The Postcard Killings

Literaturverfilmung | USA 2020 | 100 Minuten

Regie: Danis Tanovic

Ein US-Detective will in London seine frisch verheiratete Tochter und ihren Ehemann besuchen. Doch schon am Flughafen erfährt er, dass das Paar grausam ermordet und verstümmelt wurde. Bald häufen sich in anderen europäischen Großstädten ähnliche Morde. Der Detective ermittelt auf eigene Faust, weil er in Europa keine Zuständigkeit besitzt. Ein unerquicklicher, dramaturgisch nachlässig inszenierter Thriller, der sich nur auf die Attraktion seiner grausamen Morde verlässt, darüber hinaus aber wenig zu sagen hat. Zudem agiert der Hauptdarsteller unbeholfen und macht seine Figur zu keiner Zeit glaubhaft. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE POSTCARD KILLINGS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Danis Tanovic
Buch
Andrew Stern · Ellen Brown Furman
Kamera
Salvatore Totino
Musik
Simon Lacey
Schnitt
Sean Barton
Darsteller
Jeffrey Dean Morgan (Jacob Kanon) · Cush Jumbo (Dessie Lombard) · Joachim Król (Klau Bublitz) · Famke Janssen (Valerie Kanon) · Steven Mackintosh (Rupert Pearce)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Literaturverfilmung | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
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Ein US-Detective sucht in Europa auf eigene Faust nach dem Mörder seiner Tochter, der die Opfer grausam verstümmelt und in Anlehnung an berühmte Kunstwerke drapiert.

Diskussion

Spätestens seit David Finchers „Sieben“ gehen Serienkiller im Kino nicht nur äußerst grausam zu Werke; ihre Morde vermitteln auch eine Botschaft, indem am Tatort absichtlich Hinweise hinterlassen oder auf dem Postwege angekündigt werden. Diese Bekanntmachungen sind mitunter sehr kryptisch; es braucht dafür Ermittler mit Fantasie. Oder Bauchgefühl. „The Postcard Killings“ verrät schon im Titel das Mitteilungsbedürfnis des Übeltäters. Weil er seine Leichen so drapiert, dass sich aus dem Arrangement Anspielungen auf berühmte Kunstwerke entnehmen lassen, lohnt sich unter Umständen sogar ein Besuch im Museum. Ob so auch im wahren Leben gemeuchelt wird, darf bezweifelt werden: Es ist einfach zu unpraktisch; von der Gefahr, frühzeitig entlarvt zu werden, ganz zu schweigen.

Ein Krimi von James Patterson

Doch um Wahrscheinlichkeiten geht es in „The Postcard Killings“ kaum. Der Film beruht auf einem Bestseller von James Patterson, der mittlerweile mehr Bücher verkauft als Stephen King. Immerhin lieferte er schon die Vorlagen für „…denn zum Küssen sind sie da“ und „Im Netz der Spinne“, beide jeweils mit Morgan Freeman. Das waren keine großen Krimis, doch angesichts der neuesten Patterson-Verfilmung denkt man fast ein wenig wehmütig an sie zurück.

Ursprünglich war der New Yorker Detective Jacob Kanon nach London geflogen, um seiner Tochter und ihrem frisch angetrauten Gatten zur Hochzeit zu gratulieren. Doch schon am Flughafen erfährt er von Scotland Yard, dass das Paar grausam ermordet wurde. Die Leichen sind verstümmelt und eigentümlich drapiert – in einer Weise, die an ein altes Gemälde erinnert; eine Postkarte kündigte die Tat an. Kanon will bei den Ermittlungen helfen, doch Scotland Yard kann den US-Amerikaner nicht gebrauchen. Also ermittelt er auf eigene Faust.

Man ahnt: Es wird weiter gemordet, erst in München (was den Auftritt von Joachim Król als Kommissar rechtfertigt), dann in Stockholm. Weitere Stationen sind Madrid, Amsterdam und Brüssel – Europa ist, das weiß man seit „American Werewolf“, für US-Amerikaner ein gefährliches Pflaster. Zwischendurch präsentiert Regisseur Danis Tanovic ausführlich und intensiv einen Verdächtigen mit Bart, langen Haaren, Tätowierungen und beängstigendem Benehmen. Der Film widmet dieser Fährte aber viel zu viel Aufmerksamkeit, um kurz darauf, eine halbe Stunde vor Ende, unvermittelt die wahre Lösung zu verraten.

Intuition allein ist zu wenig

Plötzlich ist die Luft raus und die Spannung weg. Jetzt treten auch die Schwächen von „The Postcard Killings“ deutlicher zu Tage. Der Regisseur präsentiert kaum noch Anhaltspunkte für eine stringente Ermittlung. Als Kanon von seiner Stockholmer Kollegin gefragt wird, woher er wisse, dass ein Verdächtiger lüge, antwortet er: „Ich weiß es einfach!“ Eine Unbestimmtheit, die das Publikum außen vor lässt. Hinzu kommen Unglaubwürdigkeiten, etwa dass der deutsche Kollege Amtshilfe gewährt, obwohl Kanon offiziell gar nicht ermitteln darf. Immerhin gelingen Joachim Król als resigniertem Kommissar einige lakonische Bonmots.

Schnelle Schnitte sollen den Erzählfluss auf Trab bringen, wacklige und schiefe Bilder das Interesse erhöhen – vergeblich. Und dann gibt es noch die unbeholfene Darstellung von Jeffrey Dean Morgan. Er überzeugt weder als trauernder Vater, der soeben auf grausame Weise seine Tochter verloren hat, noch als taffer Ermittler, der – einmal von der Leine gelassen – keine Grenzen mehr kennt. Sich nur auf sein Bauchgefühl zu verlassen, ist dann doch zu wenig.

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