiel der namhaften Darsteller. Doch die existenziellen Probleme dieser filmischen Bezüge weichen einer künstlichen Aufgeregtheit, bei der sowohl der Ton der Dialoge als auch die schauspielerische Interpretation der Figuren nicht stimmt. Missgünstige Verdächtigungen verkauft Christian Torpe als gültige Wahrheiten; das Drehbuch täuscht Bedeutung vor, wo es keine gibt.

Das spiegelt sich auch im Spiel der Darsteller. Besonders Kate Winslet, mit schwarzer Perücke und großer, die Augen verbergender Hornbrille kaum wiederzuerkennen, wurde von Regisseur Roger Michell zu einer nervösen, überkandidelten Darstellung angehalten, die das Wesen dieser unzufriedenen, entrüsteten und vorwurfsvollen Hausfrau nicht trifft. Schlimmer noch ist, dass ihre Anschuldigungen und Verdächtigungen vom Thema der Sterbehilfe wegführen. Viel zu kalt und unbeteiligt wird es diskutiert, von den moralischen Fallstricken ganz abgesehen.

Man gewinnt beinahe den Eindruck, als ob Michell sich von anderen Aspekten des Films habe ablenken lassen, dem Set Design zum Beispiel. Man schaue sich nur einmal die Villa an mit ihren großen Fensterfronten, der blitzsauberen, sterilen Einbauküche und den modernen Möbeln, die keine Gemütlichkeit ausstrahlen. Hier möchte man nicht wohnen.

Pop statt Klassik

Auch für die Qualen einer unheilbaren Krankheit findet Michell kaum einprägsame Bilder. Nur in der ersten Szene sieht man, wie Lily mit schmerzverzerrtem Gesicht langsam aufsteht, sich umständlich anzieht und dann auf unsicheren Beinen, das Geländer fest im Griff, die Treppe in die Küche hinuntergeht, wo sie den langweiligen Klassik-Sender, den Paul in falscher Rücksichtnahme eingestellt hatte, auf flotten Pop umschaltet. Lily will gut gelaunt sterben – ein fast schon rebellischer Akt. Es wird der einzige bleiben.

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