Above Suspicion (2019)

Literaturverfilmung | USA 2019 | 100 Minuten

Regie: Phillip Noyce

Eine als Drogenhändlerin tätige Frau in einer wirtschaftlich heruntergekommenen US-Kleinstadt wird von einem FBI-Agenten zur Zusammenarbeit gezwungen. Als sie mit dem Beamten eine Affäre beginnt, geraten beide in eine Abwärtsspirale, die auf eine Gewalttat zusteuert. Auf einem wahren Kriminalfall fußender Thriller, der durch eine unausgeglichene Charakterzeichnung kaum Sympathie für die weibliche Hauptfigur zulässt. Das schwache Drehbuch wird auch durch gute Darsteller nicht aufgewertet. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ABOVE SUSPICION
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Phillip Noyce
Buch
Chris Gerolmo
Kamera
Elliot Davis
Musik
Dickon Hinchliffe
Schnitt
Martin Nicholson
Darsteller
Emilia Clarke (Susan Smith) · Jack Huston (Mark) · Sophie Lowe (Kathy Putnam) · Johnny Knoxville (Cash) · Thora Birch (Jolene)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Literaturverfilmung | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Leonine
Verleih Blu-ray
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Thriller um eine Frau in einer verarmten Kleinstadt, die mit Drogen dealt und von einem FBI-Agenten nicht nur als Informantin missbraucht wird.

Diskussion

Pikeville, Kentucky. In der US-amerikanischen Kleinstadt gibt es nur zwei Arten, Geld zu verdienen: als Bestatter oder als Drogendealer. Die Erzählerin Susan Smith bereut es, nicht im Beerdigungsbusiness zu arbeiten. Sie dealt mit Drogen und war früher selbst ein Junkie. Ihr arbeits- und antriebsloser Ehemann hockt nur zuhause auf dem Sofa; die beiden Kinder toben durch das Haus des Trailerparks, während im Hinterzimmer zwei fremde Mitbewohner schlafen. Susan lässt sich nichts anmerken. Sie kommandiert die Dealer und ihren Ehemann derb herum.

Eines Tages taucht der FBI-Agent Mark Putnam in Pikeville auf, um Banküberfällen nachzugehen. Susans ominöse Mitbewohner entpuppen sich als die gesuchten Verbrecher heraus – und Susan als wichtigste Informantin für Putnam. Da sie und ihr Bruder mit Drogen zu tun haben, sind sie leicht zu erpressen. Schwierig wird es erst, als Putnam und Susan eine Affäre beginnen. Der FBI-Mann ist verheiratet und hat ein Kind; Susan hat ebenfalls Mann und Kinder. Außerdem steht ein Gerichtsverfahren an, bei dem sie als Zeugin auftreten soll.

Eine Tote erzählt

Der Thriller „Above Suspicion“ von Phillip Noyce basiert auf einem realen Fall aus den 1980er-Jahren. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Susan wurde von Putnam ermordet. Susans Voice-Over und die zu Beginn gezeigte Suche nach ihrer Leiche im Wald legen nahe, dass die Erzählung wie in Billy Wilders Boulevard der Dämmerung von einer Toten stammt. Das wird „Above Suspicion“ aber zum Verhängnis, denn Susan behauptet Dinge, die sie gar nicht wissen kann.

Damit hängt auch zusammen, dass ihre Figur kaum greifbar wird. Emilia Clarke spielt die Hinterwäldlerin mit genuscheltem Akzent, doch ihre Motivation und ihre Taten bleiben widersprüchlich. Einerseits will sie den Drogen abschwören, ist aber ständig stoned. Sie will von Männern unabhängig sein, läuft aber dem Agenten hinterher. Sie kooperiert mit dem FBI, verrät die Razzia aber den Dealern. Empathie kommt so nicht zustande.

Wie unglücklich ihre Charakterzeichnung geraten ist, zeigt sich vor allem im letzten Viertel des Films. Da wird Susan vollends zur Psychopathin, die es mit der Rolle von Glenn Close in Eine verhängnisvolle Affäre locker aufnehmen kann. Susan bedroht im Junkie-Modus mit bekifftem Blick, wilden Haaren und dreckigen Zähnen ihren Lover, reißt den Lenker herum, bringt beide in Todesgefahr und schlägt auf ihn ein. Da nützt es auch nichts, dass in ihrer Version Putnam noch heftiger auf sie einprügelt. Die Sympathien sind klar auf Seiten des Manns, den Jack Huston voller Selbstzweifel und in ständiger Panik spielt. Sie hat ihn verraten, sie droht ihm und nötigt ihn, sich zu wehren. Die Tatsache, dass er sich selbst den Behörden stellt und alles gesteht, spricht ihm einen höheren Selbstreflexionsgrad und mehr moralische Integrität zu als der Frau. So wird die Figur des Täters vielschichtiger als die des Opfers.

Desorientierung im Hinterland

Pikeville, Kentucky. Die Kleinstadt verfügt über keine Minen mehr, hat nur noch wenige Jobs und viele Trennungen. Die meisten Kameraeinstellungen sind hektisch und gekippt, das Sonnenlicht ist kaltblau. Etwas plakativ illustrieren die Filmemacher, wie im Hinterland die Welt aus den Fugen geraten ist. Die Misogynie ist ein Symptom davon. Susan wird sowohl von ihrem Mann als auch vom FBI-Agenten ausgenutzt und körperlich bis zum Tod verletzt. Wenn schon eine Frau wie Susan kein klares Ziel verfolgt, insinuiert der Film, wie schwer fällt es dann einem ganzen Land, eine Orientierung zu finden?

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